Familienleben

Plötzlich Familie – Plötzlich unplanbar

Plötzlich Familie – Plötzlich unplanbar

Ich bin schwanger, mittlerweile unverkennbar und höchst schwanger, und ich denke, dass ich nun mit allen Fragen konfrontiert wurde, die anscheinend zum Standardfragenrepertoire an werdende Mütter oder Eltern gehören.

 

Eine der häufigsten Fragen, vor allem zu Beginn der Schwangerschaft war: „Und? War der Nachwuchs denn geplant oder war es ein Versehen (möglicherweise noch nach einer ‚weinlastigen‘ Nacht)?“ Auf diese Frage habe ich immer spontan mit dem kurzen Satz geantwortet: „Ja, das war geplant, doch – irgendwie schon“. Mit dieser Antwort schienen auch alle (ich ebenfalls) zufrieden zu sein, denn vertieft wurde das Thema im Anschluss selten. Diese Selbstverständlichkeit, mit der ich antwortete und meine Antwort angenommen wurde, macht deutlich, dass für alle klar scheint, dass eine Schwangerschaft oder – viel wichtiger – eine Familie werden, ein planbares Ereignis ist. Ist es das denn?

Alle um mich herum sind in den letzten Jahren schwanger geworden und nach anfänglichem Mitleid mit den ganzen werdenden Müttern, die nun auf ihr altes, glamouröses Leben vermeintlich verzichten müssen, fand ich so langsam die Vorstellung, ein eigenes Kindes zu bekommen, viel „glamouröser“ als lange Partynächte und 60-Stunden Arbeitswochen. Nein – ganz so war es nicht – es war vielmehr einfach so, dass sich langsam aber sicher einfach ein Muttergefühl bei mir entwickelte. Ja, ich fühlte mich bereit für ein eigenes Kind mein „altes Leben“ aufzugeben und ein neues zu beginnen. Wenn das schon als geplant gilt, dann war die Schwangerschaft wohl geplant. Meine Antwort auf die Frage war also durchaus ehrlich gemeint.

ABER: Wie planbar ist das alles wirklich? Laut Duden ist ein Plan, die „Vorstellung von der Art und Weise, in der ein bestimmtes Ziel verfolgt, ein bestimmtes Vorhaben verwirklicht werden soll“. Das klingt doch ganz logisch, oder? Ich bin bereit für ein Kind, habe die „Voraussetzungen“ (alle, die es benötigt, quasi die „Hardware“) um schwanger zu werden, weiß, wie es geht, werde schwanger – klingt so wunderbar simpel. Doch schon hier wird die Unplanbarkeit deutlich; Kennt nicht jeder mindestens ein Beispiel von Paaren und Nicht-Paaren (jeglicher Art), die eben trotz aller scheinbar vorhandenen Voraussetzungen und vielleicht auch trotz akribischster Planung nicht schwanger werden, wo kein LH-Test , keine App, kein Ratgeber oder Räucherstäbchen zum gewünschten Erfolg führen? Der Masterplan scheitert hier schon in den Anfängen.

UND: Der biologische Hardware-Teil ist auch nur der eine Aspekt: Was tun, wenn es klappt? Was dann? War das dann wirklich so geplant? Sollte es so sein? So, wie ich mich gerade fühle? War die Verwirrung geplant – die Unsicherheit, die Angst, vielleicht auch der plötzliche Willen, alles rückgängig machen zu wollen? Bin ich das wirklich? Wollte ich das so? HILFE!!! Natürlich wird all dies auch in Ratgebern ausgiebig behandelt (ganz zu schweigen von den vielen, vielen Foren, die Ratsuchende, je nachdem, in welcher Stimmung sie sind, gründlich verunsichern oder in ihrem Gefühl bestätigen können), die einem sagen, dass das normal ist, dass es okay ist sich so zu fühlen. Trotzdem: Auf einmal war ich weiter entfernt von einem Plan als jemals zuvor!

Doch auch diese Phase ist mal überwunden und fast vergessen sind all die Unsicherheiten – mehr oder weniger, denn die Fragen beschäftigen mich immer wieder – und nun traut man sich erneut an einen Plan, der soll nun aber wirklich „wasserdicht“ sein. Also, was ist zu tun? Was muss besorgt werden? Himmel, ein Zeitplan muss ausgearbeitet werden, alle Anträge möglichst schon vorher ausgefüllt werden. Wer hätte gedacht, dass Kinder bekommen ein administrativer Albtraum ist?! Ach ja, die Gardinen mussten schon immer gekürzt werden und eine weitere Fremdsprache wollte ich ja noch lernen. Und überhaupt, vielleicht ist jetzt die Zeit, an der Uni ein paar freie Vorlesungen zu besuchen. Alle sagen doch immer, dass, sobald das Baby da ist, sich alles ändert und man keine Zeit, nie mehr, für nichts haben wird. Also – ranhalten!

Gestern habe ich gesagt bekommen, dass der Verdacht auf Präeklampsie (auch Gestose genannt) besteht. Die Zeit steht still und ich warte voller Nervosität auf die Ergebnisse meiner Blutuntersuchung und nichts und niemand kann mir gerade die Angst nehmen, dass etwas mit meinem Baby nicht stimmen könnte.

Da ist sie wieder, die Nichtplanbarkeit, das wird mir erneut schlagartig bewusst. Es war doch gerade noch alles so perfekt, alles war so super, der Plan lief, alles ist besorgt, alles wurde erledigt, was erledigt werden musste – mein perfekter Pre-Babyplan – und jetzt das. Plötzlich sehe ich die Familie in Gefahr, niemand hat mich auf diese Sorge vorbereitet, kein Plan greift mehr und der Perfekte schon gar nicht.

HALT! Eben kam der erlösende Anruf – es ist alles in Ordnung, die Ergebnisse konnten den Verdacht nicht bestätigen – alles auf Anfang und weiter im Plan! Es macht einfach Spaß, das Leben ist schön!

Kommentare anzeigen (2)

2 Comments

  1. Pingback: Plötzlich Familie - Plötzlich schwanger | Absolut Familie

  2. Julie

    30. Juli 2015 in 16:14

    Und plötzlich, für einen kurzen Moment, ist alles perfekt!
    Du sprichst mir aus der Seele, Nat!
    Planen mit Baby ist unmöglich.. Und die ständige Angst um das kleine Geschöpf wird wohl für immer bleiben. Trotzdem ist es toll, Eltern zu sein.
    Ich freue mich sehr darauf, wenn die Kleinen richtig zusammen spielen können!
    Kisses

Hinterlassen Sie eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Mehr in Familienleben

girl-1863906_1280

Gartengestaltung für die ganze Familie

Hans Wankl15. Oktober 2018
kids-2835431_1280

Einschulung – Welche Schule ist die richtige für mein Kind?

Hans Wankl7. Oktober 2018
camera-1840

Die Dokumentation der Familienerlebnisse ist immer lohnenswert

Hans Wankl4. Juli 2018
rose-2335203_1280

Mit Kindern über den Tod reden: Wie ist es am leichtesten?

Hans Wankl25. Juni 2018

Spielzeug aus Holz: der Klassiker im Kinderzimmer

Hans Wankl23. Mai 2018
young-791849_1280

Arbeiten von zu Hause aus: Homeoffice, Familie und Beruf

Hans Wankl10. März 2018

Der Schultasche die nötige Aufmerksamkeit widmen

Hans Wankl28. Oktober 2017

Die Familienküche – ein Ort, an dem die Generationen zusammenkommen

Hans Wankl20. August 2017

Tipps für eine ruhige Nacht im Kinderzimmer

Hans Wankl30. Juli 2017

Warum eine Kinder-Unfallversicherung so wichtig ist

Hans Wankl23. Juli 2017