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BOYHOOD

BOYHOOD

BoyhoodAm 5. Juni 2014 lädt der Spielfilm „Boyhood“ auf eine einzigartige Reise ein, wie es sie im Kino noch nie gegeben hat. Über einen Zeitraum von 12 Jahren drehte Richard Linklater mit ein und demselben Darsteller-Ensemble die Geschichte des jungen Mason auf dessen Weg zum Erwachsensein und zeichnet dabei ein emotional tief berührendes Porträt der Jugend mit all ihren Höhen und Tiefen.

 

Vor 12 Jahren, im Jahr 2002, hatte Regisseur Richard Linklater die Idee, einen Film über die Kindheit zu drehen. Dafür wählte er ein einzigartiges cineastisches Experiment: Von 2002 bis 2013 begleitete er den sechsjährigen Mason (Ellar Coltrane) bis zum Eintritt ins College. Kurze, über die Jahre verteilte Episoden aus dem Leben von Mason und seiner Patchwork-Familie – seine zwei Jahre ältere Schwester (Lorelei Linklater) und seine geschiedenen Eltern (Patricia Arquette, Ethan Hawke) – montierte Linklater zu einer berührenden Coming-of-Age-Geschichte.

Boyhood 1

„Boyhood“ folgt dem sechsjährigen Mason durch die vermutlich prägendste und die meisten Veränderungen nach sich ziehende Dekade seines Lebens. Zu Beginn des Films steht der verträumte, großäugige Junge vor einer einschneidenden Veränderung: Seine hingebungsvolle, sich jedoch aufreibende alleinerziehende Mutter Olivia hat sich entschieden, mit ihm und seiner älteren Schwester Samantha nach Houston zu ziehen. Allerdings kehrt genau zu diesem Zeitpunkt auch ihr lange abwesender Vater Mason Sr. aus Alaska in ihr Leben zurück. So beginnt das ewige Hin und Her des Lebens, aus dessen Flut von Eltern und Stiefeltern, Mädchen und Freunden, Lehrern und Chefs, Gefahren und Sehnsüchten, Leidenschaften und Langeweilen Mason schließlich mit eigenem Kopf hervorgeht und den Weg zum Erwachsensein beschreitet.

Boyhood 2
Die Entstehungsgeschichte des Films
Schon immer sind Filme ein Spiel mit der Zeit gewesen. Hinter den Kulissen aber entstehen fast alle Spielfilme, schon aus praktischen Gründen, in einem Zeitraum von wenigen Wochen oder Monaten. Doch könnte nicht ein modernes Drama über einen sehr viel längeren Zeitraum gedreht werden? Beispielsweise in genau jener Zeit, die ein kleiner Junge braucht, um Jahr für Jahr und Stück für Stück zu einem jungen Erwachsenen heranzureifen? Genau das war die Frage, die Richard Linklater sich stellte, als er vor über 12 Jahren mit der Arbeit an „Boyhood“ begann. Der Drehbuchautor/Regisseur/Produzent wusste natürlich, dass es viele vernünftige Gründe gab, warum ein solches Unterfangen eigentlich vollkommen außer Frage stand. Das ganze Projekt widersprach fundamental den Spielregeln, nach denen die Filmindustrie heutzutage funktionierte – also stürzte er sich kopfüber in die Sache! „Ich setzte alles auf eine Karte und meine ganze Hoffnung auf eine Zukunft, von der ich nicht wissen konnte, was sie bringen würde“, fasst Linklater in der Erinnerung zusammen.

Statt mit einem herkömmlichen Drehbuch begann Linklater mit einer Art Struktur-Entwurf, der ihm dabei half, die Langzeitunterstützung des US-Filmverleihs IFC Films zu sichern, der dem Projekt über den Verlauf der 12-jährigen Produktionsphase stets unerschütterlich zur Seite stand. Mit dieser Prämisse begab er sich auf die Suche nach potentiellen Schauspielern und Mitstreitern, denen er folgenden Zeitplan unterbreitete: jedes Jahr würde man für drei oder vier Drehtage zusammenkommen, wann immer es die unterschiedlichen Termine und Verpflichtungen aller Beteiligten eben erlauben würden. Parallel dazu würde Linklater selbst schreiben und – gemeinsam mit seiner langjährigen Cutterin Sandra Adair – schneiden. Niemand außerhalb des kleinen Teams würde für die kommenden 144 Monate mit Sicherheit sagen können, was für ein Film dabei entsteht – und erst nach dem letzten Dreh würde die breit angelegte Perspektive der Geschichte wirklich zu fassen sein.

Auch für die Schauspieler war die Verpflichtung, die sie für „Boyhood“ eingingen, etwas völlig anderes als die üblichen Film- und Fernsehdrehs. Was das Logistische anging, mussten sie jedes Jahr aufs Neue ihre Zeitpläne so arrangieren, dass sie Platz für den Film finden würden. Viel entscheidender war allerdings, dass sie sich auf ihre Rollen nicht nur einmalig für einen intensiven Zeitraum einlassen mussten, sondern für zwölf Jahre unter sich permanent verändernden Bedingungen – und damit wesentlich länger, als es beim Film, am Theater und selbst beim Fernsehen die Regel ist. „Der Prozess war ein vollkommen anderer als sonst und genau deswegen so spannend“, sagt auch Patricia Arquette, die als Mutter Olivia die Familie im Film fest zusammenhält (nicht ohne auch mal locker zu lassen). „Für eine solche Art der Zusammenarbeit mit Schauspielern und einer Filmcrew gab es wirklich keinen Präzedenzfall“, fährt Linklater fort. „In unserer Branche gibt es einfach keine 12-Jahres-Verträge. Wir haben allen Beteiligten also wirklich viel Vertrauen und Hingabe abverlangt.“ Außenstehenden zu erklären, was er vorhatte, fiel Linklater derart schwer, dass er die meiste Zeit über einfach gar nicht über das Projekt sprach, selbst während er andere Filme drehte.

„Zu den üblichen Sorgen gesellten sich auch ganz spezifische Überlegungen. Was machen wir, wenn zum Beispiel unser junger Hauptdarsteller plötzlich nach Australien zieht“, erinnert sich der Regisseur. „Manchmal ließ ich mich von solchen Überlegungen so sehr mitreißen, dass ich vorsorglich schon zu Ethan sagte, er solle doch bitte den Film zu Ende bringen, falls mir mal etwas passieren würde.“ Gleichzeitig aber gewann Linklater durch die Zeit natürlich auch eine ungeahnte Art des kreativen Freiraums, nämlich die Möglichkeit, jedes Element des Films über einen langen Zeitraum seines eigenen Lebens verteilt immer wieder neu zu betrachten. „Einen derart langen Reifeprozess für einen Film zu haben, war unglaublich“, schwärmt er. „So etwas hatte ich noch nie erlebt. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich es auch kaum je wieder erleben werde.“

Die Darsteller des Films

Boyhood 6
Ethan Hawke gilt als einer der vielseitigsten Künstler unserer Zeit, der nicht nur für seine vielschichtigen Rollen, sondern auch als Schriftsteller, Drehbuchautor und Regisseur gefeiert wird. Mit „Boyhood“-Regisseur Richard Linklater hat er bereits etliche Male zusammengearbeitet, darunter die Filme „Fast Food Nation“ (2006), „Waking Life“ (2001), „Die Newton Boys“ (1998) und „Tape“ (2001). Ihre bekannteste Kollaboration ist allerdings ohne Frage die „Before“-Trilogie. Nach dem Erfolg der ungewöhnlichen Liebesgeschichte „Before Sunrise“ (1995), für die Hawke gemeinsam mit Julie Delpy vor Linklaters Kamera stand, schrieb das Trio gemeinsam das Drehbuch für die Fortsetzung „Before Sunset“ (2004), wofür es unter anderem Nominierungen für den Oscar gab. Auch für „Before Midnight“ (2013), den Abschluss der Trilogie, verfassten die drei zusammen das Drehbuch, welches für den Oscar und diverse weitere Auszeichnungen nominiert wurde.
Momentan lebt Ethan Hawke in New York, ist verheiratet und Vater von vier Kindern.

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Patricia Arquette, die Enkelin des bekannten Fernsehkomikers Cliff Arquette, wuchs in einer echten Showbusiness-Familie auf. Auch ihr Vater Lewis sowie ihre Geschwister Rosanna, Alexis, Richmond und David arbeiten als Schauspieler. Im Laufe ihrer Karriere stand Patricia für einige der renommiertesten Regisseure unserer Zeit vor der Kamera, darunter Martin Scorsese („Bringing Out the Dead – Nächte der Erinnerung“, 1999), Tony Scott („True Romance“, 1993), Tim Burton („Ed Wood“, 1994) und David Lynch („Lost Highway“, 1997). Während der Entstehungsphase von „Boyhood“ spielte sie von 2005 bis 2011 außerdem sieben Staffeln lang die Hauptrolle in der erfolgreichen Mystery-Serie „Medium“, für die sie einen Emmy als Beste Hauptdarstellerin sowie mehrere weitere Emmy-, Golden Globe- und SAG Award-Nominierungen erhielt.
Nachdem sie mit eigenen Augen die verheerenden Folgen des Erdbebens 2010 auf Haiti gesehen hatte, gründete die in Chicago geborene und in Los Angeles lebende Schauspielerin die Wohltätigkeitsorganisation „GiveLove“, die sich bis heute für die Opfer der Katastrophe einsetzt.

Boyhood 5Ellar Coltrane, geboren und aufgewachsen im texanischen Austin, ist ein begeisterter Leser, schwärmt für Tennisschuhe und ist bekannt für seine Kritzeleien. Eher zufällig stolperte er in die Schauspielerei und wurde nach ein paar kleinen Rollen in Independentfilmen und Werbespots von Richard Linklater für „Boyhood“ entdeckt. Das Mitwirken an diesem filmischen Langzeitprojekt hatte für Coltrane zur Folge, dass seine Jugend anders sein würde als die aller anderen, schließlich würde sie letztlich in gewisser Weise auf der Leinwand ausgebreitet werden. „Natürlich konnte ich diese Dimensionen damals nicht begreifen“, lacht Coltrane im Rückblick. „12 Jahre – das war damals doppelt so lange wie ich überhaupt auf der Welt war. Selbst heute kann ich mir kaum ausmalen, wie die nächsten 12 Jahre aussehen werden. Aber als Kind war das erst Recht völlig unmöglich. Es dauerte ein paar Jahre, bis ich allmählich ein Gefühl dafür bekam, was dieses Projekt eigentlich bedeutete und warum es so ungewöhnlich war.“

„Rick und ich begannen gewöhnlich jedes Jahr damit, dass wir uns darüber unterhielten, an welchem Punkt ich mich gerade in meinem Leben befand, und ließen davon dann einiges in die Rolle mit einfließen“, erklärt Coltrane. „Im Laufe der Zeit gab es immer wieder Phasen, in denen sich mein Leben und das meiner Rolle kreuzten, und ich spielte eine größere Rolle bei der Schöpfung der Figur. Als Kind fühlt sich das alles sehr viel einfacher und unkomplizierter an. Erst später begriff ich zum Beispiel, wie komplex und kompliziert die Beziehungen innerhalb dieser Familie mitunter sind. Ich glaube wirklich, dass mein Mitwirken an dem Film mir viel mehr Einblicke in zwischenmenschliche Beziehungen gegeben hat. Nicht zuletzt in die zwischen meiner Mutter und mir, die genau wie Masons im Film durchaus kompliziert ist.“

Boyhood 3Mit der Schauspielerei begann die 1994 geborene Lorelei Linklater schon früh und war so bereits 2001 in „Waking Life“ in ihrer ersten Kinorolle zu sehen. In „Boyhood“, dessen Dreharbeiten im darauffolgenden Jahr begannen, spielt die Tochter von Regisseur Richard Linklater Masons ältere Schwester. Ihr Leinwand-Bruder Ellar Coltrane erinnert sich gut daran, wie sich das Verhältnis der beiden im Laufe der Jahre veränderte: „Die Beziehung zwischen einem Bruder und seiner Schwester kann als Kind ganz schön seltsam sein. Bei uns war es ähnlich, denn anfangs hatten wir ein eher distanziertes Verhältnis, das fast eine Art Rivalität war. Das hat sich allerdings sehr verändert je älter wir wurden“, beschreibt Coltrane. „Heute weiß ich meine Beziehung zu Lorelei unglaublich zu schätzen. Denn sie ist die einzige andere Person, die die gleiche seltsame Erfahrung durchgemacht hat und in einem Film erwachsen geworden ist. Nur sie versteht, wie das war und was es mit einem macht. Mich mit ihr darüber austauschen zu können, ist einfach ein Geschenk.“
Derzeit studiert Lorelei Linklater Malerei und Zeichnen am California College of the Arts.

„Boyhood“ zeichnet ein emotional tief berührendes Porträt der Jugend mit all ihren Höhen und Tiefen. Eine Hymne an das Leben voller erzählerischer Kraft und Leichtigkeit.

Boyhood_PlakatKinostart: 5. Juni 2014; Regie: Richard Linklater; FSK: ab 6 Jahren; Länge: 166 Minuten; Verleih: Universal; Link: boyhood-film.de

 

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