Familienleben

Hilfe, wir sind doch hier nicht im Restaurant!

Hilfe, wir sind doch hier nicht im Restaurant!

KochenFast schon wehmütig denke ich jetzt an die Zeit zurück, als ich mich jeden Tag zum Mittagessen erneut an der Quadratur des Kreises erprobte. Sprich: Neben dem Job versuchte ich, meinen Kindern stets ein frisch bereitetes Mahl zu kredenzen, das bei jedem meiner Individualisten Anklang finden konnte.

Die Kinder sind raus aus dem Haus – und wir können endlich wieder kochen, was und wie es uns gefällt. Herrlich! Und doch denkt das Mutterherz mit Wehmut an die Zeit zurück, da auch beim Essen die Eigenarten unserer Kids berücksichtigt werden mussten. „Warum das denn?“, fragen Sie? Denn bei Ihnen wird gegessen, was auf den Tisch kommt? Tja, das kann man sicherlich so handhaben. Uns ist es allerdings wichtig, dass neben der puren Nahrungsaufnahme und dem gemeinsamen Event auch noch etwas anderes passiert: die Entwicklung des persönlichen Geschmacks.

Die Älteste als Vorreiterin lehrte uns schon bei ihren ersten Mahlzeiten mit uns, dass Erbsen und Möhren quasi zu jedem Gericht passen. Passen mussten, muss man wohl sagen, denn diesen Geschmack kannte und liebte sie – und damit war er ein Garant, dass sie sich an Gerichten wie Gulasch, Spaghetti mit Tomatensoße und Frikadellen versuchen würde.

Kaum hatten wir diese Phase überwunden, kam Tochter Nummer zwei auf den Plan – und die liebte Spinat (nicht etwa den köstlichen Blattspinat, sondern den matschigen). Also gab es fortan die grüne Pampe als stetige Beilage – auch wenn das zarte Kind nur einen Fingerhut davon zu sich nahm. Sohnemann stand anfangs nicht so auf Fleisch, war aber ansonsten mit gesundem Appetit gesegnet.

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So gewöhnte ich mir an, eine Art Trennkost zu kochen: In mindestens fünf Schüsseln bot ich die einzelnen Komponenten und Favoriten der Kids zum Mittagsbuffet an. Das erforderte ein gewisses Maß an Logistik bei nur vier Kochplatten – und oftmals kam ich mir vor wie der überforderte Küchenchef eines Ein-Mann-Restaurants.

kochen 1Je größer die Kinder wurden, desto mehr spannte ich sie also in den Personalplan meiner Imbissbude ein. Schließlich war ich schon diejenige, die vom Schreibtisch losgehastet war, um alle Zutaten frisch zu erwerben. Da konnten sie in der Finalphase ja wohl ein bisschen Tisch decken, Getränke bereiten – und eventuell noch die eine oder andere Tomatendose öffnen, die Muttern in ihrer Hektik hoffnungslos verbeult hatte. Außerdem war mir das „gemeinsame“ Essen wichtig – und dank kaum koordinierbarer Stundenpläne ergab sich da für den einen oder anderen oft eine Wartephase, die mit einer Vorspeise überbrückt werden musste. Denn auch meine Kids kamen – wie dereinst die Mutter selbst – mit brüllendem Hunger aus der Schule.

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kochen 4Dass sich das Mittagessen deshalb für mich auf eine Zwangsarbeitspause von mindestens zwei Stunden ausweitete, wurde zuweilen stressig. Aber auch die Tatsache, dass jedes meiner Kinder ca. fünf Lieblingsmahlzeiten hatte, die sich nur bei einer Rindfleischsuppe trafen. Und das auch nur solange, bis die Mittlere zur Vegetarierin wurde. Da musste ich mir dann Kommentare anhören wie „Kartoffelpüree ist doch was für Zahnlose!“ oder „Wer hat jemals gesagt, dass eine Bratwurstpfanne gut schmeckt?“ und „Schon wieder Tomatensoße?“.

Kochen 2Bei dermaßen eingeschränkter Speisenfolge wurde ihnen also die eigene Engstirnigkeit bewusst – fein! Und wer zu häufig am kostenlosen Mittagsbuffet herummäkelt, der muss wohl selbst den Kochlöffel schwingen. Gesagt, getan – und, siehe da, mit elterlicher Unterstützung im Backoffice versuchten sich drei junge Gourmets in innovativer Küche.

Damit hatte ich dann gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen:
1. Weniger Zeitverlust durchs Kochen
2. Das Gemeckere galt nicht mehr meiner Kochkunst
3. Die Kids lernten die Arbeit eines Kochs zu schätzen
4. Ich lernte neue, interessante Gerichtvariationen kennen
5. Meine Kinder hatten einen großen Schritt in die Selbständigkeit getan.

Dass diese „Kochsessions“ erst stattfanden, als die Herrschaften schon mindestens Teenies waren, versteht sich von selbst. Und auch, dass die Eltern die Hauptköche blieben. Nur an Weihnachten gab es regelmäßig 3-Gänge-Feiertagsmenüs und jeder zeichnete für ein Gericht verantwortlich.

Kommen heute die Herrschaften zum gemeinsamen Essen zu uns, dann müssen wir nur noch die vegetarische Variante des Gerichts hinzufügen – ansonsten sind alle drei mittlerweile ebenso probierfreudig wie wir.

Hat doch geklappt, oder?

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