Bergmann und Hüther warnen: “Volkskrankheit Computersucht”?

Immer wieder warnen Experten vor dem erhöhtem Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen. So auch der Familientherapeut und Kinderpsychologe Wolfgang Bergmann und der Hirnforscher Gerald Hüther. Vor vier Wochen meldete sich Bergmann mit der Warnung zu Wort, die Computersucht drohe eine neue Volkskrankheit zu werden. In Deutschland seien bereits 600.000 Kinder und Jugendliche von dieser Sucht betroffen.

Ein besonderes Suchtrisiko, so Bergmann, gehe von Computerspielen aus, da sie den daddelnden Kids Glücks- und Allmachtsgefühle verschafften, die denen nach Genuss von Drogen wie etwa Canabis glichen.

In die gleiche Kerbe schlägt Bergmanns Kollege Gerald Hüther. Anlässlich der heutigen Veröffentlichung seines Buches “Computersüchtig” (Co-Autor: Bergmann) warnte der Neurobiologe vor dem exzessiven Gebrauch neuer Medien wie PC, Spielkonsole und Handy. Abweichend von Bergmann gibt es laut Hüther aber lediglich 100.000 computersüchtige Kinder und Jugendliche in Deutschland.

Seine Erklärung der Sucht: Die neuen digitalen Kulturtechniken hätten das Gehirn umstrukturiert und z.B. dazu geführt, dass die Hirnregion immer größer werde, mit der die Daumenbewegungen reguliert werden. Anfänglich dünne Verbindungswege im Gehirn würden durch intensive Nutzung immer dicker und seien am Ende regelrechte Autobahnen: “Die sind dann so beschaffen, dass man, wenn man einmal drauf kommt, nicht wieder runterkommt”, erklärte Hüther. Diagnose also: Computersucht.

Zwei Expertenmeinungen, die einen etwas ratlos hinterlassen. Abgesehen davon, dass überhaupt umstritten ist, ob und wie digitale Medien eine Sucht erzeugen bzw. welche Gefahren von ihnen ausgehen, sind sich hier offenbar nicht einmal die Fachleute der Kritiker-Fraktion einig. Haben wir nun 100.000 Süchtige oder schon das Sechsfache davon? Sind die Kids süchtig durch die gute alte Endorphin-Ausschüttung (Bergmann) oder ist ihr Gehirn bereits in Richtung Sucht umgepolt? Ist die schnelle Anpassung des Gehirns an neue Kulturtechniken (hier: Maus- und Tastaturbedienung) nicht eigentlich ein Vorteil und gerade die Stärke des Homo sapiens?

Man stelle sich vor, wir diskutierten mit dieser Unschärfe über die Alkoholsucht: Dann hätten wir je nach aktueller Expertenmeinung nicht gut 4 Millionen Alkoholabhängige in Deutschland, sondern vielleicht schon 24 Mio. oder nur 700.000. Klingt hirnrissig, oder?

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lieber Herr… jetzt habe ich doch glatt den Namen überlesen… und so wie ich jetzt mit Ihrem Namen umgehe- ist irgendwie ärgerlich nicht? -, so gehen Sie mit Gerald Hüther und mir um. Sie haben das Buch, mindestens wesentliche Teile davon, schlicht nicht gelesen - was der Gewissheit Ihrer Urteile aber offenbar keinen Abbruch tut. Über die notwendigen Seiten der Einübung in den besonderen Symbolraum Computer und Übertragungsmedien, den Sie anfordern, schreibe ich ausführlich, außerdem handelt es sich vor allem in meinen Texten - also den nicht-biologischen, also schreibe ich auch kein Wort über “Endorphine”, wie Sie kühn behaupten - um den Versuch,das Erleben der Spieler von innen her zu beschreiben - Wirkungsästhetik nennt man das, ist aber wie alle zusammengesetzten Substantive aus der wissenschaftlichen Renommiersprache ein blödes Wort. Ich versuche dies recht anschaulich mit sprachlichen Mitteln, Hüther stellt seine Disziplin ebenso vor. Kriegen Sie alles gar nicht so richtig mit! Sie stürzen sich statt dessen auf den Begriff “Sucht”, als sei es eine medizinische Diagnose, und - ich mache es jetzt kurz - übrlesen, dass in unserem Text der Suchtbegriff vielfach problematisiert wird, zugleich aber die Not vieler Familien und vieler Jugendlicher möglichst eindringlich dargestellt wird - und die kann überhaupt nicht bestritten werden. Also: erst verstehen, dann handeln - bei Computerspielphänomenen ebenso wie bei Rezensionen



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