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Kinotipp: TRASH

Kinotipp: TRASH

Trash 5Dass der bittere Überlebenskampf um Nahrung, Kleidung und einen sicheren Unterschlupf auf einer brasilianischen Mülldeponie nicht die alleinigen Sorgen dreier Kinder sein können, zeigt der Abenteuerfilm „Trash“ (Kinostart 18. Juni) in eindrucksvollen Bilder. Denn als Raphael, Gardo und Rato dort eine Brieftasche finden, müssen sie plötzlich einmal mehr ums Überleben kämpfen. Dabei setzen sich die drei Slum-Kids für Gerechtigkeit und gemeinsame Freundschaft ein, weil sie etwas verändern wollen.

 

You never know what you’ll find! 
Als der 14-jährige Raphael (Rickson Tevez) auf einer Müllkippe in Rio auf eine Brieftasche stößt, informiert er davon sofort seinen Kumpel Gardo (Eduardo Luis). In die anfängliche Freude der beiden Favela-Kids mischt sich schnell Misstrauen, als wenig später der Polizist Frederico (Selton Mello) auftaucht und demjenigen eine hohe Belohnung verspricht, der das Teil auftreibt.

Trash 1

Unwillig, mit der Polizei zusammenzuarbeiten, deponiert Raphael sein Fundstück erstmal bei dem in der Kanalisation hausenden gleichaltrigen Rato (Gabriel Weinstein). Gemeinsam machen sich die drei Jungs daran, den offenbar brisanten Inhalt der Brieftasche zu entschlüsseln.

Trash 3

Doch das Trio ist bereits in Fredericos Visier. Und der korrupte Cop versteht überhaupt keinen Spaß.

Als Vorlage für das lebensgefährliche Abenteuer, in das er seine drei mit einer überdurchschnittlichen Kombinationsgabe gesegneten Protagonisten schickt, nutzte der Brite Stephen Daldry („Billy Elliot“) den gleichnamigen Roman seines Landsmannes Andy Mulligan. Das Ambiente erinnert unweigerlich an Fernando Meirelles’ Favela-Drama „City Of God“, die Dynamik einiger Szenen wiederum an Danny Boyles „Slumdog Millionär“.

Allerdings erreicht „Trash“ längst nicht die Klasse der genannten Filme. Hier wirkt vieles betont reißerisch, und beim Anprangern von Polizeigewalt, politischer Korruption und anderer Misstände innerhalb der brasilianischen Gesellschaft macht es sich der Regisseur mit seiner Schwarz-Weiß-Malerei ein wenig zu leicht.

Bei der Auswahl seines jungen Hauptdarsteller-Trios bewies Daldry dagegen ein ausgesprochen gutes Händchen. Die agil agierenden Nachwuchsmimen tragen den Film und brauchen sich auch vor den importierten US-Stars Martin Sheen (als Armen-Pater) und Rooney Mara (als dessen Assistentin) nicht verstecken.

Starke Schauspieler, starker Film

Die Wahl der richtigen Schauspieler ist für einen Film entscheidend. Denn selbst ein nahezu perfektes Drehbuch von Richard Curtis („Tatsächlich…Liebe“, „Alles eine Frage der Zeit„). kann auf dem Papier zu gefallen wissen, auf der großen Leinwand ohne die passenden Darsteller jedoch auf ganzer Linie enttäuschen. Eine wichtige Regel, der sich auch Regisseur Stephen Daldry bei der Vorbereitung auf seinen Film „Trash“ bewusst war – und bei der Schauspielerwahl ein goldenes Händchen bewies.

Raphael, Gardo und Rato (Rickson Teves, Eduardo Luis und Gabriel Weinstein)

Trash 4Das Leben in einer Favela ist für die drei Jungs Raphael, Gardo und Rato sicherlich nicht leicht. Doch sie machen das Beste aus ihrer Situation und verwandeln das Durchsuchen des angehäuften Mülls nach wertvollen Gegenständen zu ihrer Haupteinnamequelle. Als sie bei ihrem täglichen Streifzug über die Müllhalde die Geldbörse eines Whistleblowers finden, deren Inhalt entscheidend für die Aufdeckung eines Korruptionsskandals ist, wird ihr Leben jedoch gnadenlos auf den Kopf gestellt. Inmitten einer korrupten Stadt geraten die Jungs nämlich plötzlich ins Visier der örtlichen Behörden, die das Beweismittel unbedingt in ihre Finger bekommen möchten. Und nur mit ihrer Freundschaft und Lebenserfahrung können sie dieser Gefahr unbeschadet entkommen.

Mit Rickson Teves, Eduardo Luis und Gabriel Weinstein hat sich Regisseur Stephen Daldry für drei unbekannte Gesichter entschieden, was für die Verpflichtung dreier Hauptrollen ein hohes Wagnis darstellt. Das Risiko hat sich jedoch ausgezahlt: Alle drei Jungs können in ihrer jeweiligen Rolle brillieren und sich mitsamt einer gehörigen Portion Lebensfreude direkt in das Herz des Zuschauer spielen. Und eindrucksvoll unterstreichen, dass Freundschaft auch inmitten einer Favela entstehen kann.

Olivia (Rooney Mara)

Trash 2Olivia ist eine gute Seele, die sich inmitten von Chaos, Korruption und Armut den Kindern der Favela annimmt. Mit Nähe, Humor und Lehrstunden will sie ihnen trotz der widrigen Umstände ein stabiles und erfüllendes Leben ermöglichen. Als Raphael, Gardo und Rato durch den Fund der Geldbörse in Probleme geraten, sieht Olivia eben diese Stabilität bedroht. Und tut alles, damit sie wieder hergestellt wird.

Rooney Mara darf man definitiv als Shooting Star bezeichnen. Während sie zu Beginn ihrer Karriere nämlich noch in eher kleineren Filmen mitspielte, eroberte die Schauspielerin 2010 schlagartig die große Leinwand und machte sich mit „A Nightmare on Elm Street“, „The Social Network“ und dem Remake von „Verblendung“ einen Namen. Kein Wunder, immerhin kann die Darstellerin mit ihren schauspielerischen Fähigkeiten und beeindruckendem Facettenreichtum auf ganzer Linie punkten. Stärken, die sie auch in „Trash“ gezielt ausspielt.

Vater Juilliard (Martin Sheen)

Trash 6Eigentlich hätte Vater Juilliard die Pascal Aguila Missionsschule bereits nach einem Jahr wieder verlassen sollen. Seiner Liebe zur Schule und den Kindern ist es jedoch zu verdanken, dass er sich gegen die Rückkehr in seine Heimat entschied und sich selbst im hohen Alter noch um die Bildung in der Favela kümmert. Es ist also selbstverständlich, dass er Raphael, Gardo und Rato bei ihrem Abenteuer unterstützend unter die Arme greift. Und die Jungs dabei stets ermutigt, nicht aufzugeben.

Mit „Apocalypse Now“ manövrierte sich Ramón Antonio Gerardo Estévez – vielen wohl eher als Martin Sheen bekannt – direkt in den Schauspielerolymp und kann noch bis heute in kleinen sowie großen Filmen gleichermaßen begeistern. Primär ist das logischerweise seinem darstellerischen Können zu verdanken, doch auch die sympathische Ausstrahlung sollte man nicht außer Acht lassen. Denn viele Fans würden alles dafür geben, Martin Sheen als ihren Großvater zu begrüßen. Ein Gefühl, dass die drei Jungs aus „Trash“ ganz sicher teilen.

Fazit: Unperfekter, aber nicht unspannender Mix aus Abenteuerfilm und Thriller.

Trash_PlakatKinostart: 18. Juni; Regie: Stephen Daldry; FSK: ab 12; Länge: 114 Min.; Verleih: Universal; Link: trash-film.de

 

© Universal Pictures

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