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Fernsehen für Kenner: Politsatire „Alpha House“ bei Amazon Prime

Fernsehen für Kenner: Politsatire „Alpha House“ bei Amazon Prime

Alpha_House_1__c__2014_Amazon.com_Inc.__or_its_affiliatesAmazon macht Fernsehen: Eine der ersten Eigenproduktion des Online-Konzerns geht in die nächste Runde – ab sofort gibt’s die zweite Staffel der Web-Serie „Alpha House“ zu sehen. Die Satire über eine Washingtoner Politiker-WG ist komisch und kurzweilig – kurz: ein Stück gutes Fernsehen.

Streaming ist das neue Fernsehen: Onlinedienste wie Watchever, Maxdome, Netflix oder Amazon Prime Instant Video versuchen sich als Alternative zu Free-TV und Pay-TV präsentieren. Für eine Flatrate zwischen ca. 4 und 12 Euro pro Monat können sich Kunden unbegrenzt TV-Serien, Spielfilme und Dokus bei den Streamingdiensten ansehen.

Anbieter wie Amazon setzen dabei auch auf Eigenproduktionen – auf Serien, die exklusiv für den Auftraggeber produziert wurden und nur dort zu sehen sind. Ebenso wie Konkurrent Netflix hat Amazon erkannt: Wer Erfolg haben will, muss sich unterscheiden und mit eigenen Ideen für Aufsehen sorgen. Für Netflix hat das mit der Politthriller-Serie „House of Cards“ bereits bestens funktioniert. Für viele US-Kunden war diese Serie der Grund, ein Netflix-Abo abzuschließen.

Seit dem vergangenen Jahr hat auch Amazon einige Eigengewächse im Programm: darunter die Politsatire „Alpha House“. Wie „House of Cards“ spielt sie im Machtzentrum der US-Hauptstadt Washington. Vor wenigen Tagen startete die zweite Staffel.

AH_10159.dngWorum geht’s in „Alpha House“?

Angeblich ist die Amazon-Serie von der Realität inspiriert: Vier Kongressabgeordnete bildeten wohl eine Zeitlang eine Art WG in der Hauptstadt. Vier einflussreiche Männer, ein Haus und viele Strippen, die von dort gezogen werden – ein schöner Nährboden für bunte Geschichten.

In der Serie sind’s vier republikanische Senatoren aus der US-Provinz, die gemeinsam unter einer Adresse logieren – politische Freunde zwar, aber doch ist die WG eher eine Art Zweckgemeinschaft. Hausherr ist Louis Laffer, Senator aus Nevada. Er kümmert sich neben seinen Polit-Geschäften auch um den Haushalt, ist so etwas wie ein „Mädchen für alles“. Laffer ist homosexuell – das wissen eigentlich alle, nur er selbst will es nicht wahrhaben.

Den Ton im Haus gibt eher der bullige Gil John Biggs an, ehemaliger Basketballcoach, der sich mehr für Sport als für den Politbetrieb interessiert. Wichtige strategische Entscheidungen überlässt er gern seiner Ehefrau – die aber nie zu sehen ist, sondern ihren Gatten am Telefon steuert. Der smarte Robert Bettencourt wiederum verkuppelt lieber Fraktionsmitarbeiter, als sich dem politischen Tagesgeschäft zwischen Oval Office und Lobby-Vertretern zu widmen.

Zu Beginn der Serie zieht der junge Andy Guzman aus Florida ins „Alpha House“. Der Frauenheld mit kubanischen Wurzeln interessiert sich vor allem für die vielen weiblichen Mitarbeiter im Kongress – und frönt lieber einem Quickie in der Garderobe des Kapitols, als lange Reden im Parlament zu halten. Im Grunde sind die vier Herren Senatoren also nichts weiter als große Jungs, die fern der Heimat mal so richtig auf die Sahne hauen können. Wäre da nicht das Problem, dass alle paar Jahre das Volk entscheidet, wen es als Senator nach Washington schickt …

AH_12437.dngWarum lohnt sich „Alpha House“?

Zunächst einmal: Die Amazon-Produktion ist gut besetzt. Das Personal ist top und braucht sich nicht hinter dem großer Serien-Hits zu verstecken. Neben John Goodman (als Gil John Biggs) spielen Clark Johnson (bekannt aus „Homicide“ und „The Shield“), Matt Malloy sowie Mark Consuelos in den Hauptrollen. In vielen Episoden sind Gaststars zu sehen: In der Pilotfolge gibt Bill Murray einen Kurzauftritt, in weiteren Episoden treten etwa Cynthia Nixon und Haley Joe Osment an.

„Alpha House“ ist Satire, aber kein albernes Polit-Theater. Und sicher auch keine realistische Bestandsaufnahme der Washingtoner Politszene. Die dunkle Seite der Macht wie etwa in „House of Cards“ gibt’s hier nicht zu sehen. Im Vordergrund stehen eher die kleinen Schwächen und großen Egos im Grunde höchst durchschnittlicher Polit-Profis. In Folge 2 hadert Senator Laffer mit seinem Image: Um etwas männlicher rüberzukommen und seine konservativen Wähler zu besänftigen, hört er auf seine Berater und geht in eine gefürchtete Skandal-Talkshow. Mit zweifelhaftem Ergebnis: Denn der Moderator fordert ihn zum Ringkampf, bei dem der Senator eine höchst unglückliche Figur macht. Ganz Washington lacht über Laffer.

Die vier Herren Senatoren sind machtgeil, statusbewusst und nutzen ihre Privilegien weidlich aus, aber: Sie blieben menschlich. Politik ist in „Alpha House“ weniger das Geschäft dunkler Hintermänner, skrupelloser Funktionäre oder ideologischer Überzeugungstäter. Senator Biggs und seine WG-Kumpel wollen einfach nur ein bequemes Leben führen, ihren Job sichern und sich ab und zu eine Portion Lob abholen. Darin unterscheiden sie sich also kaum von Normalbürgern. Diese Jungs mögen zwar einen glamourösen Job haben, aber deswegen verhalten sie sich nicht wie Halbgötter in Schlips und Kragen. Sie reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist – die Dialoge sind bodenständig, das sonst in US-Serien geschmähte F-Wort geht ihnen jedenfalls leicht über die Lippen.

Amazon Prime und Prime Instant Video

„Alpha House“ ist komisch, kurzweilig, klasse. Die erste Staffel mit Pilot und 10 Folgen gibt’s als deutsche Synchronfassung oder wahlweise in der Originalfassung bei Amazon, die zweite Staffel mit ebenfalls 10 Folgen nur in der Originalfassung. Die deutsche Fassung hat Amazon für das Frühjahr 2015 angekündigt.

Wer „Alpha House“ sehen möchte, schließt bei Amazon ein Prime-Abo für 49 Euro pro Jahr ab. Dafür gibt’s neben unbeschränktem Zugang zu Tausenden von Serienepisoden, Filmen und Dokus die kostenlose Express-Lieferung und ein Gratis-Kindle-Leih-E-Book pro Monat. Weitere Möglichkeit, die allerdings langfristig teurer ist und weniger Extras bietet: das Monatsabo Prime Instant Video für 7,99 Euro.

Fotos: Amazon.de

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