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HIN UND WEG

HIN UND WEG

Hin und weg„Hin und weg“ ist ein Road-Movie auf dem Rad, eine komische Tragödie und eine tragische Komödie, ebenso lebensbejahend wie ergreifend – eine inspirierende Hymne an die Freundschaft und das Leben, die mit emotionaler Tiefe und Vielschichtigkeit, voller Witz und Lebendigkeit von dieser alles verändernden Reise erzählt (Kinostart 23. Oktober).

 

Ausgerechnet Ostende! „Ich versteh’ gar nicht, wie man nach Belgien in Urlaub fahren kann“, bringt Michael (Jürgen Vogel) die allgemeine Ratlosigkeit auf den Punkt. Doch das kann die Vorfreude der Clique um Hannes und Kiki (Florian David Fitz, Julia Koschitz), die diesmal die alljährliche gemeinsame Radtour geplant haben, nicht wirklich dämpfen.

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Warum es das Paar ins Land der Pommes und Pralinen zieht, erfahren die Freunde erst bei einer Stippvisite in Frankfurt. Nach einem Tränenausbruch seiner überraschend dort anwesenden Mutter Irene (Hannelore Elsner) sieht sich der kaum übersehbar mit Schwächesymptomen kämpfende Hannes schließlich gezwungen, reinen Tisch zu machen.

Hin und weg 2Danach ist klar: Hannes leidet an ALS, einer degenerativen Erkrankung des motorischen Nervensystems. Er könnte zwar noch ein paar Jahre leben, hat aber – das qualvolle Siechtum seines Vaters vor Augen – bei einem Arzt in Ostende um Sterbehilfe ersucht. Und umstimmen lässt er sich nicht.

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Die Bestürzung ist groß. Will man unter diesen traurigen Voraussetzungen wirklich weiterradeln? Schließlich aber entscheiden sich Hannes’ Gefährten, zu denen noch sein Bruder Finn (Volker Bruch) sowie das Ehepaar Dominik und Mareike (Johannes Allmeyer, Victoria Mayer) gehören, den Todgeweihten auf seiner letzten Tour zu begleiten.

Anders als es sich bislang vielleicht liest, erwartet den Zuschauer hier kein bleischweres Drama. Regisseur Christian Zübert („Lammbock“, „Dreiviertelmond“) und seine Drehbuchautorin Ariane Schröder sind um eine gewisse Leichtigkeit bemüht. Sowas kann schiefgehen. Und tatsächlich lassen ein paar Szenen am Anfang auch auf größere tonale Unstimmigkeiten schließen. Doch diese Befürchtung wird größtenteils wieder zerstreut.

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Die zunächst etwas kindisch erscheinenden Mutprobe-Aufgaben, die sich die Radler vor ihrer Reise untereinander zuteilen und die den Eigenarten der Ausführenden zuwiderlaufen, werden oft überraschend stimmig gelöst. Wenn etwa der notorische Aufreißer Michael als Frau verkleidet in einer Kneipe aufschlägt, geht das keineswegs in Richtung Peinlichkeit. Zudem dienen die Aufgaben letztlich einem guten dramaturgischen Zweck. Sie lockern die Tour in den Tod auf und sorgen für eine vertiefende Charakterisierung der einzelnen Figuren, die ihr eigenes Leben bewusster zu sehen beginnen.

Hin und weg 5Wichtig für das Gelingen des Films ist aber auch das gut harmonierende Ensemble. Man nimmt es Vogel, Fitz & Co. ohne Weiteres ab, dass sich ihre Charaktere sehr vertraut sind. Ein Sonderlob gebührt Julia Koschitz („Der letzte schöne Herbsttag“), die man am liebsten in die Arme nehmen würde, als ihre Kiki ihrer Verzweiflung über das Unabänderliche nicht mehr Herr wird. In Sachen Emotionalität wird dieser Moment nur noch von der äußerst sensibel inszenierten Sterbeszene getoppt. Die geht so tief unter die Haut, dass man die anschließende, etwas Trost spendende „Ein Jahr später“-Sequenz noch gerne mit auf den Nachhauseweg nimmt.

Fazit: Toll gespielte, zwischen Humor und Ernsthaftigkeit überwiegend gut ausbalancierte Tragikomödie.

Hin und weg_PlakatKinostart: 23. Oktober; Regie: Christian Zübert; FSK: ab 12 Jahren; Länge: 95 Minuten; Verleih: Majestic Filmproduktion; Link: HinundWeg-film.de

 

© Wolfgang Ennenbach / Majestic

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