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Andreas Bourani zu seiner Rolle in Disneys „Vaiana“

Andreas Bourani zu seiner Rolle in Disneys „Vaiana“

Seit dem 22. Dezember ist der Disney-Familienfilm „Vaiana“ in den Kinos. Andreas Bourani spricht die männliche Hauptrolle – und erzählt im Interview, wie es ist, einem Halbgott die Stimme zu leihen.

Er kann ganze Inseln aus dem Meer hieven und macht gen auf dicke Hose. Halbgott Maui ist in den Weiten des Südpazifik eine Legende, aber bei den Menschen nicht unbedingt als angenehmer Zeitgenosse bekannt. In Disneys großem Weihnachtsfilm schlägt sich die 16-jährige Vaiana mit dem Südsee-Herkules herum. Das tapfere Mädchen macht sich auf den Weg, ihre Insel und ihr Volk zu retten, denn der selbstherrliche Halbgott verfluchte einst ihre paradiesische Heimat. Vaiana bricht zu einer abenteuerlichen Reise auf, um den göttlichen Maui milde zu stimmen.

Im Original spricht Haudrauf Dwayne Johnson den Halbgott, für die deutsche Fassung engagierte Disney den Sänger Andreas Bourani, der bereits für die Animationsfilme „Baymax“ und „Hotel Transsilvanien“ im Synchronstudio stand.

Wie hast Du auf die Anfrage von Disney reagiert? Hat man Dir gleich ein Bild des Halbgotts mitgeliefert?

Andreas Bourani: Ich habe mich sehr gefreut. Ich hatte in diesem Jahr auch noch für zwei weitere Filme eine Anfrage  und war am Überlegen, welchen davon ich jetzt machen soll. Aber als dann die Anfrage für VAIANA kam, war die Entscheidung für mich klar. Ich habe den Trailer gesehen und fand die Optik, aber auch die Geschichte toll, weil sie für einen Disney-Weihnachtsfilm eigentlich eher untypisch war. Das fand ich irgendwie spannend.

Die Figur des Maui fällt irgendwie ein wenig aus dem Schema der typischen Figuren eines Disney-Animationsfilms. 

Ja, er ist halt vor allem nicht so eine glatte Figur, sondern eher jemand, der durch sein Ego und seinen Narzismus Reibung erzeugt. Und für einen Disney-Film ist es dann auch wieder typisch, dass er diese Einstellung nach und nach wieder ablegen muss, weil seine Figur eine Art Transformation erlebt. Bei Vaiana ist das ähnlich, wobei sie eher nicht festgefahrene Strukturen lösen muss, sondern eher ihre Identität erforscht und sich auf die Suche nach ihren Wurzeln und den Wurzeln ihres Volkes als Seefahrer macht. Das Spannende an der Geschichte ist aber ja eher das, was zwischen den beiden passiert. Gerade wenn die beiden zusammen auf dem Floß unterwegs sind, lösen sich die meisten der Spannungen zwischen den Beiden.

Ist Vaiana denn smarter als Maui?

Ich finde schon und ich glaube, dass sie auch die Mutigere ist. Man ist ja eigentlich immer nur mutig, wenn man Angst hat und sie ist hier klar die Unerfahrenere der Beiden. Dadurch, dass sie neue Wege gehen muss, neugierig bleiben muss und dadurch auch mutig sein muss, ist sie zwangsläufig die Smartere. Außerdem treibt sie das Abenteuer voran, während Maui selbstgerecht und selbstverliebt auf seiner Insel sitzt und nur darauf wartet, dass ihm jemand ein Boot vorbeibringt. Auf die Idee, selbst etwas zu unternehmen, ist er ja offenbar nie gekommen.

Also schadet das Göttliche dem Menschen vielleicht doch ein wenig?

Das ist jetzt vielleicht nicht die Botschaft, aber seine überlegenen Fähigkeiten machen es ihm einfach, sich über die Anderen zu stellen. Das ist auch eine Form von Macht und es ist natürlich wichtig, wie man damit umgeht und dass man darüber reflektiert. Daher ist die Rolle auch für mich sehr identifizierend, denn in meinem Beruf bekomme ich auch sehr viel Anerkennung. Zudem habe auch ich ein großes Ego, sonst würde ich den Mittelpunkt vermutlich gar nicht so suchen. Das muss ich zudem immer wieder im Zaum halten, reflektieren und darüber nachdenken, was hier eigentlich gerade passiert, was Projektionsflächen und was wirkliche Erfolge sind, auf die ich stolz sein darf und kann. Da gibt es also Parallelen, in denen ich mich auch wieder finde.

Also war es kein Problem, Dich mit dieser Figur zu identifizieren?

Natürlich gibt es Sachen, die ich anders gemacht hätte, aber es ist schon immer gut, wenn man Berührungspunkte mit seiner Figur findet, weil es einem das Spiel erleichtert.

Hast Du dich den bei Deiner Arbeit mehr an Dwayne Johnson orientiert oder hast Du versucht, der Figur auch noch Deine eigene Marke mitzugeben?

Beides! Ich habe zuerst versucht, dem gerecht zu werden, dass er ein sehr massiger Typ ist und dadurch eine viel größere Resonanz in der Stimme hat. Davon musste ich mich dann aber verabschieden, denn so viel Proteine hätte ich gar nicht zu mir nehmen können, um da ran zu kommen. Im Endeffekt war es mir dann auch wichtig, mich selbst einzubringen und der Figur einen Charakter zu geben, der mit mir in Verbindung steht. Trotzdem habe ich mich vom Spiel her und wie die Sachen gesprochen werden an ihm orientieren können.

In „Vaiana“ spielt die Musik eine wesentliche Rolle. Das liegt natürlich daran, dass in Ozeanien tatsächlich so viel gesungen wird. Aber passt ein solcher „Musikfilm“ überhaupt noch in die heutige Zeit?

So viel wird in dem Film ja gar nicht gesungen. Es ist ja nicht so, als wäre der Film mit Songs zugeballert. Im Gegenteil, es gibt gerade mal vier oder fünf Songs und es wird ja auch sehr humorvoll damit gespielt. Es gibt eine Szene, in der Maui zu Vaiana sagt „Wenn Du jetzt anfängst zu singen, muss ich kotzen“. Diese eine Passage lockert das ziemlich humorvoll auf.

Bei der Synchronisation gibt es ja auch immer wieder das Problem, dass es Begriffe oder Redewendungen gibt, die man nicht eins zu eins übersetzen kann.

Genau, so war es ja beispielsweise auch bei dem Song, den ich singe. Im Original heißt der „You‘re Welcome“ und das ist so eine Floskel, die man nicht direkt übersetzen kann. Mit „Voll gerne“ ist es uns aber, wie ich finde, durchaus gelungen, damit die Ironie erhalten bleibt.

Es gibt aber auch Witze, die nur im Englischen so funktionieren und dann ist es als Übersetzer ziemlich schwierig, dafür eine Lösung zu finden. Wir standen oft im Studio und mussten feststellen, dass das so gar nicht funktioniert. Besonders schwierig ist es dann, wenn Wort und Bild aufeinandertreffen. Da muss man dann manchmal Kompromisse eingehen, die den Film aber trotzdem nicht schlechter machen.

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Das Interview führte Michael Spangenberg. Das komplette Gespräch mit Andreas Bourani sowie weitere Interviews und eine Besprechung zu „Vaiana“ finden Sie auf unserer Partnerseite nochnfilm.de.

Fotos: Walt Disney Germany

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