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Kinotipp: DER KOCH

Kinotipp: DER KOCH

der koch schwarz jeetooaEin tamilischer Koch macht Karriere in Zürich: mit raffinierten Liebesmenüs. Bis ihm ein fieser Waffenhändler in die Suppe spuckt (Kinostart: 27. November).

 

Ja, dieser Film macht Appetit auf exotische Gerichte aus Fernost. Und nein, „Der Koch“ ist nicht so lecker, dass er jede Menge Sterne verdient hätte. Die Grundzutaten stimmen, aber für meinen Geschmack haben es die Macher mit einigen Beilagen übertrieben und dafür den nötigen Kick Schärfe vergessen.

der koch jeetooaDer junge Maravan (Hamza Jeetooa) arbeitet als Hilfskraft in einem Zürcher Sternerestaurant. Der Job ist eigentlich unter seinem Niveau, denn Maravan ist ein begnadeter Koch: Seine Kochschule war Großmutters Küche in seiner Heimat Sri Lanka – dort hat ihn die Alte auch in die Geheimnisse der aphrodisischen Kochkunst eingeweiht.

Als er gefeuert wird, überredet ihn seine Kollegin Andrea (Jessica Schwarz) zur Eröffnung eines sehr speziellen Cateringdienstes: Maravan soll Liebesmenüs für sexmüde Ehepaare kochen. Durch die Vermittlung einer Sextherapeutin kommt der Laden auch recht schnell in Schwung. Die Kunden sind begeistert, und Maravan kocht wie ein junger Gott.

Doch bald kommen ihm Skrupel, denn unter seinen Kunden sind auch zwielichtige Geschäftsleute, die sich mit Prostituierten vergnügen und illegale Waffengeschäfte in seiner Heimat abwickeln. Aber Maravan braucht das Geld, um seine Familie zu unterstützen.

Die raffinierten Gerichte, die vor der Kamera gekocht werden, sind vermutlich wirklich lecker – eine Fusion asiatischer Spezialitäten und moderner europäischer Molekular-Küche. Die Rezepte, die Maravan zubereitet, machen tatsächlich Lust. Sie sind unendlich einfallsreich und überraschend – und damit um einiges interessanter als der Film.

„Der Koch“ ist die Adaption des gleichnamigen Bestsellers von Martin Suter. Möglicherweise war die Romanvorlage etwas zu umfangreich, thematisch einfach zu vielfältig, um sie zu einem gut 100 Minuten langen Drama einzudampfen. Im Film wie im Buch stecken eine Menge Zutaten: Kochen, Sex, Geld, Liebe, Asylantenproblematik, Politik, Gewalt und Moral. Das mag im Roman funktionieren, der Film wirkt etwas überfrachtet mit den vielen Facetten dieser Geschichte.

Dabei haut die Grundkonstellation prima hin: Koch und Kellnerin tun sich zusammen, um ein gastronomisches Start-up zu gründen – er ein genialer Küchenzauberer mit Seele, sie eine coole Geschäftsfrau mit Kontakten. Dann kommt die Liebe ins Spiel – aber nicht zwischen Maravan und Andrea, denn der liebt ein Mädchen aus seiner Heimat, sie steht auf Frauen. Aber auch wenn der Film „Der Koch“ heißt und es zunächst um lustfördernde Leckereien geht, verlässt die Handlung doch recht bald diese gastronomische Ebene. Im „Koch“ geht’s letztlich nicht ums schöne Kochen, sondern um schnöde Politik, noch dazu um die allerschmutzigste Seite dieses Geschäfts.

Kern der Geschichte ist nämlich der Bürgerkrieg auf Sri Lanka, der seit Jahrzehnten zwischen der tamilischen Minderheit und den Militärs tobt. Und so gerät auch Maravan bald zwischen die Mühlen von Rebellen, Waffenhändlern und Heimatliebe. Dieser ganze Komplex – in Rückblenden und Szenen in der Schweizer Tamilen-Gemeinde angetippt – will nicht so recht in das geschmeidige Küchen-Ambiente des Films passen. Es ist zu viel in zu kurzer Zeit, was da serviert wird – oder um im Bild zu bleiben: Der Film tischt ein 7-Gänge-Menü in gut 90 Minuten auf. Eine Sünde, wie jeder Gourmet weiß.

der koch mueller-drossaart, daley-wardUnd nicht jeder Gang ist gelungen: Die Waffenhändler sind klischeehaft dargestellt, der Tamilen-Konflikt bleibt dem Zuschauer letztlich so fern wie die Schweiz von Sri Lanka. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass der noch unbekannte und erfrischend natürliche Hamza Jeetooa und die immer etwas zu abgebrüht wirkende Jessica Schwatz wunderbar miteinander harmonieren. Und dass Rezepte wie Ladies’-Fingers-Curry auf Sali-Reis mit Knoblauchschaum wirklich verführerisch klingen.

der koch posterKinostart: 27. November; Regie Ralf Huettner; FSK: ab 12; Länge: 106 Min.; Verleih: Senator; Link: http://www.koch-derfilm.com

 

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