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ZWEI TAGE, EINE NACHT

ZWEI TAGE, EINE NACHT

zwei tage cotillardEin Wochenende, an dem für Sandra viel auf dem Spiel steht: Kann sie ihre Kollegen überzeugen, auf eine Prämie zu verzichten, um damit ihren Arbeitsplatz zu retten? Sozialdrama mit Marion Cotillard (Kinostart: 30. Oktober).

 

Dass niemand vor den manchmal negativen Folgen der Globalisierung sicher ist, ist ein Allgemeinplatz, der aber häufig abstrakt bleibt. Dieser Film führt mit schlichten Bildern und dabei ziemlich präzise vor, wie die weltweite, kapitalistisch geprägte Leistungsgesellschaft zu ganz persönlichen Katastrophen führen kann. Und er wirft unangenehme Fragen auf – nach dem Wert eines Menschenlebens, was wir für ein bisschen Geld zu tun bereit sind und wie weit unsere Solidarität reicht.

zwei tage cotillard nachtZwei Tage und eine Nacht – oder ein Wochenende – hat Sandra (Marion Cotillard) Zeit, um ihre bereits beschlossene Entlassung noch abzuwenden. Sandra war einige Wochen wegen Depressionen krankgeschrieben. Jetzt will sie wieder zurück an ihren Arbeitsplatz in einer kleinen Solarzellen-Fabrik in der belgischen Provinz. Am Freitagnachmittag erreicht sie ein Anruf aus der Firma, dass sie Montag gar nicht erst zur Arbeit zu erscheinen braucht: Ihr wurde gekündigt.

Der Chef hatte seine Angestellten vor die Wahl gestellt: Da die chinesische Konkurrenz das Geschäft erschwere, müsse er entweder am Personal sparen oder alle Mitarbeiter müssten auf ihre jährliche Prämie verzichten. Sandras Kollegen entschieden sich in ihrer Abwesenheit für die Prämie und gegen ihren Arbeitsplatz. Vorarbeiter Jean-Marc hatte zuvor Druck auf die Belegschaft ausgeübt mit dem Argument, würde man Sandra nicht entlassen, würde es demnächst einen anderen treffen.

zwei tage timur cottilardSandras Kollegin Juliette (Catherine Salée) lässt das keine Ruhe: Sie erreicht beim Chef eine erneute, diesmal geheime Abstimmung. Bis zum Montag hat Sandra nun Zeit, ihre 16 Kollegen davon zu überzeugen, dass sie zu ihren Gunsten auf die Prämie – es geht um 1000 Euro pro Nase – verzichten, damit sie ihren Job behält. Unterstützt von ihrem Mann Manu (Fabrizio Rongione), geht Sandra auf „Bittsteller“-Tour. Dabei schwankt sie zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Und sie stößt auf ganz unterschiedliche Reaktionen: Von Mitgefühl bis Hass ist alles dabei. Bei einigen ihrer Kollegen löst Sandra mit ihrem Besuch sogar regelrechte Dramen aus.

zwei tage rongioneWelcher Chef würde seine Angestellten vor die perfide Wahl stellen zwischen Prämie für alle oder Kündigung für einen? Sicher, die Ausgangslage dieses Sozialdramas der Regie-Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne wirkt etwas konstruiert. Aber das ist schnell vergessen: Denn der Film zeichnet ein treffendes Bild vom Leistungsdruck in Zeiten der Globalisierung, den Nöten des Einzelnen und der verschwimmenden Grenze zwischen Egoismus und Solidarität.

Und „Zwei Tage, eine Nacht“ hat mit Marion Cottillard eine beeindruckende Hauptdarstellerin. Der glamouröse Star aus „La vie en rose“ zeigt sich hier ungeschminkt und blass als Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs. Sie haucht dieser zunächst schematischen Story Leben ein, macht die Verzweiflung spürbar und erweckt ungeheure Sympathien – auch wenn der Zuschauer ahnt, dass die Mission „Arbeitsplatz sichern“ zum Scheitern verurteilt ist. Sandra kämpft um ihre Existenz, nicht nur um ihre materielle, sondern auch und vor allem um ihre psychische Stabilität. Immer wieder bricht sie in Tränen aus, mehr als einmal will sie einfach aufgeben. Marion Cottillard serviert uns aber keinen schwer verdaulichen Trauerkloß, sondern eine Frau aus Fleisch und Blut, deren Ziele und Reaktionen jederzeit nachvollziehbar bleiben.

Die bewegliche Kamera folgt ihr überall hin – die Dardennes setzen dabei auf eine fast dokumentarische Filmsprache. Sie verzichten auf Kunstlicht, raffinierte Bildkompositionen und einen aufgedonnerten Soundtrack. Der Film liefert raue, kontrastreiche Bilder zu einer beunruhigenden Geschichte. Musik taucht nur zweimal auf (im Autoradio) – und dann bricht sie über Sandra herein wie ihre widerstreitenden Gefühle.

Von dem Moment an, wo Sandra um ihren Arbeitsplatz kämpft, tickt die Uhr. Sie hat ja nur ein paar Stunden Zeit, ihre Kollegen zu überzeugen. Dieser Zeitdruck ist auch ein kluger dramaturgischer Kniff, denn er sorgt für Spannung. Wie viele Stimmen gewinnt sie, wer entscheidet gegen sie und für die Prämie? Es ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen, ähnlich einem Wahlabend mit ungewissem Ausgang bis zur Auszählung der letzten Stimmen.

Fazit: „Zwei Tage, eine Nacht“ ist ein schnörkelloses und emotionales Sozialdrama mit einer fesselnden Hauptdarstellerin.

zwei tage posterKinostart: 30. Oktober; Regie: Jean-Pierre und Luc Dardenne; FSK: ab 6; Länge: 95 Min.; Verleih: Alamode Film; Link: http://www.zweitage-einenacht.de

 

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