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Kinotipp: DAS GLÜCK AN MEINER SEITE

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Das Glueck an meiner Seite 2Erfrischend und unsentimental erzählt Michelle Wildgens Roman „You’re Not You“ von einer unerwarteten und großen Freundschaft zwischen einer an ALS erkrankten Musikerin und ihrer Pflegerin. Mit Hilary Swank und Emmy Rossum in „Das Glück an meiner Seite“ kommt die Geschichte nun am 16. April in unsere Kinos.

 

Wie so oft im Leben beginnen Veränderungen mit Kleinigkeiten. Kleinigkeiten, denen man zunächst keinerlei Bedeutung beimisst, bis man sie nicht mehr ignorieren kann. Die Konzertpianistin Kate (Hilary Swank) steckt mitten in den Vorbereitungen zu der Dinnerparty anlässlich ihres 35. Geburtstags, als ihr plötzlich Gläser aus der Hand fallen. Das beunruhigt sie noch nicht weiter. Doch als sie am späteren Abend ihren Gästen etwas auf dem Klavier vorspielen will, und sie dabei immer wieder die Kontrolle über ihre Hände verliert, wird ihr bewusst, dass etwas nicht stimmen kann.

Das Glueck an meiner Seite 1Kaum anderthalb Jahre später ist Kate bei fast allem, was sie tut, auf Hilfe angewiesen. Seit sie die Diagnose ALS (Amyotrophe Lateralsklerose, eine unheilbare Krankheit des motorischen Nervensystems) erhalten hat, sind die Symptome der heimtückischen Nervenkrankheit unübersehbar fortgeschritten, sie ist in ihrer Bewegung stark eingeschränkt und kann nur noch schwer selbst für sich sorgen.

Das Glueck an meiner Seite 3Obwohl ihr Mann Evan (Josh Duhamel) sich liebevoll um sie kümmert, braucht Kate zusätzlich Pflege für die Zeit, wenn er arbeitet. Nachdem Kate die erste Pflegerin ziemlich bald entlassen hat, da diese ihr zu sehr das Gefühl gab Patientin zu sein, trifft sie bei der Einstellung der zweiten eine ungewöhnliche Wahl: Aus einer Reihe hochqualifizierter Bewerber engagiert sie ausgerechnet die chaotische Bec (Emmy Rossum), die mit ihrer direkten und frischen Art, so gar nicht in das wohlgeordnete Leben von Kate zu passen scheint. Kates Mann versteht die Welt nicht mehr. Alles spricht gegen die Studentin, die keinerlei Pflegeerfahrung hat, nicht kochen kann und ein wildes Leben führt ohne Verantwortung übernehmen zu müssen.

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Kate vertraut ihrem Instinkt und setzt sich gegenüber ihrem Mann durch. Wie sich zeigt zu recht, denn Bec erweist sich nicht nur als humorvolle und unkonventionelle Pflegerin, durch sie lernt Kate auch völlig neue Seiten von sich kennen. Bec bringt Lebensfreude, Leichtigkeit und Zuversicht in den überaus disziplinierten Alltag von Kate.

Das Glueck an meiner Seite

Aus den so gegensätzlichen Frauen werden ziemlich schnell beste Freundinnen. Eine Freundschaft, die sich selbst dann noch bewährt, als beide an ihre Grenzen gelangen …

Regisseur George C. Wolfe: „Der Film erzählt von zwei Menschen, die sich ihrem wahren Ich stellen. Wenn wir in unserem Leben mit Hürden konfrontiert werden, auf die wir keinen Einfluss haben, dann kann das eine Chance sein, daran zu wachsen. Das hat mich an ‚Das Glück an meiner Seite‘ so fasziniert.“ Neben der Ausnahme-Freundschaft zweier Frauen, die unter extremen Umständen entsteht, handelt der Film auch von unseren verborgenen, oft widersprüchlichen Charaktereigenschaften, die im Alltag nicht unbedingt zutage treten. Der Originaltitel lautet „You’re Not You“ und geht auf eine Bemerkung von Kate zurück. In vielerlei Hinsicht trifft er auf alle Protagonisten zu, findet Wolfe: „Kate ist nicht wirklich Kate. Bec ist nicht wirklich Bec. Und Evan ist nicht wirklich Evan. Sie alle spielen eine Version ihrer selbst – bis sie allmählich erkennen, dass in jedem von ihnen noch eine komplexere, stärkere und tiefgründigere Ausgabe ihrer selbst steckt. Im Verlauf des Films finden alle drei mehr zu sich selbst.“

Der Roman „You‘re Not You“ von Michelle Wildgen war 2006 ein Kritikerhit. Die Geschichte einer anarchischen, impulsiven jungen Frau, die sich aus einer Laune heraus als Pflegerin einer an ALS erkrankten Musikerin bewirbt, hätte leicht zum vorhersehbaren Melodram geraten können. Stattdessen begeisterte das Buch, das bei Themen von Sex bis Kochen kein Blatt vor den Mund nimmt, mit saftigem Humor, aber eben auch mit der ergreifenden Beschreibung einer innigen Freundschaft. Kate ist auf Becs Hilfe angewiesen, aber Bec braucht Kate genauso.

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Authentizität auf allen Ebenen war für George C. Wolfe die Grundvoraussetzung für „Das Glück an meiner Seite“. Um Cast und Crew zu vermitteln, wie ALS-Kranke ihren Alltag bewältigen, engagierte er eine Krankenschwester, die jahrzehntelange Erfahrung mit ALS-Patienten mitbrachte. Sie arbeitete eng mit Hilary Swank („Betty Anne Waters„) und Loretta Devine („For Colored Girls„), die eine Freundin und Leidensgenossin spielt, zusammen, damit sie ihre Rollen möglichst realitätsnah verkörpern konnten. Die Krankenschwester erklärte den Schauspielerinnen, wie sich ALS-Patienten bewegen, wie sie sprechen und welche Veränderungen sie im Verlauf der Krankheit durchmachen. Emmy Rossum („Beautiful Creatures„) und Josh Duhamel („Save Haven„) gab sie einen detaillierten Einblick in die Pflege ALS-Kranker. Darüber hinaus lud Wolfe einige ALS-Patienten ein, so weit wie möglich am Film mitzuwirken. In einer Schlüsselszene sind sie als Statisten zu sehen.

Fazit: Mit „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ über den an ALS erkrankten Physiker Stephen Hawking kann das Drama „Das Glück an meiner Seite“ nicht mithalten – dafür ist die Story zu glatt erzählt. Dafür glänzen aber die Darsteller, allen voran Hilary Swank und Emmy Rossum, mit exzellenter schauspielerischer Leistung.

Die „ALS Ice Bucket Challenge“
Der Sommer 2014 war eisig – für den guten Zweck: Im Juli und August ging die „Aktion Eiskübel“ um die Welt und wurde zum Medien-Phänomen des Jahres. Die Liste der Stars, die mit Humor und Gänsehaut auf die Krankheit ALS aufmerksam machten und zu Spenden aufriefen, ist endlos. Als Erfinder der sensationellen „Ice Bucket Challenge“ gelten der ehemalige Baseball-Profi Pete Frates aus Boston, der selbst an ALS erkrankt ist, und sein Freund Corey Griffin (der 2014 tragischerweise bei einem Badeunfall ertrank). Gemeinsam starteten sie den originellen Spendenaufruf, der niemanden kalt ließ und sich von Boston aus rasant in den USA ausbreitete – zunächst in den sozialen Medien. Ein Millionenpublikum erreichte die Aktion erstmals, als der prominente TV-Moderator Matt Lauer sich in seiner „Today Show“ am 15. Juli einen Eimer mit Eiswasser über den Kopf goss.
Die simple Regel lautet: Geld oder kalt! Wer kneift, muss zahlen. Wobei davon ausgegangen werden darf, dass der Großteil der Teilnehmer beides getan hat. Jeder Challenger darf drei weitere nominieren, die der Herausforderung innerhalb von 24 Stunden nachkommen und ein Beweisvideo ins Netz stellen müssen. Politiker und Profisportler machten mit, Unternehmer wie Mark Zuckerberg, Bill Gates oder Oprah Winfrey, Pop-Idole von Justin Timberlake über Taylor Swift und Lady Gaga bis zu Helene Fischer, Hollywoodstars wie Matt Damon, Jennifer Aniston oder Leonardo DiCaprio. Besonders tapfer zeigte sich Benedict Cumberbatch: Der Schauspieler wurde insgesamt sechs Mal nominiert – und ließ entsprechend gleich sechs Eisduschen über sich ergehen. Eminem, der seinen Guss auf der Bühne bekam, verlangte extra Eis und blieb völlig cool. Nur US-Präsident Barack Obama lehnte trotz wiederholter Aufforderungen ab, soll jedoch großzügig an die amerikanische ALS Association gespendet haben.
Emmy Rossum nominierte ihre Co-Stars in „Das Glück an meiner Seite“: Hilary Swank – die pragmatisch im Bikini antrat – und Josh Duhamel. Ihre Clips sind auf YouTube zu sehen.
Allein im „Ice Bucket“-Hochsommer von Ende Juli bis Ende August 2014 verzeichnete die ALS Association (ALSA) Rekord-Spendeneingänge in Höhe von 100 Millionen Dollar. Die ALSA vergibt ihre Gelder in Form von Zuschüssen an Forschungsprojekte, investiert in die Pflege von ALS-Patienten und Aufklärungskampagnen. In Deutschland konnte die Berliner Charité, die auf die Versorgung von ALS-Kranken spezialisiert ist, im selben Zeitraum Spenden von 200.000 Euro verbuchen.

Das Glueck an meiner Seite_PlakatKinostart: 16. April 2015; Regie: George C. Wolfe; FSK: ab 6 Jahren; Länge: 102 Minuten; Verleih: Koch Media; Link: dasglueckanmeinerseite-film.de

 

© 2015 Koch Media Films GmbH

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