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Kinotipp: DIE GÄRTNERIN VON VERSAILLES

Kinotipp: DIE GÄRTNERIN VON VERSAILLES

„Die Gärtnerin von Versailles“ erzählt die Entstehungsgeschichte eines ganz besonderen Elements der Gärten von Versailles: des Ballsaal-Bosketts (Salle de Bal). Alan Rickmans opulent ausgestatteter Historienfilm ist romantische Liebesgeschichte und bissige Komödie zugleich und erzählt von einer starken Frau, die sich in der Männerwelt des französischen Hofes durchsetzen muss – ab 30. April im Kino.

 

Frankreich, Ende des 17. Jahrhunderts. Die unkonventionelle Landschaftsgärtnerin Sabine De Barra (Kate Winslet) erhält von André Le Nôtre (Matthias Schoenaerts), dem obersten Gartenarchitekten Ludwigs XIV. (Alan Rickman), den Auftrag, einen Barockgarten zu bauen. Der Sonnenkönig wünscht sich einen Park für sein neues Schloss in Versailles, der alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen soll.

 

Keine leichte Aufgabe für die selbstbewusste Witwe, die fortan nicht nur gegen neidische männliche Kollegen und subtile Hofintrigen zu kämpfen hat, sondern auch eine immer intensivere Leidenschaft für ihren Auftraggeber verspürt.

 

Aber André ist verheiratet, und Sabine ist sich ihrer Gefühle nicht sicher. Während Andrés eifersüchtige Ehefrau die zarte Liaison mit aller Macht sabotiert, drängt der ungeduldige König auf baldige Fertigstellung seines Gartens…

Mit „Die Gärtnerin von Versailles“ erweist sich Schauspielstar Alan Rickman („Harry Potter“, „Tatsächlich Liebe“) als einfühlsamer und sehr unterhaltsamer Regisseur. Kate Winslet („Die Bestimmung – Insurgent„, „Labor Day„) und der belgische Shootingstar Matthias Schoenaerts („Der Geschmack von Rost und Knochen“) begeistern mit feinsinnigem Spiel. In weiteren Rollen glänzen Stanley Tucci („Die Tribute von Panem„) als Herzog von Orléans und die deutsche Schauspielerin Paula Paul („Absolute Giganten“) als dessen Gemahlin sowie Helen McCrory ( „James Bond 007 – Skyfall“) als Madame Le Nôtre.

 

Das ursprüngliche Jagdschloss Versailles nahe Paris wurde ab 1661 unter Ludwig XIV. (1638-1715), besser bekannt als der Sonnenkönig, zu einer der größten Palastanlagen Europas ausgebaut. Ab 1682 bis zum Ausbruch der Französischen Revolution 1789 diente es als Hauptresidenz der französischen Könige. Die weitläufigen Gartenanlagen wurden vom Landschaftsarchitekten André Le Nôtre (1613-1700) konzipiert. Sein Stil des französischen Barockgartens beeinflusste die Gartenkunst in Europa maßgeblich.

 

Der Garten, den Sabine De Barra hier im Auftrag Le Nôtres anlegt, ist ein sogenanntes „Boskett“. Der Begriff stammt aus dem Französischen und meint ursprünglich Gehölz, Wäldchen oder Dickicht. Boskette sind „Lustwäldchen“ innerhalb eines geometrisch gestalteten barocken Schlossgartens, zumeist im Anschluss an das von geraden Achsen durchzogene und von hohen Hecken gesäumte Parterre. Ein Boskett soll einen Kontrapunkt zur Gebäudearchitektur bilden, da die „Architektur des Grünen“ ebenso Gänge, Treppen, Kabinette und Säle aufweisen kann. Das berühmte Ballsaal-Boskett (Salle de Bal) von Versailles, das man heute noch besichtigen kann, diente dem Hof ursprünglich als Aufführungsort von Konzerten, Schauspielen und anderen Vergnügungen. Rings um die Tanzinsel in der Mitte dieser kleinen Arena ergossen sich dabei Wasserkaskaden über kunstvoll mit Muscheln und Steinen besetzte Treppenstufen.

 

Oberflächlich betrachtet ist „Die Gärtnerin von Versailles“ ein heiteres Sittengemälde einer längst vergangenen Epoche. Rickmans zweite Kinoregiearbeit nach „The Winter Guest“ (1997) ist eine liebevolle und detailverliebte Chronik der prunkvollen Hofkultur Ludwigs XIV., den er mit selbstironischer Hingabe verkörpert. Seine Inszenierung schwelgt in prächtigen Arrangements, zelebriert die Kostüme, die Architektur und, nicht zuletzt, die Gartenkunst des ausgehenden 17. Jahrhunderts. Dabei setzt Alan Rickman weniger auf großes Drama als vielmehr auf die feinen Zwischentöne. Ihm geht es vor allem um die Charaktere, die er behutsam einführt und überaus plastisch zeichnet.

 

Zwar basieren alle Figuren auf historischen Vorbildern, doch ausgerechnet die von Kate Winslet mit großer Intensität verkörperte Protagonistin hat es in Wahrheit nicht gegeben. Sabine De Barra repräsentiert vielmehr ein modernes Element: eine starke Frau, die sich gegen alle Widerstände auf von (oftmals bornierten) Männern dominiertem Terrain zu behaupten weiß. Sie sticht nicht nur am Anfang eine ganze Reihe von Mitbewerbern aus, sie weiß mit ihrer geradlinigen Aufrichtigkeit und professionellen Integrität auch ihren Chef und schließlich den König selbst von sich zu überzeugen.

 

Sehr einfühlsam und sachkundig erzählt der Film vom kreativen Prozess: von den mühevollen Etappen, die zurückgelegt werden müssen, bis aus Entwürfen Pläne und aus Plänen Aktionen werden; von der Hartnäckigkeit, mit der die Inspiration gegen äußere Anfeindungen verteidigt werden muss; und natürlich von der tiefen Befriedigung, die das Gelingen eines ambitionierten Projekts mit sich bringt. „Die Gärtnerin von Versailles“ erzählt von der im Kino selten thematisierten Landschaftsplanung, aber im Grunde steht das Geschehen stellvertretend für jede Art von künstlerischer Arbeit, sei es die des Schauspielers, des Autors, des Malers oder des Filmemachers.

Und nicht zuletzt ist dieser feinsinnige und federleichte Film in seinem Herzen auch eine romantische Liebesgeschichte, wobei Rickman die zarte Romanze zwischen Madame De Barra und Monsieur Le Nôtre ganz allmählich und fast respektvoll entwickelt. Die anfängliche Distanz zwischen den beiden weicht zunächst einer professionellen Hochachtung, und auf diesem starken Fundament lässt sich, Schritt für Schritt, ein Garten der Liebe errichten.

Fazit: „Die Gärtnerin von Versailles“ ist ein sehr sinnliches Historiendrama mit erstklassiger Besetzung, dass nicht nur, aber auch Gartenliebhabern aus dem Herzen spricht.

Kinostart: 30. April 2015; Regie: Alan Rickman; FSK: ab 6 Jahren; Länge: 118 Minuten; Verleih: Tobis Film; Link: DieGaertnerinVonVersailles.de

 

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