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Kinderbuch-Apps fördern das Vorlesen in Familien!

Kinderbuch-Apps fördern das Vorlesen in Familien!

Kinder-AppsMedien in Kinderhänden sind ein stark umstrittenes Thema. Während vor Jahren besonders der Fernsehkonsum kritisch hinterfragt wurde, sind es inzwischen eine große Vielfalt an Geräten, die Kindern zur Verfügung stehen. Auch die Qualität der so genannten „Apps für Kinder“ ist sehr unterschiedlich. Allerdings gibt es positive Effekte, wie eine Untersuchung der Stiftung Lesen ergeben hat. Dazu ein Interview mit Dr. Simone Ehmig von der Stiftung Lesen.

 

Neben dem TV können Kinder mittlerweile PCs, Spiele-Konsolen, Handheld-Konsolen, Video-Spiele, spezielle Kinder-Laptops und vieles mehr nutzen. Seit wenigen Jahren sind nun aber auch die sogenannten mobilen Devices, wie Smartphone und Tablet dazu gekommen. Schnell gab es für die Geräte auch spezielle Software, so genannte Apps für Kinder. Die Qualität von Kinder-Apps ist sehr unterschiedlich. Allerdings gibt es positive Effekte, wie eine Untersuchung der Stiftung Lesen ergeben hat.

Dr. Simone C. Ehmig (c) Stiftung LesenDas wollte ich nun genauer wissen und verstehen und habe daher Frau Dr. Simone Ehmig von der Stiftung Lesen zum Einfluss von Kinder-Apps auf das Vorleseverhalten befragt.

Wie verbreitet sind Kinder-Apps in deutschen Haushalten laut Ihrer Studie?
„Von 500 Müttern und Vätern zwei- bis achtjähriger Kinder, die wir 2012 befragt haben, hatte gut die Hälfte schon einmal von Bilder- und Kinderbuch-Apps gehört, 16 Prozent der Eltern hatten sich schon eine solche App gemeinsam mit dem Kind angeschaut. Nur in wenigen Familien, die eine Bilder- und Kinderbuch-App betrachtet haben, blieb es beim einmaligen Versuch – die Mehrheit der Eltern ist dabei geblieben: In fast jeder fünften Familie betrachten die Eltern mehrmals in der Woche oder täglich eine Bilder- und Kinderbuch-App mit ihrem Kind, in jeder dritten Familie ist dies ein- bis zweimal in der Woche der Fall.
Eine Befragung von Eltern im Jahr 2013, bei der wir erneut die Nutzung digitaler Angebote erhoben haben, lässt vermuten, dass Apps beim Vorlesen eine wachsende Verbreitung erfahren. Ein Grund liegt darin, dass die Nutzung von Tablet-PCs, auf denen Bilder- und Kinderbuch-Apps besonders gut gemeinsam angeschaut werden können, in Haushalten mit Kindern im Vorlesealter deutlich angestiegen ist.“

In welchen Situationen und warum nutzen Eltern Kinder-Apps?

Kinderbuch
„Eltern entscheiden sehr bewusst, wann sie aus einem gedruckten Buch und wann mit einer App vorlesen, und haben klare Präferenzen: Für das abendliche Vorlesen eignet sich nach Meinung und Erfahrung der Eltern eindeutig das gedruckte Buch besser – digitale Vorleseangebote hingegen tagsüber und vor allem unterwegs. Bilder- und Kinderbuch-Apps ergänzen und erweitern die Möglichkeiten und Anlässe zum Vorlesen in Situationen und an Orten, in denen Vorlesen mit gedruckten Büchern schwierig oder unpraktisch ist – etwa unterwegs in der Bahn, beim Arzt im Wartezimmer usw. Die digitalen Trägermedien (Smartphones und Tablets) können hier platzsparend eine breite Palette an Bilder- und Kinderbüchern bereitstellen und unkompliziert genutzt werden.“

Welche Kriterien sollten Eltern bei der Wahl von Apps für ihre Kinder beachten?
„Grundsätzlich sollte man mit jüngeren Kindern Apps immer zusammen entdecken und das (Lese-) Erlebnis gemeinsam nutzen. Im Vorfeld sollten sich Eltern selbst ein Bild davon machen, ob sich Apps für das Alter ihrer Kinder eignen, denn die Altersangaben im App-Store sind nur vage Richtwerte. Bedienbarkeit und Navigation sollten einfach und im Idealfall selbsterklärend sein.
Es gibt ein breites Spektrum von Apps, bei denen zwischen Kinderbuch-Apps mit spielerischen Elementen und Spiele-Apps mit einem erzählenden Anteil unterschieden werden muss. Beides hat seinen Stellenwert und ist für unterschiedliche Nutzungs-Situationen sinnvoll. Bei Kinderbuch-Apps sollten die spielerischen Elemente der Vertiefung des Inhalts und der Einbeziehung der Leser dienen – aber besser nicht ständig aus der Geschichte herausführen.
Für die gemeinsame Beschäftigung z. B. mit einer Bilderbuch-App ist es schön, wenn die Vorlesefunktion an- und abschaltbar ist und ggf. auch die eigene Stimme aufgenommen werden kann. So können Kinder und Eltern auch einmal nur zu den Bildern erzählen oder man kann ein individuelles Vorlesebuch erstellen. Bei Apps gilt aber wie bei (Bilder-)Büchern: Kinder lieben es, über ihre Lese-Erlebnisse zu reden! Und Eltern erfahren auf diese Weise, welche Art von Geschichten, Spielen oder Figuren ihre Kinder mögen.
Weitere Kriterien, z. B. auch zum Jugendschutz, kann man im Detail auf der Website der Stiftung Lesen nachschauen.“

Welche positiven Effekte sehen sie in der Nutzung von guten Kinder-Apps?
„Zunächst sind es Effekte, die auch gute gedruckte Kinderbücher besitzen: dass sie Lust am Lesen und der Beschäftigung mit Geschichten machen, dass sie über diese Motivation zum (weiteren) Lesen verführen und das Lesen darüber zum selbstverständlichen Bestandteil ihrer Lebenswelt wird. Die digitalen Angebote haben darüber hinaus den Vorteil, dass sie es Kindern in Situationen, in denen sonst eher nicht gelesen wird (z. B. auf Reisen), ermöglichen, Geschichten zu entdecken. Die interaktiven Elemente ergänzen darüber hinaus die Geschichten spielerisch und tragen so zur Lesemotivation bei. Kinder, die motiviert sind, lesen häufiger und länger – dies stärkt ihre Lesekompetenz. Für Kinder aus bildungs- und lesefernen Familien, in denen gedruckte Bücher, Zeitungen und Zeitschriften nicht selbstverständlich sind, können interaktive Geschichten-Apps, Lern-Apps oder Mischformen aus Lesen und Gaming das Lesen in einem neuen Licht zeigen und zu einem Wandel des Leseimages beitragen, der den Einstieg in das Lesen erleichtert.“

Sind Kinderbuch-Apps also eine große Chance für die Leseförderung?
„Das Lesen mit und in den digitalen Medien gehört mittlerweile zum Alltag vieler Kinder und Jugendlichen dazu. Bei der Nutzung der meisten Angebote – ob beim Surfen im Internet, auf sozialen Netzwerken oder im Umgang mit Geschichten-Apps – ist Lesekompetenz notwendig. Sie ist mehr denn je eine Schlüsselkompetenz, um an Bildung teilzuhaben, Informationen zu bewerten und Gesellschaft aktiv mitgestalten zu können. Umgekehrt besitzen digitale Angebote ein großes Potenzial, um Kinder und Jugendliche zum Lesen zu motivieren. Sie können erfolgreich eingesetzt werden – nicht erst in Kita, Schule, Bibliothek oder Jugendzentrum, sondern bereits in der Familie.
Davon sind wir in der Stiftung Lesen überzeugt. Deshalb entwickeln wir auch systematisch Ansätze, um digitale Lesewelten und ihre Angebote für die Leseförderung zu nutzen.“

Gibt es eine Kinder-App, die Sie persönlich sehr gern mögen und empfehlen können?

Apps fuer Kinder
„Dafür verweise ich sehr gern auf die App-Empfehlungen, die die Stiftung Lesen auf dem Empfehlungsportal Apps für Kinder veröffentlicht – nicht nur von Vorlese-Apps, sondern auch von digitalen Angeboten für ältere Kinder und Jugendliche. Auf der Seite stiftunglesen.de geben wir auch konkrete Anregungen, wie man einzelne Apps einsetzen und nutzen kann.“

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