Familienleben

Im Interview: Löscheinsätze aus der Luft

Im Interview: Löscheinsätze aus der Luft

Planes 2_1Im neuesten Abenteuer von Dusty Crophopper „Planes 2 – Immer im Einsatz“, das seit dem 14. August in unseren Kinos läuft, geht es richtig heiß her. Denn Dusty lässt sich zum Löschflugzeug ausbilden – und die spektakulären Löscheinsätze sind mächtig spannend. Sollten also Ihre Kinder Sie nach dem Kinobesuch mit Fragen löchern, so liefert unser Interview mit dem Brandschutzexperten Andreas Igl von der Flughelferstaffel der Freiwilligen Feuerwehr München vielleicht eine Hilfestellung für Ihre Antworten.

 

Denn: auch Absolut Familie hatte nach der Kinovorstellung von „Planes 2 – immer im Einsatz“ einige Fragen, die der Brandschutzexperte Andreas Igl (Geschäftsführender Referent; Leiter Kommandostab (SBM); LH Muenchen Kreisverwaltungsreferat Hauptabteilung IV Branddirektion; Freiwillige Feuerwehr) dankenswerterweise beantwortet hat:

Die Flughelferstaffel der Freiwilligen Feuerwehr München vor einer CH 53 der Bundeswehr © Feuerwehr München

Die Flughelferstaffel der Freiwilligen Feuerwehr München vor einer CH 53 der Bundeswehr
© Feuerwehr München

1. In “Planes 2? ist die Brandschutz-Flugstaffel ja ein recht zusammengewürfelter Haufen aus gescheiterten Existenzen bzw. ausgedienten “Normalflugzeugen und -Hubschraubern“. Wie setzt sich denn Ihre Staffel zusammen und woher kommen die Fahrzeuge? 

Andreas Igl: “Unsere Flughelferstaffel setzt sich aus ca. 30 ehrenamtlichen Feuerwehrfrauen und -männern zusammen. Viele von ihnen haben auch einen beruflichen Bezug zur “Fliegerei“. Die Fahrzeuge (in Deutschland ausschließlich Hubschrauber) kommen von Bundeswehr, (Bundes)polizei und privaten Firmen.”

2. Ist es überhaupt realistisch, ausgediente “Flugobjekte“ umzufunktionieren?

Andreas Igl: “In den USA ist es durchaus üblich, Militärflugzeuge in Löschflugzeuge umzufunktionieren. In Deutschland wird das nicht gemacht. Allerdings kann die Bundeswehr natürlich mit ihren Transportflugzeugen Material und Ausrüstung transportieren.”

Befestigen eines Löschmittelaußenlastbehälters (mit 5.000l Fassungsvermögen) an einer CH 53 der Bundeswehr © Feuerwehr München

Befestigen eines Löschmittelaußenlastbehälters (mit 5.000l Fassungsvermögen) an einer CH 53 der Bundeswehr
© Feuerwehr München

3. Haben Sie auch Einsatzhubschrauber in der Staffel, oder dienen die nur als Beobachtungsposten?

Andreas Igl: “Bundeswehr, (Bundes)polizei oder private Firmen stellen für unsere Einsätze die Hubschrauber zur Verfügung. Damit können wir Material transportieren und Löschmittel abwerfen. Zur Beobachtung werden ebenfalls Hubschrauber, aber auch Kleinflugzeuge (sog. ‘Luftbeobachter’), eingesetzt.

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4. Im Film werden die Räumfahrzeuge mit Fallschirmen abgeworfen, um Brandschneisen zu legen. Ist das realistisch?

Andreas Igl: “Grundsätzlich wäre so etwas schon möglich, wird aber in Deutschland und in den USA aktuell nicht praktiziert.”

5. Wer finanziert Ihre Flugstaffel und die Einsätze?

Andreas Igl: “Unsere Ausstattung wird aus Mitteln der Stadt München sowie aus Geldern des Freistaates Bayern finanziert. Die Bezahlung der Einsätze wird durch das Bayerische Feuerwehrgesetz und das Bayerische Katastrophenschutzgesetz geregelt.”

6. Im Film wird größtenteils mit einem roten Löschpulver gelöscht. Worum handelt es sich da eigentlich?

Andreas Igl: “Das rote Löschmittel (Wasser mit Zusätzen) bezeichnet man als sog. ‘Retardant’. Retardants sind Mischungen aus Ammoniumsalzen, Phosphaten und Sulfaten, die flammenhemmende Eigenschaften haben. Den Retardants sind rotes Eisenoxid oder ungiftige organische Farbstoffe beigegeben, damit die Piloten aus der Luft besser erkennen können, wo sie bereits abgeworfen haben.”

7. Und was setzen Sie zum Löschen ein?

Andreas Igl: “Wir setzen Wasser sowie Wasser mit einem zugesetztem, sog. Netzmittel ein. Netzmittel werden zugesetzt, um durch Herabsetzen der Oberflächenspannung des Wassers das Eindringen des Löschmittels in das Brandgut zu verbessern, oder erst zu ermöglichen.”

Abwurf von 5.000l Löschwasser durch eine CH 53 der Bundeswehr in den Alpen © Feuerwehr München

8. Bei uns sind große Löschaktionen aus der Luft bekannt aus den Nachrichten, aber dabei handelt es sich meist um Großbrände im südlichen Europa. Soweit ich es erinnere, wird dann Wasser in großen Kunststoffplanen aus Seen aufgenommen. Wie geschieht das bei Ihnen?

Andreas Igl: “In Deutschland werden flexible, faltbare Behälter sowie starre Behälter (‘Fässer’ mit bis zu 5.000l Fassungsvermögen und einer speziellen Vorrichtung zur Steuerung, des Wasserausstoßes) verwendet und am Hubschrauber befestigt.”

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9. Und gibt es überhaupt Vorrichtungen an den Kufen, wie bei Dusty, mit denen Wasser aufgenommen werden kann?

Andreas Igl: “Private Firmen verwenden zum Teil Tanks am Hubschrauber – allerdings zwischen den Kufen.”

10. Es gibt ja auch dubiose Geschichten, dass beim Aufnehmen von Wasser versehentlich Taucher/ Schwimmer in die Löschwannen geraten sind. Stimmt das?

Andreas Igl: “Das stimmt nicht. Allenfalls können Fische oder andere kleine Meeresbewohner in die Tanks von Löschflugzeugen geraten. In der Realität besteht die Gefahr eher darin, dass, wenn man Wasser aus einem Gewässer entnimmt, sich der Behälter an irgendetwas unter der Wasseroberfläche (z. B. weggeworfener Unrat oder Treibholz) verhakt. Deshalb werden die sog. ‘Wasserentnahmestellen’ auch vorher kontrolliert.”

11. Wie wird überhaupt das Ausmaß eines Brandherdes ermittelt?

Andreas Igl: “Dies wird in der Regel durch Überfliegen des betroffenen Gebietes gemacht. Unter Umständen kommt hier auch eine spezielle Wärmebildkamera zum Einsatz um ‘heiße Bereiche’, die nicht sofort erkennbar sind, aufzuspüren.”

12. Gibt es ein unterschiedliches Vorgehen bei Flächenbränden im Flachland und in den Bergen?

Andreas Igl: “Die Taktik ist im Prinzip die gleiche. Allerdings ist der Einsatz von ‘Bodenkräften’, wie auch der Materialtransport, im bergigen Gelände viel aufwendiger und auch gefährlicher.”

13. Wie niedrig darf über einen Brandherd geflogen werden, damit es für das Flugzeug selbst nicht zu “brenzlig“ wird?

Andreas Igl: “Das hängt sehr von der Intensität des Brandes sowie den herrschenden Rahmenbedingungen (Wetter, Wind) ab. In der Regel liegt die Wasserabwurfhöhe (Höhe, in der der Behälter hängt), ohne, dass es kritisch wird, in einem Bereich von ca. 30-60m.”

Einweisen eines Hubschraubers, um die Last (Sandsäcke) an der richtigen Stelle abzuwerfen - Hochwasser-Einsatz in Deggendorf 2013 © Feuerwehr München

Einweisen eines Hubschraubers, um die Last (Sandsäcke) an der richtigen Stelle abzuwerfen – Hochwasser-Einsatz in Deggendorf 2013
© Feuerwehr München

14. In “Planes 2″ haben ja alle Flug- und Fahrzeuge ihr Handeln selbst im Griff. In der Realität sitzt da ja aber immer noch ein Pilot/ Fahrer am Steuer. Gibt es eine Spezialausbildung für die Piloten der Flugstaffel beim Brandschutz? Und wie sieht die aus?

Andreas Igl: “Die Piloten trainieren regelmäßig das Handling und Fliegen von sog. ‘Außenlasten’ (alles, was unter einem Hubschrauber hängt). Diese Trainings finden in der Regel zusammen mit den Flughelferinnen und Flughelfern statt. Nachdem die Arbeit an einem (fliegenden) Hubschrauber sehr gefährlich ist, müssen Pilot, Besatzung und Feuerwehrleute absolut eingespielt sein und sich aufeinander verlassen können.”

Winch-Einsatz (Abseilen von zwei Flughelfern) mit einem Hubschrauber der Polizeihubschrauberstaffel Bayern © Feuerwehr München

15. Wie und wo probt man eigentlich Löscheinsätze aus der Luft?

Andreas Igl: “Nachdem man ja nicht einfach ein Waldstück anzünden kann, üben wir ohne reales Feuer. Man kann auch so die meisten Manöver realistisch üben: Fliegen der Lasten, Auftanken der Behälter, Befüllen der Behälter in einem See, Abseilen (‘winchen’) von Feuerwehrleuten mit der Winde, Üben der Abwurftechniken (sog. Punktabwurf bzw. Flächenabwurf).”

16. Klar, “Planes 2″ ist keine Doku über Löscheinsätze aus der Luft, sondern ein Animations-Familien-Unterhaltungsfilm. Aber: Für wie realitätsnah halten Sie die Löscheinsätze in “Planes 2″?

Andreas Igl: “Die im Film gezeigten (Lösch-)Verfahren orientieren sich im Großen und Ganzen schon an der tatsächlichen Einsatztaktik. Im Film sind einige Sequenzen allerdings sehr ‘spektakulär’ und auch vereinfacht. Aber ‘Planes 2? ist ja auch kein Feuerwehr-Ausbildungsfilm 🙂 ”

Jetzt sind wir schlauer! Dann mal ab ins Kino!

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