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Kinotipp: 8 NAMEN FÜR DIE LIEBE

Kinotipp: 8 NAMEN FÜR DIE LIEBE

Kulturell sind Andalusier und Basken sich in etwa so nahe wie die Bayern und die Hanseaten – mit noch ein paar ideologischen Gräben mehr dazwischen. Was die beiden spanischen Volksgruppen jedoch eint, ist eine tiefe Heimatverbundenheit. Ein wunderbarer Stoff, um daraus eine leichtfüßige romantische Culture-Clash-Komödie zu spinnen. Befindlichkeiten und Vorurteile werden in „8 Namen für die Liebe“ (Kinostart 11. Juni) mit einer großen Portion Herzenswärme und überschäumender Lust an Situationskomik aufs Korn genommen.

 

Können eine Baskin und ein Andalusier zueinanderfinden?
Schon schwer angeschickert, gerät die Baskin Amaia (Clara Lago), die kurz vor der Hochzeit von ihrem Verlobten verlassen wurde, in einer Flamenco-Bar in Sevilla mit dem Kellner Rafa (Dani Rovira) in einen handfesten Streit.

 

Anschließend landet sie in seinem Bett. Wegen alkoholbedingter Übermüdung bleibt die Nacht sexuell jedoch ohne Folgen, und am nächsten Morgen ist Amaia Richtung Heimat verschwunden.

 

Mit ihrer vergessenen Handtasche reist ihr der spontanverliebte Rafa todesmutig ins „feindliche“ Baskenland nach – und handelt sich eine herbe Abfuhr ein. Anschließend landet er wegen eines Malheurs auch noch im Knast, wo er sich sicherheitshalber als baskischer Separatist ausgibt.

 

Derweil meldet sich nach langer Funkstille überraschend Amaias Vater an. Um vor Koldo (Karra Elejalde) nicht als Sitzengelassene dazustehen, holt Amaia ihre Barbekanntschaft aus der Haft.

 

Fortan übt sich der Andalusier mehr schlecht als recht in der Rolle des baskischen Verlobten.

Auf den blutigen Kampf der baskischen ETA um nationale Unabhängigkeit, der erst vor ein paar Jahren endete, gehen Regisseur Emilio Martínez-Lázaro und das Autorenduo nicht ein. Ansonsten lassen sie kaum etwas aus, um das konfliktträchtige Verhältnis zwischen dem Volk im spanischen Norden und speziell den Andalusiern im Süden in Humor aufzulösen.

Das mit reichlich Situationskomik in Szene gesetzte, mal ironische, mal derbe Spiel mit Klischees und Vorurteilen lockte in Spanien etwa elf Millionen Besucher in die Kinos und avancierte dort zum erfolgreichsten Film aller Zeiten. Ein auch nur annähernd vergleichbarer Erfolg hierzulande ist kaum vorstellbar. Davon sollten sich Fans von turbulenten Culture-Clash-Romantikkomödien jedoch nicht abschrecken lassen – zumal die beiden munter agierenden Hauptdarsteller fast schon allein das Eintrittsgeld wert sind.

Fazit: Spanischer Filmhit, der gute Erinnerungen an „Willkommen bei den Scht’is“ weckt.

Die lieben Klischees!

Schwaben sind geizig, Norddeutsche unterkühlt. Spanier sind laut, Deutsche trinken viel. Überall auf der Welt werden regionale Klischees liebevoll gepflegt. Auch zwischen Rafael und Amaia in „8 Namen für die Liebe“ stehen zunächst einige Vorurteile zwischen Südspaniern und Basken.

Welche verqueren Vorstellungen die beiden Volksgruppen voneinander haben und welche seltsamen populären Klischees es sonst noch so auf der Welt gibt:

Die Deutschen – eine pflichtbewusste und äußerst pünktliche Nation von Biertrinkern und Sauerkraut-Essern. So lauten mehr oder weniger ernstgemeinte gängige Vorurteile des „Blinkspießers“ und „Beschwerdemeisters“, der scheinbar in seinem Urlaub sofort auffällt. Man denke dabei nur an die modischen Fauxpas (Sandalen mit weißen Tennissocken), den ehrgeizigen Wettstreit um die besten Liegeplätze oder die hart umkämpfte Schlacht am Buffet.

Klischees wären keine Klischees, würden sie nicht ein klitzekleines Körnchen Wahrheit beinhalten. Denn der sonst so höfliche Engländer – entweder Fußballfan im Schlabberlook oder elegant gekleideter Finanzhai – lässt gerne mal seine Manieren auf der regnerischen Insel zurück und fällt im Ausland zunehmend durch seine langustenrot-verbrannte (Sommer-) Haut und übermäßigem Hang zum Alkohol auf.

Wenn es um Klischeebilder geht, ist es um die Griechen in diesen Tagen noch schlechter bestellt. Heute hackt ganz Europa auf ihnen herum: Sie seien „faul“ und sollten doch bleiben „wo die Olive wächst“. Keiner spricht mehr davon, wie Ouzo, Souvlaki und Sirtaki vor kurzem noch die Urlaubstage im Land der Götter und Tempel verschönerten.

Bei den Österreichern ist dafür noch alles gut: Glückliche Wanderer, glückliche Sennerinnen und glückliche Kühe! Das ist das Bild vor dem geistigen Auge, wenn wir von der Sommerfrische in der Alpenrepublik träumen.

Schublade auf, Baskenmütze, Baguette, Brie und Bardot rein – und fertig ist der Bilderbuch-Franzose. Andere Länder, andere Sitten – dieses Sprichwort trifft auch auf den französischen Nachbarn, den Italiener, zu. Dort sind doch Amore, Pasta und die Mafia noch zu Hause, oder? Auch wenn anderen Nationen gerne einmal ein Stempel aufgedrückt wird und man deren Sitten und Gepflogenheiten der Einfachheit halber in eine bestimmte Schublade steckt, sollte man Klischees immer mit einem gewissen Augenzwickern betrachten.

„8 Namen für die Liebe“ erzählt liebevoll von den großen und kleinen Schwächen geschlechtsreifer Südländer zur Paarungszeit und ruft eine ganze Palette an Klischees auf, nur um sie im nächsten Moment genüsslich auseinanderzunehmen.

Ein augenzwinkernder Blick auf die vermeintlichen Eigenheiten von Südspaniern und Basken:

 

Böse Zungen behaupten ja, es sei schwerer, mit einer Baskin anzubandeln als Kühlschränke am Nordpol zu verkaufen. Kein Wunder, dass Rafa als „heißblütiger andalusischer Schürzenjäger“, sich an Amaia zunächst die Zähne ausbeißt. Oder wie es sein Kumpel ausdrückt: „Neben einer Baskin zu schlafen, gilt so viel wie dreimal eine aus Madrid flachzulegen.“

Die sprichwörtliche Charmelosigkeit der Basken, die die Zähne nur zum Essen auseinanderkriegen, liefert den perfekten Stoff für wunderbar komische Momente, in denen Rafa mit dem rauen Umgangston genauso zu kämpfen hat, wie mit den riesigen Portionen der baskischen Küche. Das opulente Essen, das Rafas gewöhnlichen südspanischen Magen hoffnungslos überstrapaziert, genießt im Baskenland einen hohen Stellenwert. Nicht umsonst tummeln sich hier viele der kreativsten Spitzenköche Spaniens, und am kulinarischen Himmel leuchten zahlreiche Michelin-Sterne.

Prinzipiell einig sind sich die Basken und die Andalusier in Punkto Heimatverbundenheit. Jedoch gehen bei einer Entfernung der Heimatorte von Rafa und Amaia von über 900 Kilometer die Antworten auf die Frage nach dem, was man als seine „Heimat“ betrachtet, mitunter weit auseinander. Zumal im Baskenland separatistische Tendenzen ja durchaus ein Thema und nicht nur pures Klischee sind. Daher muss sich der großmäulige Rafa – ein stolzer Vorzeige-Andalusier und als solcher nicht unbedingt sonderlich beliebt – im Gefängnis als Widerstandskämpfer „Iñaki, das Maschinengewehr“ inszenieren, der sich eben als geleckter Spanier nur getarnt hat. Denn auch die Andalusier bzw. die Sevillaner bekommen ihr Fett weg: extrovertierte Partylöwen mit geltriefendem Haar und Madonnenamulett um den Hals, dampfplaudernde Witzbolde, die nicht jedes Wort bei jeder Gelegenheit auf die Goldwaage legen…

Kein Wunder, dass man sich schließlich fragt, wer hier eigentlich besser wegkommt – die Andalusier oder die Basken. In „8 Namen für die Liebe“ treffen humorvoll aufgespießte Stereotypen auf rasante Dialoge, überschäumende Situationskomik und einen Hauch von liebevoller Ironie. Am Ende treffen sich die baskischen und andalusischen Zuschauer, indem sie gemeinsam über sich selbst und mit den anderen lachen. Und alle anderen Spanier und Nicht-Spanier lachen mit.

Kinostart: 11. Juni; Regie: Emilio Martinez-Lázaro; FSK: ab 6; Länge: 98 Min.; Verleih: Alamode Film; Link: 8namenfuerdieliebe.de

 

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