Familienleben

Familien-Van im Praxistest: Der Ford Grand C-Max

Familien-Van im Praxistest: Der Ford Grand C-Max

FordC-MAX_2015_015_startFord stellt in diesen Wochen die neue Version seiner bewährten Familienautos C-Max und Grand C-Max vor. Wir haben den Kompakt-Van auf Mallorca getestet.

Ganz ehrlich: Einen Ford hatte ich nicht auf der Liste, als wir uns vor einigen Jahren einen familienkompatiblen Neuwagen zugelegt haben. Wir hatten nach einer Familienkutsche mit fünf Sitzen gesucht: Ein SUV schied dabei aus, weil zu bullig, zu teuer und in der Stadt viel zu unpraktisch. Ein Kombi? Zu lang für Tiefgarage und Parkplatzsuche in der Innenstadt. Ein klassischer Pkw etwa der Golf-Klasse kam gar nicht erst infrage, er hat halt nur vier Sitze – und ist damit zu klein für unsere fünfköpfige Familie. Das Modell der Wahl war daher ein Familien-Van.

Den Ford C-Max hatte ich beim Autokauf ignoriert – die Marke Ford erschien mir zu bieder, zu langweilig, das Design wenig ansprechend. Dabei gehörte der C-Max mit seinem Platzangebot und anderen inneren Werten eigentlich in unsere Klasse – so sehr viele Modelle dieses Typs gibt es schließlich nicht auf dem Markt. Wir haben den neuen C-Max auf Mallorca getestet – und das Auto hat mich in vielen Punkten überzeugt, aber nicht in allen. Für langweilig und bieder halte ich ihn jedenfalls nicht mehr.

Ford hat seinen C-Max einem Rundum-Lifting unterzogen und die neuen Modelle optisch und technisch aufgewertet. Erster Eindruck: Der C-Max sieht zwar noch Ford-typisch aus, hat jetzt aber mit seinem großen Kühlergrill und den schlanken Scheinwerfern ein sportliches Gesicht, die nach hinten hochgezogene Karosserielinie verspricht durchaus so etwas wie Dynamik. Die Heckpartie wirkt mit dem Blech-Wulst, der die beiden Rücklichter verbindet, etwas unrund. Dafür verbirgt sich an der Rückseite des C-Max eine technische (und praktische Neuerung): eine bewegungsgesteuerte Heckklappe.

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Bevor es in die Details geht: Den C-Max gibt es als Fünf- und als Siebensitzer: Der Siebensitzer heißt Grand C-Max, hat zwei Schiebetüren und in der dritten Sitzreihe Platz für zwei Passagiere. Genau diesen Siebensitzer haben wir auf Mallorca getestet, und zwar in der Variante 2,0 Liter TDCi Diesel mit 150 PS und 6-Gang-Schaltgetriebe in der teuersten Ausstattungsvariante Titanium.

Ford Grand C-Max: Fahreigenschaften und Verbrauch

Der C-Max ist kein Sportwagen, aber er fuhr sich überraschend sportlich. Von wegen biedere Familienkutsche! Der Diesel zieht gut durch, selbst im 5. Gang beschleunigt er noch sehr ordentlich und macht so Überholvorgänge auf der Autobahn zu einem leichten Spiel. Dabei belästigt er die Passagiere nicht mit übertriebenen Motor- oder Fahrgeräuschen. Bei maximaler Geschwindigkeit (gut 200 km/h) konnten wir den Wagen auf der Insel nicht testen (Tempolimit!), aber selbst bei flotter Reisegeschwindigkeit über 130 km/h blieb der Motor flüsterleise. Die Lenkung fühlte sich allzeit griffig an, der Wagen lag sicher in der Kurve und steckte auch leicht überhöhte Geschwindigkeiten in engen Landstraßenkurven klaglos weg. Ein Familien-Van mit Spaßfaktor!

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Wir waren mit dem C-Max auf Mallorca kaum in der Stadt, sondern vorwiegend auf der Autobahn, auf Schnellstraßen und Landstraßen unterwegs. Nicht im Gebirge, sondern nur im Flachland. Dafür fand ich den Verbrauch des Diesel-Aggregats überraschend hoch: Der Anzeige auf dem Bordcomputer zufolge lag er im Schnitt deutlich bei über 6 Litern für 100 Kilometer. Ford ermittelte laut Datenblatt im üblichen Verbrauchstest außerorts einen Verbrauch von lediglich 3,5 Litern, im Mix 3,8 Liter. Okay, es ist bekannt, das diese Werte nur unter Idealbedingungen erreicht werden, außerdem verwendeten wir nicht die (serienmäßige) Start-Stopp-Automatik, die Sprit sparen soll – aber die Differenz zwischen Prospekt und tatsächlichem Verbrauch erscheint mir dennoch außerordentlich groß.

Armaturenbrett und Navigationssystem

Schon vor dem Start fand ich ganz anderen Punkt am C-Max recht verwirrend: Das Armaturenbrett hat zwei Displays – und dazu noch eine Menge Schalter, Knöpfe und Tasten. Zwischen (analogem) Tempo- und Drehzahlmesser sitzt der Bordcomputer mit einem Mini-Display. Über der Mittelkonsole, die mit Soundsystem und Steuerung für die Klimaanlage recht vollgepackt ist, thront ein Bildschirm mit satten 20,3 Zentimetern Diagonale: Per Touchscreen lassen sich hier Navigation, Radio, Klimaanlage und Smartphone-Funktionen einstellen. Das klappt sogar per Spracheingabe – mit dem von Ford SYNC 2 betitelten System ist es also möglich, dem Navi ein Ziel „einzuflüstern“ oder die Klimaanlage mit einem einfachen verbalen Befehl zu regeln.

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SYNC 2 ist für die Klasse der Familienkutschen schon ein recht großer Schritt in Richtung Konnektivität, allerdings nur in den deutlich teuren Ausstattungsvarianten Business und Titanium verbaut. Beim Test klappte die Verbindung von Smartphone und SYNC 2 per Bluetooth auf Anhieb und innerhalb weniger Sekunden. Der Fahrer kann so ganz entspannt einen Telefongespräch per Taste am Lenkrad annehmen oder dem System sogar eine SMS diktieren. Dennoch würde ich lieber die Finger vom Telefon lassen – selbst mit beiden Händen am Lenkrad lenkt mich Fern-Gequatsche eher ab. Allerdings könnte mich das System im Notfall retten: Bei einem Crash schickt SYNC 2 automatisch einen Notruf übers angeschlossene Handy raus. Ebenfalls gut: 12-Volt-Steckdose und USB-Anschluss hat der C-Max (in der getesteten Variante) ebenfalls an Bord.

Das Navigationssystem im C-Max leistete sich bei den Testfahrten auf Mallorca allerdings ein paar kräftige Schnitzer. Ich muss dazu sagen: Ich bin kein Fan von Navis und verwende sie höchst selten. Bisher habe ich den Weg meistens besser ohne gefunden. Das ist im Ausland natürlich etwas anderes. Da würde ich mich gern auf elektronische Hilfe verlassen können. Aber wir hatten Pech. Zweimal schickte uns die Navi in die Pampa: Einmal fand sie den bereits programmierten Weg ins Hotel nicht und beorderte uns meilenweit in die falsche Richtung. Ein anderes Mal fand sie nicht wieder auf die vorprogrammierte Route zurück, nachdem wir ein paar hundert Meter vom Weg abgewichen und in die Stadt rein-, statt an ihr vorbeizufahren. Der Weg endete schließlich nach zwei fruchtlosen Ortsdurchfahrten in einer Sackgasse („nehmen Sie die nächste Straße links“) auf einer Wiese.

Assistenzsysteme

Moderne Autos sind vollgestopft mit Assistenzsystemen, die dem Fahrer im Verkehrsgetümmel helfen und die Sicherheit erhöhen sollen. Auch der C-Max geizt nicht mit diesen elektronischen Helferlein, wer mag, kann sich gleich ein ganzes Dutzend davon einbauen lassen. Der Berganfahrassistent ist serienmäßig, optional oder je nach Variante gibt’s eine Ein- und Ausparkhilfe, einen Fahrspur-Assistenten und ein Auffahrwarnsystem und einiges mehr.

Sehr nützlich fand ich – gerade auf fremdem Terrain – das Verkehrsschild-Erkennungssystem: Das zeigt auf dem Bordcomputer die per Kamera erfassten Schilder und informiert so über aktuelle Tempolimits oder Überholverbote. Für mich als Stadtfahrer ebenfalls mehr als Spielerei: der Active City Stop. Der bremst den C-Max bei Geschwindigkeiten von unter 50 km/h selbstständig, sollte ich ein Hindernis übersehen – also Fußgänger, Radfahrer oder vorausfahrende Autos. Der automatische Bremser stoppt den Wagen recht abrupt, verhindert aber eine ansonsten unvermeidbare Kollision. Auch das selbsttätige Einparken klappte Im Test: Dabei übernimmt der Wagen Lenkung und Wegberechnung, der Fahrer muss noch schalten, Gas geben und abbremsen. Mein Eindruck: Schön, aber ohne Hilfe wäre ich mindestens genau so schnell in die Lücke gekommen.

Innenraum und Platzangebot

Der Innenraum wirkt vom Armaturenbrett abgesehen aufgeräumt und zweckmäßig. Verbaut sind Kunststoffe und Textilien, die auch Kinderattacken mit Eis oder Limo schadlos überstehen sollten. Ablagemöglichkeiten sind für die Passagiere im Fond etwas knapp, ausklappbare Tischchen an der Rückseite der Vordersitze sind ein Extra. Das Ablagefach für den Beifahrer ist etwas knapp bemessen, dafür gibt’s in der Mittelkonsole Ablagemöglichkeiten für Handy, Brieftasche und Kleinkram sowie einen Flaschenhalter.

Ford C-Max & S-Max, Mallorca Photo: James Lipman / jameslipman.com

Die Vordersitze sind bequem bei ordentlicher Rundumsicht, die Problemzone des C-Max fängt dahinter an: In der zweiten Sitzreihe gibt es zwar nominell drei Sitze, aber nur die beiden äußeren sind vollwertig. Dort lassen sich auch per Isofix schnell Kindersitze installieren. Der Mittelplatz ist schmal und eigentlich nur als Notsitz zu verwenden. Fünf- oder mehrköpfige Familien müssten also zum Grand C-Max greifen. Der bietet in der dritten Reihe zwei weitere normalgroße Plätze, allerdings mit geringer Beinfreiheit. Und zwei Schiebetüren, was gerade mit Kindern das Ein- und Aussteigen, Beladen und Gefummel mit den Kindersitzen erheblich erleichtert.

Zugang nach hinten gibt’s, wenn der der kleine Mittelsitz zusammengeklappt und im Nebensitz versenkt wird – das lässt sich mit wenigen Handgriffen erledigen.

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Nachteil der Grand-Version: Der große C-Max hat zwar sechs echte Sitzplätze, aber dafür fast keinen Kofferraum mehr. Hinter der dritten Reihe bleibt nur Platz für eine Badetasche und ein paar Handtücher. Alternative für Urlaubs-Langstrecken mit fünf Passagieren: einen Sitz der dritten Reihe umlegen (geht in Sekunden) und so wenigstens einen halben Kofferraum schaffen. Werden beide Sitze der letzten Reihe weggeklappt, bleibt ein sehr ordentlicher Kofferraum mit 520 Litern Fassungsvermögen. Wer die Sitze der zweiten Reihe umlegt, kann sogar bis zu 1787 Liter Raum nutzen.

Und wer beim Beladen beide Hände voll hat, freut sich über die sensorgesteuerte Heckklappe: Die Klappe öffnet sich wie von Geisterhand – ein leider nicht serienmäßiges Extra. Um die Klappe zu öffnen, reicht es aus, den Fuß nur kurz unter den Stoßfänger zu bewegen und den elektronischen Autoschlüssel in der Tasche zu haben. Dan schwingt die Klappe auf – und sie lässt sich per Kopfdruck an der Unterkante jederzeit stoppen. Auf Wunsch merkt sich die Hintertür auch, wie hoch sie sich öffnen darf. Damit knallt die Klappe beim nächsten Mal nicht mehr an die Garagendecke.

Ausstattungen und Preise

Den Ford C-Max gibt es in vier Ausstattungsvarianten ab 17.850 Euro, den Grand C-Max in ebenfalls vier Varianten ab 20.450 Euro. Unter der Haube bietet Ford für den C-Max fünf Benzinmotoren (1,0 bis 1,6 Liter), fünf Dieselaggregate (1,5 oder 2,0 Liter), für den großen Bruder vier Benziner (1,0 bis 1,5 Liter) und vier Diesel (1,5 bis 2,0 Liter). Die Liste der Ausstattungspakete und Extras ist lang, entsprechend klettern mit den Ansprüchen auch die Gesamtpreise. Das Topmodell Grand C-Max in der Titanium-Ausstattung und mit der maximalen Motorisierung 170-PS-Diesel kostet runde 32.000 Euro, wer das Fahrzeug noch weiter aufrüsten will, kann locker ein paar Scheine etwa für den Park-Assistenten, Active City Stop oder den Notbremsassistenten drauflegen. Die neuen C-Max-Modelle sind bereits bestellbar und ab Ende Mai beim Händler.

Fazit

Der Ford C-Max ist ein absolut familientaugliches Auto – kompakt genug für die Stadt und mit ausreichendem Platzangebot für Vater, Mutter und Kind. Größere Familien sollten aber zum Grand C-Max greifen, sonst könnte es im Fond eng werden. Gute Fahreigenschaften machen auch längere Strecken zu einem Kinderspiel. Das Angebot an Technik und Assistenzsystemen ist für einen Wagen dieser Klasse durchaus üppig. Mit dem sprachgesteuerten Konnektivitätssystem SYNC 2 hat das Auto (gegen Aufpreis) ein starkes Kaufargument mehr an Bord. Fragezeichen bleiben allerdings beim Navigationssystem und bei den Verbrauchswerten.

Fotos: Ford, Barbara Leuschner, Thomas Meins

Kommentare anzeigen (1)

1 Kommentar

  1. Ahmo

    6. April 2017 in 15:39

    allo!
    Wir haben selbst 3 Kids. Am wichtigsten war uns, dass hinten 3 einzelne Sitze sind, alle gleich gross, so kann man flexibel einzelne Sitze rausnehmen und vor allem, es passen auf jeden Fall 3 Kindersitze, egal welcher Grösse, nebeneinander. Beim Touran z.B. ist in der Mitte kein Vollwertiger Sitz, bei Zafira glaub ich auch nicht.
    Wir fahren einen Grand Espace, der ist nochmal etwas länger als der Espace. War uns wichtig, denn so bekommt man auch mit 7 Sitzen noch einen Kinderwagen rein. Und beim Espace kann selbst ein 1,90m Mann noch in der letzten Reihe sitzen.
    Ich hatte am Anfang etwas Schiss, dass ich Probleme habe mit so einem grossen Schiff, welches wir liebevoll Brotkasten nennen, aussen Eckig, innen voll Krümmel. Aber meine Befürchtungen blieben aus, er lässt sich prima fahren, ist wendig und man hat nicht das Gefühl, dass man in einem so grossen Auto sitzt. Nachteil: Man fühlt sich schnell beengt, wenn man dann mal in einem anderen Auto sitzt.
    Wir würden ihn wieder kaufen

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