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HÜTER DER ERINNERUNG – THE GIVER

HÜTER DER ERINNERUNG – THE GIVER

hueter thwaites rushIn naher Zukunft, in der die Menschen ohne Gewalt, aber auch ohne Gefühle leben, bewahrt der „Hüter der Erinnerung“ die Geschichte der Menschheit. Als der junge Jonas den Hüter-Job übernimmt, rebelliert er gegen das vermeintlich sichere System (Kinostart: 2. Oktober).

 

Eine Welt ohne Konflikte, Kriege und Notlagen? Ist das überhaupt möglich? Und wenn ja: Welchen Preis müssten wir dafür zahlen? Darauf versucht „Hüter der Erinnerung“, die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Lois Lowry, eine Antwort zu geben. Sie fällt eher zweifelhaft aus – so wie der Film insgesamt ein durchaus zweifelhaftes Vergnügen bereitet.

hueter rush thwaitesIn der nicht allzu fernen Zukunft: Nach einer Katastrophe leben die Menschen in einer sicheren, sauberen und von Gleichheit bestimmten Gesellschaft ohne Krieg, Gewalt und Armut. Ein Ältestenrat bestimmt über das gesamte Leben: Er legt von der Wiege bis zur Bahre jeden einzelnen Lebenslauf fest. Kollektive Erinnerungen und individuelle Gefühle sind durch eine tägliche Injektion ausgeschaltet.

Der 16-jährige Jonas (Brenton Thwaites) hat die Schule durchlaufen und bekommt bei einer großen Zeremonie seine Aufgabe von der Ratsvorsitzenden (Meryl Streep) zugewiesen: Er soll als „Hüter der Erinnerung“ das Wissen der gesamten Menschheit bewahren. Sein Lehrmeister ist der Amtsvorgänger (Jeff Bridges), der abgeschieden von der Siedlung wie ein Mönch in einer Art Tempel haust. Dort sind Zeugnisse der Menschheitsgeschichte gespeichert: in Büchern und Kunstwerken, aber vor allem in den Erinnerungen des Hüters. Die Konfrontation mit Gefühlen wie Freude und Liebe, aber auch Schmerz und Verzweiflung überwältigt Jonas. Der Junge zweifelt schließlich an der Ordnung seiner kleinen Welt und begehrt auf …

hueter streep bridgesAch Gott: Dieser Film macht es sich wirklich einfach. Er liefert schlichte Antworten auf hochkomplexe Fragen. Vielleicht ist das bis zu einem gewissen Grad im Hollywood-Film unvermeidlich, aber diese düstere Science-Fiction-Parabel folgt einer fragwürdigen Ideologie. Am rührseligen Ende soll der Zuschauer nämlich glauben, soziale Gleichheit ist Teufelszeug, eine von Menschenhand gemachte Verbesserung der Welt unmöglich und Erlösung gibt’s nur im (christlichen) Glauben. Diesen ideologischen Bombast zu ignorieren, fällt schwer. Denn der Film ist holprig erzählt, die Charaktere bleiben blass und die Handlung strotzt vor logischen Löchern. So ist etwa vollkommen unklar, wie die vom Ältestenrat beherrschte Kolonie – eine Siedlung auf einem Bergplateau – ohne Kontakt zur Außenwelt überhaupt lebensfähig ist. Wo kommen Ressourcen wie Energie, Wasser und Nahrungsmittel her? Besteht die bewohnte Welt nur noch aus dieser Kolonie? Das legt der Film zumindest nahe – bis ganz gegen Ende klar wird, dass es noch andere Menschen gibt und dass die kaum weiter als einen langen Fußmarsch von der Insel der Ahnungslosen entfernt leben …

Rein optisch ist „Hüter der Erinnerung“ durchaus ein Genuss. Die strenge Ordnung der Kolonie wird gespiegelt durch eine beeindruckend künstliche Welt aus gleichförmigen Häusern, geometrischen Parkanlagen, abweisenden Monumentalbauten. Der utopische Look des Films überzeugt. Ebenso wie die Farbdramaturgie: Zunächst erscheint alles im sterilen Schwarz-Weiß, für Farbe sorgen die Erinnerungen des Hüters und später die Eindrücke des rebellischen Helden, der Schritt für Schritt seine Gefühle entdeckt – und die Welt eben anders wahrnimmt als seine Genossen. Die Schauspieler sind in diesem Film allerdings selten mehr als bewegte Kulisse: Denn drehbuchgemäß zeigen die Figuren ja keine Emotionen. So richtig warm wird der Zuschauer mit keiner der Rollen. Selbst Leinwand-Gigant Jeff Bridges gelingt es nicht, den Funken überspringen zu lassen. Und Meryl Streep? Ist zumeist nur als flackerndes Hologramm präsent.

Fazit: Dieser Film bleibt vor allem wegen seines Looks in Erinnerung – seine Botschaft hingegen sollten wir ganz schnell vergessen.

hueter der erinnerung posterKinostart: 2. Oktober; Regie: Phillip Noyce; FSK: ab 12; Länge: 97 Min.; Verleih: Studio Canal Deutschland; Link: http://hueterdererinnerung.de

 

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