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WIE DER WIND SICH HEBT

WIE DER WIND SICH HEBT

Wie der Wind sich hebt„Wie der Wind sich hebt“, in dem der Zuschauer durch eine visuell großartig in Szene gesetzte Geschichte hautnah das große Erdbeben von Kanto 1923, die Weltwirtschaftskrise und Japans Eintritt in den Zweiten Weltkrieg erlebt, ist der offiziell letzte Film des weltberühmten Filmemachers Hayao Miyazaki, der 1985 das japanische Zeichentrickstudio Ghibli gründete. Der am 17. Juli in den Kinos startende Animefilm zeichnet das Porträt des ganz in seiner Arbeit aufgehenden Flugzeugdesigners Jiro Horikoshi.

 

Schon als kleiner Junge wollte Jiro Horikoshi am liebsten in selbst entworfenen Flugzeugen durch den Himmel gleiten. Seine Kurzsichtigkeit hindert Jiro aber an einer Karriere als Pilot. Stattdessen studiert er in Tokio Flugzeugbau. Sein großes Vorbild ist dabei der italienische Ingenieur Gianni Caproni, ein Flugzeugbauer, weltweit bekannt von den Anfängen der italienischen Luftfahrt bis in die 1930er Jahre. Er erscheint in Jiros Träumen, um ihn aufzurütteln, ihm Rat zu erteilen sowie um Jiros Gedanken und Emotionen eine Stimme zu geben.

Wie der Wind sich hebt 1

Jiro ist ein explosiver Mix aus lauter Raserei, wilder Begeisterung, extremer Konzentration, einem starken Bedürfnis nach Freiheit, Individualismus, übermäßigem Stolz, Realismus und Idealismus. Darüber hinaus verfügt er über einen außerordentlich kühlen und brillanten Verstand. Er ist stilvoll und schneidig, jedoch schüchtern. Lebhaft, umgänglich und höflich. Man wird an den Dichter Michizo Tachihara erinnert, der jung starb.

Wie der Wind sich hebt 2

1927 steigt er bei einem großen japanischen Ingenieursbüro ein und revolutioniert mit seinen innovativen Ideen und Designs den Flugzeugbau weltweit. Jiro verehrt Thomas Mann sowie Hermann Hesse und lauscht Schubert. Jeder, der bei seinem Arbeitgeber in der Kriegsindustrie Beschäftigten, erkennt sein Talent an und er navigiert sich mit Geschick und Gelassenheit durch die Gesellschaft. Jiro hegt starke Ambitionen, sein eigenes Flugzeug zu kreieren. Ein Flugzeug, das so wundervoll fliegt, wie eine Feder im Wind.

Wie der Wind sich hebt 3

Während einer Zugfahrt begegnet er der hübschen Nahoko (der Name spielt an auf Autor Tatsuo Horis maßgebliches Werk „Naoko“) und erlebt gemeinsam mit ihr das Kanto Erdbeben. Zehn Jahre später verloben sich die beiden nach einem zufälligen Wiedersehen. Während Jiko über die Jahre als Chefentwickler für mehrere Unternehmen Kriegsflugzeuge baut, hat Nahoko mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen…

Es ist das erste Mal, dass eine Figur aus einem Studio Ghibli Animationsfilm nach realen Vorbildern modelliert wird. Zwei Menschen, die in der selben Zeit lebten – Jiro Horikoshi, der Flugzeugingenieur, der den legendären Zero Kampfjet designt hat, und der Schriftsteller Tatsuo Hori – wurden zu Jiro, dem Protagonisten des Films, verschmolzen.

Miyazakis Filme spielen oft nur an wenigen Tagen. Diese Arbeit illustriert jedoch einen Zeitraum von dreißig Jahren im Leben der Hauptfigur. Jiro könnte als Projektion von Miyazaki selbst aufgefasst werden.

Stephen Alpert, lange in der Internationalen Division von Studio Ghibli tätig und der Begleiter von Miyazaki auf seinen Auslandsreisen, wurde von Miyazaki zuerst in einem Portrait verewigt und diente letztlich als Vorlage für die Figur des Herrn Castorp, die Alpert auch selber einsprach. Dieser Charakter, geboren aus der realen Freundschaft zwischen Miyazaki und Alpert, spielt eine Schlüsselrolle als Kuppler für Jiro und Nahoko und indem er hilft, die Fehler der Welt zu vermitteln.

Hayao Miyazaki: Flugzeuge sind wunderschöne Träume
„Jiro Horikoshi, Designer des Zero-Flugzeugs, und sein italienischer Vorreiter Gianni Caproni sind zwei Männer, die das gleiche Ziel verfolgen, verbunden durch eine Freundschaft über Ort und Zeit hinweg. Die beiden überwinden unzählige Rückschläge, auf dem Weg zur Realisierung ihrer Kindheitsträume.

Während Japans Taisho-Ära (1912-1926) entscheidet sich Jiro, ein Junge vom Land, Flugzeugdesigner zu werden. Er träumt davon, ein Flugzeug zu bauen, das so wundervoll fliegt wie der Wind.
Als junger Mann beginnt er, in Tokio zu studieren und wird zu einem Eliteingenieur der riesigen Verteidigungsindustrie. Sein Talent kommt zur Entfaltung und er entwirft schließlich ein einzigartiges Flugzeug, eines, das seine Spuren in der Luftfahrtgeschichte hinterlassen sollte: die Mitsubishi A6M1, später umbenannt in Navy Type O Carrier Fighter, besser bekannt als Zero Kampfjet. Für drei Jahre, von 1940 an, war es das beste Kampfflugzeug der Welt.

Von der Kindheit bis zur Jugend empfindet die Hauptfigur eine allgemeine Stagnation, intensiver als im heutigen Japan: Das Große Erdbeben von Kanto 1923, die Große Depression, Arbeitslosigkeit, Armut, Tuberkulose, Revolutionen und Faschismus, die Unterdrückung der freien Meinungsäußerung, ein Krieg nach dem anderen, tragen ihren Teil dazu bei. Währenddessen floriert die Populärkultur; Modernismus und Nihilismus sowie Hedonismus sind vorherrschend. Poeten auf ihren Reisen werden zu Opfern von Krankheit und Tod.

Unser Protagonist Jiro engagiert sich im Flugzeugdesign zu einer Zeit, als sich das Japanische Reich auf seine Zerstörung und ultimativen Niedergang zubewegt. Dennoch ist es weder die Intention des Films, den Krieg zu verurteilen, noch Jugendliche mit der Exzellenz des Zeros zu beeindrucken. Ich habe auch nicht die Absicht die Hauptfigur zu verteidigen, indem ich zum Beispiel behaupte, er hätte eigentlich zivile Flugzeuge erfinden wollen.

Das Porträt eines ganz in seiner Arbeit aufgehenden Individuums möchte ich kreieren, eines Menschen, der seine Träume verfolgt, koste es was es wolle. Träume besitzen ein Element des Wahnsinns und solch ein Gift soll nicht verschleiert werden. Die Sehnsucht nach etwas zu Schönem kann einen ruinieren. Jiro wird schließlich besiegt, seine Designkarriere kommt zu einem Ende. Dennoch war Jiro ein Talent von herausragender Originalität. Die ist es, was wir mit dem Film zu zeigen wollen.

Der Titel ‚Wie der Wind sich hebt‘ stammt von der Romanvorlage verfasst von Tatsuo Hori. Als Inspiration diente ‚Le vent se lève, il fauttenter de vivre‘, eine Zeile aus einem Gedicht Paul Valérys: ‚Der Wind hebt sich! Wir müssen leben!‘. Unser Film kombiniert Jiro Hirokoshi und Autor Tatsuo Hori, zwei reale Menschen, die in der entsprechenden Zeit lebten, um Jiro, die Hauptfigur der Geschichte zu erschaffen. Der Film wird ein ungewöhnliches Werk der vollständigen Fiktion, das Leben der Jugendlichen der 1930er Jahre darstellend. Unsere Geschichte entspinnt sich zwischen der Geburt des Zero Kampfjets und der Begegnung mit Nahoko. Der gute alte Caproni, Ort und Zeit transzendierend, gesellt sich dazu, um der Geschichte einige gezielte Farbakzente zu verleihen.“

Wie der Wind sich hebt_PlakatKinostart: 17. Juli 2014; Regie: Hayao Miyazaki; FSK: ab 6 Jahren; Länge: 127 Minuten; Verleih: Universum Film

 

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