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YouTube Kids: Stärken und Schwächen der neuen Video-App

YouTube Kids: Stärken und Schwächen der neuen Video-App

Vielen Anfragen von Nutzern nach einem sicheren virtuellen Raum für ihre Kinder zufolge hat YouTube nun seine Kids-App auf den US-Markt gebracht. Ob und wann es eine deutsche Version geben wird, ist bislang unklar. Auch in Deutschland ist das Interesse an „YouTube Kids“ enorm. Was diese App nun allerdings leisten kann und welche Schwächen sie hat, hat unsere Apps-Expertin Anja Himmelsbach aus der Onlineredaktion von myToys getestet.

 

Das Video-Portal YouTube erfreut sich seit Jahren größter Beliebtheit. Bislang richtete sich der Dienst an Nutzer über 13 Jahren. Allerdings wird das Video-Portal auch von Familien oft genutzt. Mit YouTube können Eltern ihren Kindern, unabhängig von festen Sendezeiten und vorgegebenen Programmen, Filme und Sendungen bieten. Auch wenn der Dienst sich nicht konkret an Kinder richtet, ist YouTube bei ihnen eine der beliebtesten Anwendungen auf dem Smartphone und Tablet. Durch die unendliche Fülle an Videos und Zusammenschnitten gibt es täglich jede Menge zu entdecken. Doch nicht alles ist für Kinderaugen gedacht. Gewaltverherrlichende und sexuelle Inhalte sind nicht die Themen, mit denen Eltern ihre Kinder konfrontiert sehen wollen.

 

Nach sehr vielen Anfragen von Nutzern hat YouTube nun seine Kids-App auf den US-Markt gebracht. Ob und wann es eine deutsche Version geben wird, ist bislang unklar. Auch in Deutschland ist das Interesse an YouTube Kids enorm. Was diese App nun allerdings leisten kann und welche Schwächen sie hat, habe ich getestet:
YouTube Kids bietet eine gefilterte und sortierte Auswahl, die nicht nur durch Sicherheit, sondern auch durch die einfache Handhabbarkeit überzeugt.

 

Den Kindern stehen auf der farbenfroh und übersichtlich gestalteten Startseite die vier Video-Kategorien „Show“, „Musik“, „Lernen“ und „Entdecken“ sowie eine Suchfunktion zur Auswahl. Diese kann von den Eltern allerdings gezielt in den Einstellungen ausgeschaltet werden, sodass die Kinder nur auf die begrenzten Inhalte auf der Startseite zugreifen können. Hier gibt es eine große Auswahl an bekannten Kanälen und einzelnen Videos von der Sesamstraße über Disney bis zu LEGO.

 

Obwohl durch das Ausschalten der Suchfunktion die Anzahl der Videos stark reduziert wird, befindet sich in der App immer noch ausreichend Material, sodass kleinere Kinder problemlos mit der Auswahl auskommen. Für größere Kinder, die die Suchfunktion bereits bedienen können und dürfen, lohnt es sich, dennoch die Kinder bei der Benutzung zu begleiten. Der Hersteller verweist darauf, dass zwar in einer Kombination aus Algorithmen, manueller Auswahl und Nutzerempfehlungen kindersichere Inhalte gezeigt werden, dieses Verfahren aber durch die Fülle nicht zu 100% sicher ist. Durch kleine Lücken kann es immer wieder vorkommen, dass ungeeignete Filme in die Kids-App gelangen. Aufgrund der oft unangemessenen Anmerkungen von anderen Nutzern ist die Kommentarfunktion in der Kinder-App nicht enthalten. Weitere Einstellungsmöglichkeiten sind die Beschränkung der täglichen Nutzungsdauer und die Lautstärkenbegrenzung.

 

Da Eltern das Verlassen der App selbst nicht einschränken können, lohnt es sich, zusätzlich noch eine Kindersicherung auf dem Gerät zu installieren. Diese kann in Form einer App auf das Gerät geladen werden und verhindert, dass die kleinen Nutzer die App verlassen und andere Anwendungen öffnen.
So weit zu den Vorteilen der Anwendung – allerdings gibt es auch ganz klare Motive für YouTube, eine kostenlose Kids-App „an das Kind“ zu bringen. Denn hier bietet sich die Möglichkeit, eine genau zugeschnittene Zielgruppe mittels Werbevideos zu erreichen. Die Werbevideos für Spielzeug und andere Produkte können leider auch nicht umgangen werden. Vorgeschlagene Videos mit Produktplatzierungen stellen ein weiteres Ärgernis dar.

 

Mein Fazit: Die YouTube Kids App bietet einen relativ sicheren Ort, an dem Kinder vor jugendgefährdendem Material geschützt sind. Allerdings werden genau an diesem Ort auch ganz subtil und gerade für Kinder nicht erkennbar Werbestrategien umgesetzt. Eine begleitete Nutzung empfiehlt sich daher.

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