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MAPS TO THE STARS

MAPS TO THE STARS

maps cusackDiese Familie ist ganz schön verkommen: Sohn Benjie ist Filmstar und ein arroganter Flegel, die Mutter ist nur aufs Geld aus, der Vater gefällt sich als eitler Guru. Und die Tochter? Ein Fall für die Anstalt! Bitterböse Hollywood-Satire mit John Cusack und Julianne Moore (Kinostart: 11. September).

 

Die Filme von David Cronenberg sind speziell, um es milde auszudrücken. Ob Horror („Die Fliege“), Thriller („Tödliche Versprechen“) oder fantastische Literaturverfilmung („Naked Lunch“): Die Werke des kanadischen Regisseurs sind stets beunruhigend, albtraumhaft und gehen unter die Haut. Mit „Maps To The Stars“ hat Cronenberg nun das erste Mal in Hollywood gedreht. Wer jetzt glaubt, der Filmemacher liefere auf seine alten Tage seichten Mainstream ab, liegt vollkommen daneben. Cronenberg nutzt, nach einer Buchvorlage von Bruce Wagner, die Chance, einen bitterbösen Film über Hollywood selbst zu drehen – über neurotische Filmstars, den Schmutz hinter der glitzernden Fassade und die hässlichen Abgründe der schönen Scheinwelt.

maps birdDie Weiss-Familie scheint ein perfektes Hollywood-Produkt zu sein: Vater Stafford (John Cusack) kuriert als esoterisch angehauchter Psychoanalytiker nervöse Filmstars, Mutter Christina (Olivia Williams) kümmert sich um die Karriere des 13-jährigen Sohnes Benjie (schön fies: Evan Bird). Der Bursche hatte bereits im zarten Alter von neun Jahren einen Megahit mit der Komödie „Bad Babysitter“ gelandet und gilt seither als Superstar.

Nur die 18-jährige Tochter Agatha (unheimlich: Mia Wasikowska) fällt – auf den ersten Blick – aus dem Rahmen: Sie schmorte einige Jahre in einer psychiatrischen Heilanstalt, weil sie das Haus ihrer Familie abfackelte. Nach ihrer Entlassung macht sie sich stracks auf den Weg nach Los Angeles, um ihre Familie erneut heimzusuchen. Agatha heuert als Assistentin bei der alternden Schauspielerin Havana Segrand (brillant: Julianne Moore) an. Die bemüht sich verzweifelt um ein Comeback, steht im Schatten ihrer berühmten, aber längst verblichenen Mutter und lässt sich von Stafford therapieren …

Kühl und unerbittlich, mit der Schärfe eines Skalpells, nimmt Cronenberg den Mythos Hollywood auseinander. Dabei wechselt der Film von der Satire zum Familiendrama und später zum Psychothriller. Um zu zeigen: Die glamouröse Filmgesellschaft ist verkommen bis auf die Knochen. Kinderstar Benji hat bereits einen Drogenentzug hinter sich, beleidigt seinen Manager am laufenden Band und schikaniert lustvoll die Kollegen am Set. Und wer ihm die Szene stiehlt, ist seines Lebens nicht mehr sicher.

Vater Stafford berät zwar ein Millionenpublikum mit seiner Psychoquark-TV-Show, hat aber nicht mal seine eigenen Kinder im Griff. Seine Patientin Havana gibt die umjubelte Diva, ist aber längst ein Wrack und halb wahnsinnig vor Ruhmsucht. Sie klammert sich an eine Rolle in einem idiotischen Remake – die Rolle bekommt eine jüngere Kollegin, und fortan sieht Havana nur noch Gespenster.

maps wasikowskaGanz und gar gespenstisch ist der Auftritt von Agatha: Die verstoßene Weiss-Tochter will zurück in den Schoß ihrer Familie – und sei es nur, um ein paar alte Rechnungen zu begleichen. Die junge Frau ist hochgradig gestört und trägt ihre Narben, nur mühsam durch ellenlange Handschuhe verdeckt, vor sich her. Der einzige Normalo in diesem Gruselkabinett kaputter Typen ist der junge Jerome (Robert Pattinson), der eigentlich Schauspieler und Drehbuchautor werden möchte, aber seine Brötchen als Chauffeur verdienen muss.

maps mooreNa klar, Cronenberg übertreibt hemmungslos und malt die Abgründe dieser Wahnsinns-Sippe in den dunkelsten Farben. Dabei scheut er weder vor Klischees noch vor Knalleffekten zurück. „Maps To The Stars“ bietet das volle Programm: Drogen, Sex, Intrigen, Mord und mehr. Aber das serviert Cronenberg eiskalt in einer verstörenden Mischung aus amüsanten Dialogen, Seelenstriptease und Gewalttätigkeiten.

Ein Film für alle, die schon immer glaubten, dass Hollywood das Babylon der Neuzeit ist – und sich gepflegt von guten (Hollywood-)Schauspielern gruseln lassen wollen.

maps plakatKinostart: 11. September; Regie: David Cronenberg; FSK: ab 16; Länge: 111 Min.; Verleih: MFA; Link: http://www.mapstothestars.de

 

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