Film

THE CUT

THE CUT

The Cut„The Cut“ ist Epos, Drama, Abenteuerfilm und Western zugleich. Obwohl der Film die Welt vor 100 Jahren beschreibt, ist er brandaktuell, denn er erzählt von Krieg und Vertreibung. Aber auch von der Kraft der Liebe und der Hoffnung, die uns Unvorstellbares leisten lässt. Mit „The Cut“ vollendet Fatih Akin seine Trilogie „Liebe, Tod und Teufel“ – ab 16. Oktober im Kino.

 

Ging es in „Gegen die Wand“ (2004) um den unbedingten Lebenswillen einer jungen Deutschtürkin, die erleben muss, dass zwischen Schmerz und Liebe oft nur eine Haaresbreite liegt, so erzählte „Auf der anderen Seite“ (2007) die Geschichte von sechs Menschen, deren Wege sich kreuzen, ohne sich zu berühren. Erst der Tod führt sie zusammen.

The Cut 1

„The Cut“ widmet sich nun dem Teufel. Der Film handelt vom Bösen im Menschen, davon, was wir anderen Menschen antun. Unbewusst oder willentlich, denn die Grenze zwischen Gut und Böse ist oft fließend. Auch der letzte Teil der Trilogie ist geprägt von Fatih Akins Sicht auf die Welt: „‚The Cut‘ ist ein sehr persönlicher Film geworden, der sich inhaltlich mit meinem Gewissen und formal mit meiner Liebe zum Kino auseinandersetzt“.

The Cut 2

1915: Der armenische Schmied Nazaret Manoogian (Tahar Rahim) lebt mit seiner Frau Rakel (Hindi Zahra) und den Zwillingstöchtern Arsinée und Lucinée (Zein und Dina Fakhoury) in Mardin, im nordöstlichen Mesopotamien. Der politische Wind dreht sich während des Ersten Weltkriegs, aus Minderheiten werden im Osmanischen Reich plötzlich Feinde.

Eines Nachts wird die Familie von türkischen Gendarmen geweckt. Sie nehmen Nazaret, seinen Bruder Hrant (Akin Gazi) und Schwager Vahan (George Georgiou) mit, seine Frau Rakel und die Zwillinge bleiben zurück. Unter dem Vorwand, ihren Militärdienst zu absolvieren, werden die Männer für den Straßenbau eingesetzt. Wer sich widersetzt, wird erschossen.

The Cut 3

Die Gendarmen schikanieren ihre Gefangenen und halten sie zu harter Arbeit an. Wer zum Islam konvertiert, wird begnadigt. Nur wenige nehmen das Angebot an. An den Gefangenen vorbei ziehen weitere Trecks mit armenischen Alten, Kindern und Frauen.

Eines Morgens sind die Gendarmen verschwunden, doch bevor Nazaret und sein Bruder Hrant fliehen können, werden sie und ihre Mitgefangenen erneut von einem Trupp Söldnern und ehemaligen Sträflingen festgenommen. Aneinander gefesselt werden sie in eine Schlucht getrieben. Um Munition zu sparen, erfolgt der Befehl, sie mit Säbeln und Messern umzubringen. Nazaret wird schwer am Hals verletzt, aber überlebt. Sein Bruder Hrant wird vor seinen Augen ermordet.

The Cut

Der ehemalige Dieb Mehmet (Bartu Küçükça?layan) kommt in der Nacht zurück an den Tatort und hilft dem schwer verletzten Nazaret. Er verbindet die Wunde und stellt fest, dass Nazaret seine Stimme verloren hat. Ohne Ziel ziehen sie – Nazaret mehr tot als lebendig – durch die Steinwüste, bis sie auf eine Gruppe Deserteure treffen und sich ihnen anschließen.

The Cut 4

Als sie zusammen einen der aus Mardin geflohenen ehemaligen armenischen Kunden von Nazaret, Baron Boghos (Sévan Stephan), ausrauben, erfährt Nazaret, dass alle Frauen und Kinder von dort geflohen sind. Nazaret trennt sich von der Gruppe, um seine Familie zu suchen. Nur die im Traum vernommene Stimme von Rakel hilft ihm immer wieder auf die Beine.

The Cut 5

Besessen von dem Gedanken, seine Familie wiederzufinden, folgt er ihren Spuren. Jahre später erreicht ihn die Nachricht, dass seine Zwillingstöchter am Leben sind. Von den Wüsten Mesopotamiens über Havanna bis in die kargen, einsamen Prärien North Dakotas begegnet er auf seiner Odyssee den unterschiedlichsten Menschen: engelsgleichen und gütigen Charakteren – aber auch dem Teufel in Menschengestalt.

Als Kind türkischer Eltern erfuhr auch Fatih Akin die Tabuisierung des Themas um den Völkermord an den Armeniern. Er wurde hellhörig und neugierig – und hat vieles entdeckt, das nicht aufgearbeitet ist. Warum es aber den Türken immer noch so schwer fällt, sich mit diesem Teil ihrer Geschichte auseinanderzusetzen, begründet Akin so: „Wenn eine Bevölkerung systematisch von den Geschichtsschreibern und Regierungen belogen wurde, wenn immer wieder gesagt wurde: ‚Das ist eine Lüge, das hat es so nicht gegeben‘, über Generationen hinweg – dann hatten die meisten Türken es einfach so verinnerlicht. Sie hatten nie etwas anderes von den Eltern, aus den Schulbüchern, aus den Zeitungen erfahren. Das kann ich ihnen nicht vorwerfen. Es ist aber falsch, wenn Politiker sagen: ‚Man muss die Geschichte den Historikern überlassen‘. Uns gehört die Geschichte. Den Menschen. Uns allen.“ Auch dem deutschen Kaiserreich war nach heutigen Erkenntnissen zumindest bekannt, was die osmanischen Bündnispartner mit den Armeniern vorhatten, doch man entschied aus strategischen Gründen, sich nicht einzumischen.

The Cut 6

Als Film über den Völkermord an den Armeniern sieht Fatih Akin „The Cut“ jedoch nicht: „Ich erzähle die Geschichte eines Vaters, der seine beiden Töchter sucht und dafür um die Welt reist. Es ist ein Western, dieser Vater reist westwärts bis nach Amerika. Eine Geschichte über Auswanderung und Einwanderung. Die Geschichte spielt vor dem Hintergrund dieses Völkermords. Aber es ist kein Film über den Völkermord. Ich bin kein Politiker und mache keine Politik mit meinem Film. Ich erzähle eine Geschichte anhand von historischen, traumatischen und nicht verarbeiteten Geschehnissen. In ‚The Cut‘ sind ‚Gut‘ und ‚Böse‘ nicht immer eindeutig. So wird die Hauptfigur, der Armenier Nazaret, vom Opfer selbst zum Täter. Und er überlebt nur dank eines barmherzigen Türken.“

Fazit: „The Cut“ behandelt bildgewaltig ein quasi unter den Tisch gekehrtes Kapitel der Weltgeschichte, das uns alle angeht, und dem wir uns dank Fatih Akin und seinem exzellenten Hauptdarsteller Tahar Rahim („Ein Prophet“) behutsam nähern können.

The Cut_PlakatKinostart: 16. Oktober; Regie: Fatih Akin; FSK: ab 12 Jahren; Länge: 139 Minuten; Verleih: Pandora Film; Link: LiebeTodTeufel.de

 

Kommentare anzeigen (1)

1 Kommentar

  1. Pingback: Kinotipp und Gewinnspiel: HEUTE BIN ICH SAMBA | Absolut Familie

Hinterlassen Sie eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Mehr in Film

Nellys Abenteuer

„Nellys Abenteuer“ fürs Heimkino

Barbara Leuschner17. März 2017
Moonlight

Kinotipp: MOONLIGHT

Barbara Leuschner9. März 2017
Trolls 1

Musical-Abenteuer „Trolls“ fürs Heimkino

Barbara Leuschner7. März 2017
Disney mitmach-kino 1

Disney Junior Mitmach-Kino am 5. März!

Barbara Leuschner2. März 2017

Andreas Bourani zu seiner Rolle in Disneys „Vaiana“

Thomas Meins23. Dezember 2016
(Pictured) DORY. ©2013 Disney•Pixar. All Rights Reserved.

Kinotipp: FINDET DORIE

Barbara Leuschner29. September 2016
tschick-start

Kino-Tipp: TSCHICK

Thomas Meins15. September 2016
elliot-der-drache-17-rcm0x1920u

Kinotipp: ELLIOT, DER DRACHE

Thomas Meins25. August 2016

Exklusiver Clip zu CONNI & CO

Thomas Meins2. August 2016
ghostbusters-start

Kinotipp: GHOSTBUSTERS

Thomas Meins1. August 2016