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Kinotipp: DAS TAGEBUCH DER ANNE FRANK

Kinotipp: DAS TAGEBUCH DER ANNE FRANK

Am 3. März 2016 startet „Das Tagebuch der Anne Frank“ als erste deutsche Kinoverfilmung – sehr eng am Original-Tagebuch, aber in neuer Sprache für eine junge Generation.

Anne Frank hat Zeugnis abgelegt in ihrem Tagebuch – über ihre Zeit im Versteck, über ihre Familie und über die acht Hinterhausbewohner. Ihr Vater, Otto Frank, einziger Überlebender der Familie und des Verstecks, hat das persönliche Dokument seiner Tochter kurz nach dem Krieg und nach langem Ringen öffentlich gemacht.

 

Der Spielfilm „Das Tagebuch der Anne Frank“ entdeckt den Text neu, macht ihn für eine junge Generation zugänglich und erzählt die Geschichte in einer neuen Sprache. Anne, ihre Mutter Edith Frank und ihre Schwester Margot waren Deutsche. Sie starben in Auschwitz und Bergen Belsen, weil sie Jüdinnen waren. Das ist Annes Geschichte:

 

Nach der Emigration aus Frankfurt am Main ist Amsterdam die neue Heimat der Familie Frank geworden. Anne (Lea van Acken), ihr Vater Otto (Ulrich Noethen), Mutter Edith (Martina Gedeck) und Schwester Margot (Stella Kunkat) versuchen hier, wieder ein ganz normales Leben zu führen – bis die Deutschen die Niederlande besetzen und sich auch in Amsterdam die Situation für Juden von Tag zu Tag dramatisch verschlechtert.

 

Als Margot einen Aufruf zur Deportation ins Arbeitslager erhält, beschließt Otto Frank, mit der Familie unterzutauchen. Mit Hilfe seiner Sekretärin Miep Gies (Gerti Drassl) und anderen Mitarbeitern hat er hierfür schon seit Wochen das Hinterhaus seines Firmensitzes in der Prinsengracht 263 als Versteck vorbereitet.

 

Etwas mehr als 50m² sind von nun an das Zuhause der Familie Frank und, kurze Zeit später, auch der Unterschlupf von Hans (André Jung), Petronella (Margarita Broich) und Peter van Daan (Leonard Carow) sowie Albert Dussel (Arthur Klemt). Die acht Hinterhausbewohner leben in ständiger Angst – nachts fliegen Bomber über die Häuser Amsterdams, tagsüber fürchten sie, entdeckt zu werden und
dürfen sich kaum bewegen.

 

Ihre einzige Verbindung zur Außenwelt sind das Radio, Miep Gies und die anderen Helfer. Und dennoch finden sie auch im Hinterhaus zu einem Alltag:
Es wird gelacht, geweint, gestritten und sich versöhnt. Anne Frank, die Jüngste unter ihnen, entdeckt neugierig, was es bedeutet, erwachsen zu werden. In ihrem Tagebuch, das sie zum 13. Geburtstag von ihrem Vater geschenkt bekommt, hält sie ihre Gedanken, Träume, Ängste und Sehnsüchte fest.

In der literarischen Vorlage schildert Anne Frank mit eindrucksvoller Beobachtungsgabe, Klugheit und Humor ihr Leben und den Alltag im Hinterhaus der Amsterdamer Prinsengracht 263. Über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren hatte sie sich dort mit ihrer Familie vor der Verfolgung der Nationalsozialisten versteckt.

Das weltbekannte Tagebuch von Anne Frank kommt nun erstmals als deutsche Produktion ins Kino. Das Drehbuch von „Das Tagebuch der Anne Frank“ orientiert sich sehr eng am Original-Tagebuch und anderen persönlichen Aufzeichnungen – von Anne Frank, ihrer Familie sowie Zeitzeugen. Der Film versucht damit, einem Mädchen sehr nah zu kommen, das den Krieg erlebt, das aber auch Zukunftspläne schmiedet, mit den Eltern und der Schwester streitet und sich erstmals verliebt. Und das trotz seiner ausweglosen Situation und den damit verbundenen Ängsten an seinen Hoffnungen, Sehnsüchten und Träumen festhält.

Trotz beeindruckender schauspielerischer Leistung der 16-jährigen Lea van Acken in der Rolle der Anne Frank will jedoch der Funke nicht so recht auf den Zuschauer überspringen. Anders als in dem Doku-Drama „Meine Tochter Anne Frank“, das im vergangenen Jahr auf Das Erste gezeigt wurde, vermag der Kinofilm nicht die Umstände – die Beengtheit – zu vermitteln, unter denen die Familie Frank „hausen“ musste. Dafür konzentriert sich „Das Tagebuch der Anne Frank“ umso mehr auf die sozialen Strukturen dieser Notgemeinschaft. Dass es da im Zwischenmenschlichen knistert und zuweilen eskaliert, ist nachvollziehbar und interessant. Nur leider stehen die emotionalen Aktionen der pubertierenden Protagonistin unkommentierten Reaktionen der anderen Bewohner gegenüber, sodass sich der Betrachter zuweilen dabei erwischt, der egoistisch dargestellten Figur Anne Frank mit Distanz zu begegnen. Ob das nun förderlich ist, die Lektüre des Buches einer neuen Generation anheim zu legen, wird sich zeigen.

Fazit: Der Kinofilm „Das Tagebuch der Anne Frank“ versucht sich in einer aktuellen Teenagerdarstellung – ob das die Kids von heute erreicht?

 

„Einmal wird dieser schreckliche Krieg doch aufhören, einmal werden wir auch wieder Menschen und nicht allein Juden sein“ schrieb Anne Frank vor rund 70 Jahren in ihr Tagebuch. Doch immer noch sind ethnische und religiöse Verfolgung, Krieg, Mord an Zivilisten und bedrängende Konflikte nicht aus der Welt. Europa ist erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg wieder mit menschlichen Schicksalen konfrontiert, seit Monaten sind hunderttausende Menschen, darunter viele Kinder, auf der Flucht – Flucht vor Krieg, Bombardements und Zerstörung. Sie geben alles auf, um ihr Leben zu retten. Die Flüchtlinge sind auf unsere Hilfe und Solidarität angewiesen. Viele Menschen in Europa und insbesondere in Deutschland engagieren sich derzeit freiwillig, um den Geflohenen zu helfen und für sie da zu sein. Doch würden wir ihnen auch helfen und Mut haben, wenn wir uns selbst dadurch in Lebensgefahr bringen würden?

Die Helfer

Gemeinsam mit der Familie van Pels und später auch Fritz Pfeffer war die Familie Frank mehr als zwei Jahre in einem Hinterhaus in der Amsterdamer Prinsengracht vor der Barbarei der Nazis versteckt. Sich so lange unentdeckt verstecken zu können, war ihnen nur Dank treuer Freunde und Mitarbeiter möglich. Doch kaum einer kennt diese mutigen Menschen, die ihr eigenes Leben riskiert haben, um den Untergetauchten zu helfen. Die vier wichtigsten und couragierten Helfer waren Miep Gies, Bep Voskuijl, Johannes Kleimann und Victor Kugler.

Miep Gies: 1933 wurde sie Sekretärin in Otto Franks Firma. Als dieser Miep bat, seiner Familie im Versteck zu helfen, zögerte sie keine Sekunde. Miep versorgte die Familie mit Lebensmitteln und Informationen. Nach der Verhaftung der Untergetauchten rettet Miep Gries Annes Tagebücher vom Dachboden und übergibt sie 1945 Otto Frank, nachdem klar ist, dass Anne und Margot nicht mehr am Leben sind. Bis zuletzt hat sich Miep Gies für das Anne Frank Haus engagiert.

Bep Voskuijl: Bep arbeitete zehn Jahre in Otto Franks Firma und versorgte die Untergetauchten mit notwendigen Dingen wie Lebensmitteln und Kleidung. Des Weiteren bestellte Bep auf ihren Namen Fernkurse für Anne und die anderen, wie etwa Stenografie und auch einen Lateinkurs. Bep, eine fröhliche Frau, berichtete von Kinovorstellungen und dem täglichen Leben in der Stadt. Anne hatte ein sehr gutes Verhältnis zu Bep. Die beiden tauschten viele Erlebnisse und Gefühle aus.

Johannes Kleiman: Jo Kleinman wurde nach langer Bekanntschaft und späterer Freundschaft als Buchhalter in Otto Franks Firma angestellt. Er ist maßgeblich an der Versorgung der Untergetauchten beteiligt und nach dem Krieg ist es Jo Kleiman, der Journalisten und Besucher durch das Hinterhaus führt.

Victor Kugler: 1933 wurde Victor einer der ersten Mitarbeiter von Otto Franks neuer Niederlassung in Amsterdam für Opteka. Als Otto Frank die Firmenleitung seinen nicht-jüdischen Mitarbeitern übertrug, wurde Victor Direktor der Gewürzfirma Gies & Co. Er galt als wichtiger Halt und Stütze für die Familie Frank. Er hattte sogar die Bücher der Firma verfälscht, um Geld für die Untergetauchten zu besorgen.

Kinostart: 3. März 2016; Regie: Hans Steinbichler; FSK: ab 12 Jahren; Länge: 128 Min.; Verleih: Universal Pictures International Germany; Link: DasTagebuchDerAnneFrank.de

 

 

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