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Kinotipp: EIN MANN NAMENS OVE

Kinotipp: EIN MANN NAMENS OVE

Rolf Lassgård („Wallander“) in einer Paraderolle: In der Bestsellerverfilmung treibt er seine Nachbarn als pedantischer Rentner in den Wahnsinn (Kinostart: 7. April 2016).

Die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Fredrik Brackman ist eine der angenehmsten Überraschungen des bisherigen Kinojahres. Ganz unprätentiös und spielerisch leicht erzählt der schwedische Film von dem großen Drama eines fast unscheinbaren Lebens. Den Typ Mensch, um den es dabei geht, einen „Mann namens Ove“, kennt wahrscheinlich jeder aus der Nachbarschaft oder vom Arbeitsplatz. Einen schlecht gelaunten Pedanten, der seine Mitmenschen nervt, gibt es wahrscheinlich überall. Aber die Geschichte hinter der Fassade dieses ewigen Grantlers ist so einmalig, dass sie von der ersten bis zu letzten Minute fesselt.

 

Mit dem alten Ove (Rolf Lassgård) ist nicht gut Kirschen essen. In der kleinen Siedlung ist der Einzelgänger gefürchtet: Er meldet Falschparker, diszipliniert spielende Kinder, inspiziert die Mülltonnen auf korrekte Mülltrennung und würde am liebsten alle Hunde und Katzen erschießen. Kurz: Ove ist ein echter Stinkstiefel. Dass er nach langen Ehejahren seine geliebte Frau verloren hat und nun auch noch seine Anstellung, erklärt zwar seine miese Laune, aber noch lange nicht, warum er sich umbringen will.

 

Ove will seinem tristen Leben ein Ende setzen – aber immer wieder kommt ihm etwas dazwischen. Zum Beispiel seine neuen Nachbarn, eine schwedisch-iranische Familie mit zwei kleinen Kindern. Doch obwohl die „Fremden“ den Griesgram zunächst gehörig auf die Palme bringen, locken sie hinter der rauen Schale bald einen butterweichen Kern hervor …

Zwei Dinge sind es, die „Ein Mann namens Ove“ so besonders machen: Der Film trifft den Ton zwischen todernster Tragödie und sanfter Komödie, ohne dabei entweder rührselig oder albern zu werden. Und mit Rolf Lassgård, dem besten aller „Wallander“-Kommissare, ist die Hauptrolle perfekt besetzt. Er spielt diesen Retro-Blockwart gerade so, dass er nicht übertrieben oder lächerlich wirkt. Er gibt dem fürchterlichen Kleinbürger ein menschliches Gesicht. Sein Ove ist kein gehemmter Dummkopf, sondern ein Mann, der klaren Worten auch Taten folgen lässt – nur eben manchmal die falschen.

 

Man ahnt sehr schnell, dass Ove eigentlich gerne anders wäre, wenn er nur könnte. Aber warum ist er geworden, wie er ist? Darauf geben ziemlich ausführliche Rückblenden Auskunft, die Ove als Jugendlichen und als jungen Ehemann (Filip Berg) zeigen. Sie bringen uns diesen Durchschnittstypen näher, der doch ein mehr als durchschnittliches Leben geführt hat – und der damit zurechtkommen musste, dass das Schicksal mitten in seiner Familie mehr als einmal brutal zugeschlagen hat.

Die Reise in die Vergangenheit spart auch skurrile Details nicht aus: Wir erfahren, dass Ove sich vor allem deswegen mit seinem besten Freund zerstritten hat, weil der einen Volvo fährt. Für einen Saab-Fahrer wie Ove ein Frevel. Solche Rückblenden wirken gerne mal als Fremdkörper oder billige Erklärversuche im Film, aber nicht bei „Ein Mann namens Ove“. Die Szenen sind präzise inszeniert und halten im Ton genau die tragikomische Stimmung des gesamten Films. Dass bei der ganzen Vergangenheitsbewältigung nicht der aktuelle Ove in Vergessenheit gerät, liegt natürlich an Rolf Lassgård. Der Mann ist einfach super-präsent, meistert die kleinen Zwischentöne und macht aus einem komischen Kauz einen liebenswerten Helden.

Fazit: Porträt eines ungewöhnliches Mannes – rührend, witzig, stark gespielt.

Kinostart: 7. April; Regie: Hannes Holm; FSK: ab 12; Länge: 117 Min.; Verleih: Concorde Filmverleih GmbH; Link: www.einmannnamensove-film.de

 

 

 

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