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Kinotipp: RAUM

Kinotipp: RAUM

Eine Mutter und ihr kleiner Sohn erleiden ein unglaubliches Martyrium – berührendes Entführungsdrama, für das Hauptdarstellerin Brie Larson den Oscar bekam (Kinostart: 17. März 2016).

Dieser Film ist alles andere als leichte Unterhaltung – aber er ist in jeder Sekunde spannend und beinahe atemberaubend. Das liegt an den hervorragenden Darstellern, aber auch an einer geradezu monströsen und doppelbödigen Geschichte, die fast bescheiden, mit ganz wenigen Mitteln, in Szene gesetzt ist. „Raum“ beginnt als Kammerspiel – in einem neun Quadratmeter großen Schuppen.

 

Auf diesen neun Quadratmetern hausen Ma (Brie Larson) und ihr fünfjähriger Sohn Jack (Jacob Tremblay). Offenbar schon seit Jahren, denn der Junge hat keine Ahnung, was außerhalb des Raums vor sich geht. Die beiden sind gefangen, und Ma versucht das Beste daraus zu machen, indem sie für Jack auf den wenigen Quadratmetern ein ganzes Universum erschafft. Sie spielt mit ihm, erfindet Geschichten, erklärt, was es mit dem Himmel über dem Oberlicht der Hütte auf sich hat und dass alles, was im Fernseher läuft, nicht real ist. Aber Ma stößt an ihre Grenzen, die Situation wird immer unerträglicher, denn regelmäßig erscheint ein Mann und missbraucht sie. Das bleibt natürlich auch Jack nicht verborgen. Ma entwickelt einen Plan für eine riskante Flucht …

 

Beklemmend, berührend, zutiefst beunruhigend: Die erste Hälfte von „Raum“ tappt der Zuschauer zunächst im Dunkeln. Wie kamen Ma und Jack in die Hütte? Wer hält sie fest? Wie kann ein Mensch diese unendliche Qual zwischen Gefangenschaft und Missbrauch überhaupt ertragen? Der Film gibt erst nach und nach Antworten auf diese Fragen. Und er entwickelt seine Geschichte (nach dem Bestseller von Emma Donoghue) zunächst nur als Zwei-Personen-Stück zwischen Mutter und Kind.

 

Was nach einer ziemlichen Tortur für den Zuschauer klingt, ist aber  brillantes Schauspieler-Kino. Brie Larson (bekam für diese Rolle den Oscar) und Jacob Tremblay sind ein perfektes Team und spielen so vertraut miteinander, als wären sie tatsächlich Mutter und Sohn. Da sitzt jede Geste, jeder Wimpernschlag. Sie verstehen sich blind – und füllen die unglaubliche Situation, in der ihre Figuren stecken, mit echtem Leben und einem eisernen Überlebenswillen, der sogar heitere Momente kennt.

Dabei ist vor allem der junge Jacob Tremblay umwerfend natürlich, soweit sich das bei dieser Konstellation überhaupt sagen lässt: Nicht einmal die gelegentlich etwas zu literarischen Sätze, die Jack von sich gibt, wirken aus seinem Mund überzogen. Ganz groß, dieser Kleine!

Nach der Psychodrama-Phase in der Hütte entwickelt sich „Raum“ rasant zu einem Thriller, dann zu einem Mediendrama und schließlich zu einem herzzerreißenden Melodram. Nicht einmal trägt der Film dabei zu dick auf, was angesichts des ungeheueren Schicksals von Mutter und Kind ein Leichtes wäre. Was im Gedächtnis bleibt, ist die Bravourleistung der beiden Hauptdarsteller – und das Spiel mit ganz verschiedenen Bedeutungsebenen.

Sicher, vordergründig handelt „Raum“ von einem unfassbaren Verbrechen. Wer aber etwas genauer hinhört und hinsieht, stößt auf eine Menge Fragen, etwa zum Verhältnis von Mutter und Kind, zur Bedeutung von Familie, zur Wahrnehmung von Wirklichkeit und letztlich über die Grenzen des menschlichen Bewusstseins. Wie gesagt, „Raum“ ist alles andere als leichte Unterhaltung.

Fazit: Verstörend und faszinierend zugleich – ein Albtraum, ein Geniestreich. 

Kinostart: 17. März; Regie: Lenny Abrahams; FSK: ab 12; Länge: 118 Min.; Verleih: Universal Pictures Germany; Link: http://www.raum-derfilm.de

 

 

 

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