Kinder und Medien - die aktuelle Studie von ARD und ZDF

Entgegen der vorherrschenden Meinung sehen Kinder heute nicht mehr fern als früher. Das ist eines der teilweise verblüffenden Ergebnisse einer aktuellen und umfassenden Erhebung zum Thema “Kinder und Medien” im Auftrag der ARD/ZDF-Medienkommission und des KI.KA, die heute vorgestellt wurde.

Fernsehen gleichbleibend, draußen Spielen ist out

Die Fernsehnutzung steigt zwar - aber nur bei den Erwachsenen. Während die Erwachsenen im Jahre 2004 durchschnittlich 227 Minuten täglich vor dem Fernseher saßen (zum Vergleich: 1992 waren es 168 Minuten), guckten die Kinder von 3 bis 13 Jahren “nur” 90 Minuten am Tag (1992: 93 Minuten.) Die häufigsten Freizeitbeschäftigungen der Kinder sind immer noch “draußen spielen” und sich mit Freunden treffen. Hier hat sich das Verhalten der Kids allerdings stark gewandelt. Während 1990 noch 73 Prozent der Kinder das Spielen an der frischen Luft als Lieblingsbeschäftigung angaben, waren es 2003 nur noch 46 Prozent. Beim Treffen mit Freunden sieht es ähnlich aus: früher war das für 55 Prozent wichtig, heute lediglich für 36 Prozent.

Mehr Zeit für die Schule

Sind unsere Kinder also Stubenhocker? Nicht ganz. Denn die Studie enthüllt auch, dass die Kinder heute wesentlich mehr Zeit an und mit der Schule verbringen. Die 6- bis 13-Jährigen verweilten 1990 333 Minuten täglich an der Schule, 2003 waren es satte 52 Minuten mehr, also ein Plus, das einer guten Schulstunde entspricht. Gleiches gilt für die Hausaufgaben: früher brauchten die Kids dazu 69 Minuten, heute sind es 74 Minuten. Dieser Effekt dürfte auch auf die zunehmende Zahl der Ganztagsschulen zurückzuführen sein.

Surfen statt lesen

Trotz ausgedehnter Schulzeit verfügen die Kinder aber noch immer über eine Menge Freizeit - und die wird gern medial genutzt. Die Spitzenreiter: Fernsehen, Radio hören, Computer nutzen und nach wie vor Bücher lesen. Allerdings nimmt das Lesen zugunsten des Computers einen immer kleineren Zeitraum ein. 2003 lasen die Kids gerade noch 9 Minuten täglich, 1990 waren es 19 Minuten. Zum Vergleich: Am Rechner verbringen die Kinder werktäglich 14 Minuten, sonntags 32 Minuten. 1990 spielte der Rechner praktisch noch keine Rolle im Leben der Kinder.

Neueste Zahlen, nämlich aus dem Frühjahr 2006, gibt es zum Zugang der Kinder zu Mediengeräten. 66 Prozent der 6- bis 13-Jährigen haben Zugang zu einem Computer, 58 Prozent zum Internet, 59 Prozent haben eine Spielkonsole zu Hause und 40 Prozent nutzen ein Handy. Wobei die Zahlen deutlich mit dem Alter steigen: 81 Prozent der 12- und 13-Jährigen haben einen Computer zu Hause, aber nur 47 Prozent der 6- und 7-Jährigen.

Harry Potter - auch im Fernsehen der Kinder-Star

Ihre Fernsehzeit verteilen die Kids vor allem auf die Sparten Fiction und Unterhaltung, also auf Trickserien, Spielfilme und Shows. Dafür gehen 66 Prozent des Fernsehkonsums drauf, für Information hingegen nur 15 Prozent. Aber das war 1992 auch nicht besser, im Gegenteil: Damals entfielen 76 Prozent auf Fiction und Unterhaltung und 14 Prozent auf informierende Sendungen. Wenig überraschend hingegen, welche Sendungen heute zu den TV-Hits der Kids zählen. Im Jahre 2005 waren die beliebtesten Sendungen die Harry-Potter-Filme “Der Stein der Weisen” (mit sagenhaften 75,3 Prozent Marktanteil bei den 3- bis 13-Jährigen) und “Die Kammer des Schreckens”, gleich danach folgen Thomas Gottschalk und sein Show-Dino “Wetten, dass..?” Absolut familienkompatible Programme also.

Nunja, letztendlich zeigt die Studie aber schon, dass unsere Kinder mehr Zeit als vor ein paar Jahren vor igendwelchen Bildschirmen verbringen. Wenn zwar die Zeit vor dem Fernseher gleich geblieben ist, allerdings die Nutzung von Computer und Spielkonsolen dazu gekommen ist, ergibt dies in der Summe einen höheren Zeitanteil als im Vergleichsjahr.
Kommt dann noch rund eine Schulstunde pro Tag dazu, zeigt sich im Ergebnis ein beachtlicher Bewegungsmangel bei den Kindern. Darum sollten meiner Meinung nach die Eltern in der gemeinsam mit ihren Kindern verbrachten Freizeit auf genügend Ausgleich in Form von Aktivitäten sorgen, die diesen Namen auch verdienen. - Und sich nicht stattdessen zu ihren Kindern vor den Fernseher hocken…

Ehrlich gesagt - meine Kinder gucken teilweise mehr als 90 Minuten. Und das bekommt ihnen nicht gut. Allerdings: Es gibt die Tendenz, je älter das Kind, desto weniger sitzt es vorm TV. Es gibt also Hoffnung.

[…] 55 Jahre nach dem Start des Kinderfernsehens in Deutschland (mit der “Kinderstunde” auf dem NWDR 1951) ist Stagnation angesagt. Die tägliche Sehdauer der Kids nimmt seit einigen Jahren leicht ab, hat sich jetzt bei ca. 90 Minuten eingependelt, das Angebot an Kinderprogrammen im Free-TV geht zurück, die Zielgruppe der 3 bis 13-Jährigen schrumpft. Keine guten Aussichten für die Sendermanager, Werbezeitenverkäufer und Programmmacher. […]

[…] Nichts gegen das Fernsehen, auch nicht dagegen, das Kinder fernsehen - aber die Amis übertreiben es mal wieder: In den USA sehen Babys täglich eine Stunde fern! Die Kids bis zu einem Alter von zwölf Monaten sehen im Schnitt mindestens eine Stunde fern, 83 Prozent der sechs Monate bis sechs Jahre alten Jungen und Mädchen hängen täglich vor der Glotze. Und noch etwas haben die Ami-Kids unseren Kindern voraus: Ein Drittel aller Boys and Girls unter sechs Jahren hat einen Fernseher im Kinderzimmer stehen. Es reicht, wenn die Programmtrends aus den USA kommen, die Sehgewohnheiten müssen wir nicht importieren.Quelle: Berliner Zeitung […]