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JACK

JACK

jack pietzckerDer zehnjährige Jack ist aus dem Heim ausgebüxt und streift durch Berlin – auf der Suche nach seiner unzuverlässigen Mutter und seinem kleinen Bruder. Starkes Jugendrama um ein Kind in Not (Kinostart: 9. Oktober).

 

Eltern, die sich nicht um ihre Kinder kümmern, Kinder, die verwahrlosen, das Jugendamt, das zu spät handelt  – in regelmäßigen Abständen lesen wir erschütternde Geschichten in der Zeitung über die manchmal fatalen Konsequenzen elterlicher Verantwortungslosigkeit. Diesem heiklen Thema widmet sich das eindringliche Jugendrama „Jack“. Ein kleiner, nüchterner Film, der unbequeme Fragen stellt und dabei ohne pädagogische Patentrezepte auskommt.

jack 1Jack (Ivo Pietzcker) ist erst zehn Jahre alt, trägt aber schon fast so viel Verantwortung wie ein Erwachsener. Da seine alleinerziehende Mutter Sanna (Luise Heyer) es vorzieht, die Nächte durchzufeiern und mit wechselnden Männerbekanntschaften durch Berlin zu ziehen, muss Jack nicht nur sein Leben selbst organisieren, sondern sich auch noch um seinen sechs Jahre alten Bruder Manuel (Georg Arms) kümmern.

Damit ist Jack überfordert. So kommt es eines Tages zum Unglück: Manuel verbrennt sich in der zu heißen Badewanne, das Jugendamt schreitet ein. Die Behörde steckt Jack in ein Heim. Der Junge hofft, wenigstens in den Sommerferien wieder zurück zu Mutter und Bruder zu können – aber vergeblich. Die Mutter holt ihn nicht wie vereinbart zum Ferienbeginn ab, Jack lässt sich daraufhin auf einen gewalttätigen Konflikt mit einem älteren Heimzögling ein. Nun sieht Jack keinen anderen Ausweg mehr, als aus dem Heim abzuhauen und Mutter und Bruder zu suchen. Auf einer Odyssee kreuz und quer durch Berlin versucht er, seine scheinbar spurlos verschwundene Familie wiederzufinden.

jack pietzcker heyer„Jack“ beeindruckt – mit sparsamen Mitteln und fast dokumentarischen Bilden fängt der Film das Schicksal eines Jungen ein, der eigentlich keine Chance hat – aber sie irgendwie doch nutzt. Der Film ist konsequent aus der Perspektive des Hauptdarstellers erzählt. So erleben wir hautnah mit, was dieser kleine Junge leisten und ertragen muss, um sein Leben auf die Reihe zu kriegen und sich um seinen Bruder zu kümmern. Die Erwachsenen in diesem Film sind beinahe nur Randerscheinungen, und wenn sie auftreten, geben sie fast allesamt eine erbärmliche Figur ab.

Die Mutter schleppt ihre Liebhaber in die Wohnung und bekommt morgens ihren Hintern nicht aus dem Bett. Also muss Jack seinem Bruder das Frühstück allein machen. Die Freunde der Mutter, die Jack um Hilfe bietet, glänzen durch Gleichgültigkeit und Feigheit. Das Jugendamt trifft eine Entscheidung, die zwar vorübergehend das Problem entschärft, aber die Lage im Grunde nicht ändert. Und als Sanna schließlich wieder auftaucht – nach drei Tagen Party und Sex – ahnt Jack, dass der neue Lover seiner Mutter genauso ein Windhund ist wie all die anderen Männer zuvor. Am Ende ist es der Junge, der eine Entscheidung trifft – kein Erwachsener.

Dieser Film ist kein Vergnügen – aber ein außergewöhnlich spannender und bewegender Einblick in eine düstere Nische unserer Gesellschaft. Viel Handkamera-Einsatz, Verzicht auf perfekt ausgeleuchtete Szenen und geschönte Kulissen, sparsam eingesetzte Dialoge – dieser Film verzichtet auf jeden Schnickschnack und bleibt dafür mit seiner rauen Machart dicht an seinem Hauptdarsteller dran. Ähnlich wie Jack muss der junge Ivo Pietzcker die Geschichte fast allein auf seinen schmalen Schultern tragen. Und das klappt, denn der Nachwuchsdarsteller zeigt eine wirklich reife Leistung. Sein Gesicht des Jungen, der so ernsthaft wie ein Erwachsener handeln muss, aber doch noch so unschuldig ist wie ein Kind, spricht jedenfalls Bände.

jack posterKinostart: 9. Oktober; Regie: Edward Berger; FSK: ab 6; Länge: 102 Min.; Verleih: Camino Filmverleih; Link: http://www.jack-film.de

 

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