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Kinotipp: DEADPOOL

Kinotipp: DEADPOOL

In dieser Marvel-Verfilmung schlüpft Ryan Reynolds ins Superhelden-Kostüm – seine Waffen: Selbstironie und ein loses Mundwerk (Kinostart: 11. Februar).

Ein weiterer Marvel-Held kriegt einen eigenen Kinofilm: Mit „Deadpool“ kommt eine bei uns eher unbekannte Figur aus dem Marvel-Comic-Universum auf die Leinwand. Aber dieser Kerl braucht sich nicht hinter seinen prominenten Kollegen wie Spider-Man, Iron Man oder Captain America zu verstecken. Denn der junge Mann mit dem eigenartigen Namen Deadpool ist aufreizend anders – er will nämlich gar kein Superheld sein und hat auch keine Lust auf eine Karriere als Mutant à la X-Men. Er ist eigentlich nur auf der Suche nach Glück – Liebesglück.

 

Wade Wilson (Ryan Reynolds) ist unehrenhaft aus dem Dienst einer Spezialeinheit entlassen worden und verdingt sich jetzt als eine Art Privat-Sheriff. Als er sich in die Prostituierte Vanessa (Moreno Baccarin) verliebt, scheint zumindest sein privates Glück gesichert. Aber nichts da: Wade erhält die niederschmetternde Diagnose „Krebs im Endstadium“. Rettung ausgeschlossen. Es sei denn, er vertraut sich einer mysteriösen Organisation an, die ihn heilen und später als Söldner einsetzen will.

 

Nach einer brutalen Prozedur im Labor des Sadisten Ajax (Ed Skrein) hat Wade übermenschliche Selbstheilungskräfte – sein Tumor verschwindet, aber auch sein gutes Aussehen. Mit einem Gesicht wie eine verschrumpelte Avocado möchte er seiner Liebsten Vanessa nicht mehr unter die Augen treten. Sein Plan: den fiesen Ajax ausfindig machen, damit der seine Visage wieder richtet. Im rot-schwarzen Superheldendress macht sich Deadpool auf seinen von Leichen gepflasterten Weg …

 

Große Verschwörungen, Weltenretter-Missionen, Pathos und Patriotismus sind üblicherweise Zutaten in fast jedem Superhelden-Film. Nicht bei „Deadpool“: Der Film setzt von Anfang bis Ende auf (Selbst-)Ironie, nimmt weder sich noch seinen Helden wirklich ernst und macht sich stattdessen über das gesamte Genre lustig.

Das beginnt schon mit Ryan Reynolds als Besetzung für die Hauptrolle: Reynolds hatte als Green Lantern in der gleichnamigen Comicverfilmung viel Kritik einstecken müssen, der Film floppte. Darauf nimmt der Film Bezug: Wade erklärt kurz vor seiner Verwandlung, das er keinen Superheldenanzug tragen will, der „grün und animiert“ ist – wie die Klamotte aus „Green Lantern“.

Auch auf ein Leben in der X-Men-Gemeinschaft („auf der Neverland-Ranch“) legt der Mutant Deadpool keinen Wert. Er lässt sich zwar von den X-Men Colossus (Stefan Kapicic) und Negasonic Teenage Warhead (Brianna Hildebrand) helfen, deren Moralpredigten gehen ihm aber gehörig auf den Geist. Deadpool pfeift auf Moral und Anstand, zieht süffisant über Freunde und Feinde her und hat auch in brenzligen Situationen immer einen kessen Spruch auf den Lippen. Vorzugsweise einen, der unter die Gürtellinie geht.

 

Der vermeintliche Supermann als Antiheld – das ist in „Deadpool“ Programm. So richtet sich Deadpool auch immer wieder direkt an den Zuschauer, stellt rhetorische Fragen („Wie hab ich nur einen eigenen Film bekommen?“) und schafft damit einen ganz eigenen Charakter im Marvel-Universum – einen Kerl mit Superkräften und Bodenhaftung, einen Zyniker mit romantischer Ader.

Denn letztlich ist „Deadpool“, auch das erklärt der Held seinem Publikum direkt, nichts anderes als eine Liebesgeschichte. Der Mann will einfach nur seine Frau wiederhaben, und dafür ist er bereit, mit den schlimmsten Schurken aufzuräumen und am Ende sogar über seinen Schatten zu springen. Ein cleverer Schachzug der Drehbuchautoren, denn so wird aus einem reinen Jungs-Film ein Abenteuer, das auch für weibliche Zuschauer seine Reize hat.

Verfolgungsjagden, Kloppereien, und Explosionen gibt es natürlich trotzdem. Action spielt auch in „Deadpool“ eine wichtige Rolle, ist aber nicht so ausufernd wie in anderen Marvel-Verfilmungen. Dafür sind die Szenen hübsch konzentriert und kompakt, bisweilen allerdings äußerst brutal. Es fließt Blut – und dabei macht Regisseur Tim Miller ausgiebig Gebrauch von Zeitlupensequenzen. Das strapaziert schon gelegentlich die Geschmacksnerven. Die ausgefeilte Anfangsszene allerdings ist raffiniert choreografiert – ein Action-Ballett vom Feinsten.

„Deadpool“ fühlt sich selten an wie eine Marvel-Verfilmung – aber gerade weil dieser Film anders ist als seine Vorgänger, überzeugt er auf fast ganzer Linie. Und ein Ryan Reynolds in Topform beweist, dass er Superhelden doch kann – sofern sie nicht edel und stark, sondern gewitzt und respektlos sind.

Fazit: Ein Superheld, der keiner sein will und eine Story, in der Spaß wichtiger ist als Krawumm – beste Voraussetzungen für einen weiteren Marvel-Mega-Erfolg.

Kinostart: 11. Februar; Regie: Tim Miller; FSK: ab 16; Länge: 108 Min.; Verleih: Fox Deutschland; Link: http://www.fox.de/deadpool

 

 

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