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Kinotipp: THE BACHELOR WEEKEND

Kinotipp: THE BACHELOR WEEKEND

Wie wichtig ein klassischer Kompass in Zeiten moderner Navigationssysteme sein kann und wie ein Bulle, frischer Wind, eine Höhle, ein Steinhaufen, Moos, ein Autoschlüssel und der Bruder der Braut dazu beitragen, völliges Chaos auszulösen, zeigt der etwas andere Junggesellenabschied „The Bachelor Weekend“ mit einer kräftigen Prise schrägem, irischem Humor. Erwachsenwerden ist eben keine Frage des Alters – ab 6. November im Kino.

 

Fionnan (Hugh O’Conor) kann sich überaus glücklich schätzen: Ruth (Amy Huberman), seine große Liebe, hat seinen Antrag angenommen und die Hochzeitsvorbereitungen laufen vier Wochen vor der Trauung auf Hochtouren. Was ihm allerdings zu schaffen macht, sind die Details, auf die er als Bühnenbildner sehr viel Wert legt – Auseinandersetzungen mit der Hochzeitsplanerin sind bei dieser Haltung schon vorprogrammiert. Um also eine ernsthafte Auseinandersetzung zu vermeiden, bittet Ruth Fionnans besten Freund und Trauzeugen Davin (Andrew Scott), einen Campingtrip in die Berge als Junggesellenabschied zu organisieren.

 

Davin, der schon Junggesellenabschiede nicht ausstehen kann, ist jedoch entsetzt, als ihn Ruth auch noch bittet, ihren Bruder auf diese Männertour mitzunehmen. Denn „The Machine“ (Peter McDonald) ist furchteinflößend, ein Alphatier, das ohne Rücksicht auf Verluste handelt. Im Gegensatz zu den modernen Freunden, die am ehesten als „metrosexuell“ zu bezeichnen sind, ist er wohl das, was man langläufig unter „einem ganzen Kerl“ versteht.

Auch der sensible Fionnan ist alles andere als glücklich über die Nachricht, dass er mit Davin, Simon (Brian Gleeson) und dem großen und kleinen Kevin (Andrew Bennett und Michael Legge) ein Wochenende in der rauen irischen Wildnis verbringen soll. Viel lieber hätte er mit seinen Freunden am Junggesellinnenabschied von Ruth teilgenommen.

Nach verzweifelten Versuchen, „The Machine“ von ihrem Campingtrip fernzuhalten, bekommen die Freunde den testosterongeladenen, selbstbewussten Kerl schmerzhaft zu spüren, der sie schon allein durch seine Anwesenheit einschüchtert.

 

Bewaffnet mit allem, was für so einen Outdoor-Trip notwendig ist, macht sich die Gruppe auf den Weg – und fügt sich in ihr Schicksal, das ihnen „The Machine“ flugs mal aus den Händen nimmt: Die Handys werden eingesammelt, um einmal für zwei volle Tage „offline“ zu sein, den mitgebrachten Kompass entsorgt der inoffizielle Anführer direkt in einem nahe gelegenen Tümpel. Wie sollen sie den Weg jetzt zurückfinden, wenn sie sich in der Wildnis verirren?

 

Unter dem entspannenden Einfluss von Drogen und gefühlvollen Songs verliert sich in totaler Euphorie weiteres, dringend benötigtes Equipment in der Dunkelheit der wilden, irischen Natur. Und „The Machine“ wirkt als Katalysator für so manche, zwischen den Freunden schwelenden, unausgesprochenen Dinge, die abseits aller Konventionen und Kleider lautstark verhandelt werden. So gilt es nicht nur, wieder aus dem Wald, sondern auch einen Weg durch das Dickicht eigener Probleme und Emotionen nach Hause zu finden. Denn dabei ist „The Machine“ ihr kleinstes Problem…

Wer jetzt auf die Idee kommen sollte, „The Bachelor Weekend“ mit themenverwandten Filmen wie „Hangover“ zu vergleichen, der hat die richtige Abzweigung beim Wandern verpasst. Denn bei allen Missgeschicken, die den sechs irischen Jungs passieren, geht es in dieser Komödie doch weniger darum, möglichst spektakuläre Peinlichkeiten zu inszenieren, sondern eher einen Blick auf die Themen Freundschaft und Befindlichkeiten zu werfen. Das hat Regisseur John Butler, der gemeinsam mit Peter McDonald auch das Drehbuch schrieb, auch gut eingefädelt: Man nehme einen Mann wie einen Baum – das klassische „Mannsbild“ also – und stelle ihn komfort-verwöhnten Städtern gegenüber. Das lässt die zwar lächerlich aussehen, zeigt aber auch schnell, das sich eigentlich alle, inklusive „The Machine“, gegenseitig und selbst nur etwas vormachen. So führt dieser Junggesellenabschieds-Trip, der neben hoch amüsanten Zwischenfällen auch noch jede Menge Seitenhiebe auf unsere gesellschaftliche Verkorkstheit (ohne neu gekauftes, vollständig perfektes Equipment geht man doch nicht Wandern!) zu bieten hat, zu offenen Bekenntnissen über Liebe, Schulden und Minderwertigkeitsgefühle, die der Männlichkeit keinen Abbruch tun und die Freundschaft stärken.

Fazit: „The Bachelor Weekend“ ist eine verrückte Buddy-Komödie mit jeder Menge schrägem, irischem Humor, die aber auch die feinen Facetten von Freundschaft und dem Verständnis von Männlichkeit nicht auslässt. Unbedingt ansehen!

Kinostart: 6. November; Regie: John Butler; FSK: ab 12 Jahren; Länge: 94 Minuten; Verleih: Drei Freunde; Link: TheBachelorWeekend.de

 

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