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JIMMY’S HALL

JIMMY’S HALL

Mit 78 Jahren, in einem Alter also, in dem andere längst ihre Rente genießen, setzt der britische Regisseur und bekennende Sozialist Ken Loach dem irischen Sozialisten James „Jimmy“ Gralton ein filmisches Denkmal. Mit „Jimmy’s Hall“ schlägt er gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Er beweist einmal mehr, dass seine sozialen Dramen keine quälenden Langweiler sind – und die Helden in seinem Film ebenso wenig. „Jimmy’s Hall“ ist ein bewegendes Gute-Laune-Drama voller Musik, Humor und Poesie, zu sehen ab dem 14. August im Kino.

 

Der Film beginnt 1932 mit der Rückkehr Jimmy Graltons (Barry Ward) aus dem amerikanischen Exil. Vor mehr als zehn Jahren musste er um sein Leben fürchten, Land, Familie und seine große Liebe Oonagh (Simone Kirby) zurücklassen, da er die irische Obrigkeit mit der Gründung eines Aktionskomitees verärgerte, das die uneingeschränkten Rechte der Großgrundbesitzer attackierte. Nach seiner Rückkehr lebt die von ihm einst mitbegründete „Pearse-Connolly Hall“ wieder auf, ein Ort, an dem sich junge Leute kreativ ausleben können und ihre jeweilige Kunst an andere in Kursen weitergeben: Boxen, Malen, Tanzen, Musizieren, Dichten – und an den Wochenende auch ausgelassen feiern.

 

Das bringt den Klerus auf den Plan, der behauptet, dass Bildung das Privileg der heiligen Kirche sei. Fortan predigt Pater Sheridan (Jim Norton) hysterische Hetzkampagnen von der Kanzel gegen Jimmy und seine Kameraden, beschimpft sie als „Antichristen“ und „Gottesmörder“. Das setzt die Gemeinde der Grafschaft Leitrim zwar enorm unter Druck, doch hält die Gemeinschaft an ihrem Saal fest, in dem sie friedlich und fröhlich versuchen, die Welt zu verbessern. Kirche und Obrigkeit bedienen sich ähnlicher Methoden wie der Ku-Klux-Klan. „Jimmy’s Hall“ wird „von Unbekannten“ niedergebrannt, Jimmy selbst wird ohne Prozess des Landes verwiesen.

 

Das klingt vielleicht alles erst mal etwas spaßbefreit, doch schon die Ankunft Jimmys in seiner Heimat, der rauen, grünen Schönheit Irlands, ist eine ebensolche Augenweide wie der Protagonist selbst. Ein sensibler, stiller Rebell, ein humorvoller, fortschrittlicher Mann, dem jeder Fanatismus abgeht. Ein tanzfreudiger Musikliebhaber, der die Folklore seiner Heimat ebenso schätzt wie den importierten Jazz aus dem New Yorker Exil.

 

Musik und Tanz spielen in „Jimmy’s Hall“ neben den liebevoll gezeichneten Schicksalen eine Hauptrolle. Sie sind Ausdruck für Freiheit und Lebensfreude. Für diese Szenen ließ Loach die Musiker live spielen, anstatt einen konservierten Soundtrack einzusetzen. Die Dynamik zwischen Tänzern und Musikern ist deutlich spürbar, sie überträgt sich mitreißend auf den Zuschauer, dem die Füße zuweilen im Takt zucken.

Auch merkt man dem wunderbaren Cast an, dass keinerlei wirtschaftliche Interessen eine Rolle gespielt haben, keine großen Stars sorgen hier für klingende Kassen. Ganz bewusst wurden authentische Figuren besetzt, denen das Irische glaubhaft aus jeder Pore tropft.

Einfühlsam wird ein kurzer Ausschnitt aus den entscheidenden Lebensjahren des James Gralton erzählt, manchmal vorwärts blickend und chronologisch, oft auch zurückblickend, und manchmal nur in Audio-Rückblenden, in denen Jimmy z. B. in alten Zeitungsartikeln über Gerichtsverhandlungen und Festnahmen blättert und die entsprechenden Stimmen und Töne dazu hört.

 

Rausgekommen ist ein stimmiges und stimmungsvolles Bild über einen großherzigen, engagierten Idealisten, eine Geschichte mit Tiefgang, ohne bitteren Nachgeschmack. Eine zarte, unerfüllte Romanze und dadurch ungeheuer kraftvoll, ist das Tüpfelchen auf dem I und rundet das Kinovergnügen gelungen ab.

Kinostart: 14. August; Regie:
Ken Loach; FSK: ab 6 Jahren; Länge: 109 Minuten; Verleih: Pandora; Link: pandorafilm.de/jimmys-hall

 

 

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