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DIE ZWEI GESICHTER DES JANUARS

DIE ZWEI GESICHTER DES JANUARS

Die zwei Gesichter des Januars„Die zwei Gesichter des Januars“ stammt aus der Feder der weltberühmten Suspence-Thriller-Autorin Patricia Highsmith, deren Verleger vor der Veröffentlichung des Buches gesagt haben soll, eine Geschichte könne zwei neurotische Charaktere verkraften, aber drei seien zu viel. Das Buch bekam nicht nur einen Preis, es dient auch als Vorlage für Hossein Aminis gleichnamiges Regie-Debüt, das am 29. Mai in unsere Kinos kommt. In den Hauptrollen glänzen Viggo Mortensen, Kirsten Dunst und Oscar Isaac, die eben diese drei neurotischen Charaktere zu eigenwilligem Leben erwecken.

 

„Die zwei Gesichter des Januars“ ist ein typischer Highsmith-Stoff und damit moralisch schwer verdaulich. Wie auch bei „Der talentierte Mr. Ripley“ wird man langsam, aber sicher auf die Seite des Täters gezogen und gerät immer tiefer in seinen verwerflichen Bann. Wem die Gewissenlosigkeit der Highsmithschen Figuren Bauchschmerzen bereitet, der braucht gar nicht weiter zu lesen, dem sei vom Film nachdrücklich abgeraten – denn, wie der Titel erahnen lässt, bekommen wir es gleich mit zwei Bösewichten zu tun.

Die zwei Gesichter des Januars 1Doch zu Beginn des Films scheint die Welt noch in Ordnung: Das attraktive wie vermögende Ehepaar Colette und Chester MacFarland (Viggo Mortensen, Kirsten Dunst) genießt im Jahr 1962 sichtlich seinen Aufenthalt in Athen. Als sie die Akropolis besichtigen, fällt ihnen ein junger Mann auf, der ihnen noch häufiger über den Weg laufen soll, bis sie sich miteinander bekannt machen: Rydal Keener (Oscar Isaac) ist ebenfalls Amerikaner, spricht fließend Griechisch und verdingt sich als Touristenführer. Dem undurchsichtigen Mann ist nicht über den Weg zu trauen. Erst haut er beim Geldwechseln eine junge Frau aus seiner Reisegruppe übers Ohr, dann betrügt er die MacFarlands bei einem Flohmarktdeal.

Die zwei Gesichter des Januars 2Wie sich noch herausstellen soll, sind das Peanuts gegen die Summen, um die Chester MacFarland seine Gläubiger erleichtert hat. Des Nachts dringt ein schmieriger Privatdetektiv in die Suite der MacFarlands ein und zwingt Chester mit vorgehaltener Waffe zur Herausgabe des veruntreuten Geldes. Im Handgemenge verliert der Mann mit der Waffe nicht nur selbige, sondern auch sein Leben.

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Nun sind die MacFarlands auf der Flucht und auf den ortskundigen und der Sprache mächtigen Rydal Keener angewiesen. Der hilft dem Paar, scheinbar angezogen von einer Mischung aus Geldgier, der Faszination für Chesters kriminelle Energie und dem verlockenden Charme Colettes. Zwei Männer, eine Frau und ein Koffer voller Geld, eine reizvolle Ausgangssituation, in der die Karten für alle Beteiligten neu gemischt sind und in deren dramatischem Verlauf nur einer der drei überlebt.

Das klingt erst einmal hochgradig spannend und sehenswert, zumal die Handlung vor der gleißenden Mittelmeerkulisse Kretas spielt und später in die aufregende Metropole Istanbul wechselt. Doch gerät die Flucht immer mehr zum Duell der fragwürdigen Charaktere, und ihren dubiosen Reaktionen folgen zu müssen, ermüdet zuweilen. Viggo Mortensen spielt Chester mit stets spürbarer Rigorosität, der auch auf der Flucht, und nur mit einem Koffer voller Geld, stets wie ein aus dem Ei gepellter Gentleman gekleidet herumläuft (?). Da ist Oscar Isaacs („Inside Llewyn Davis„) Rydal lässiger, als leicht überheblicher Snob angelegt. Und zwischen den beiden männlichen Prachtexemplaren die hinreißende Kirsten Dunst. Sie vermag ihre Colette wie einen lieblichen Unschuldsengel dastehen zu lassen, nur manchmal blitzt vage ihre Berechnung auf.

Ein toll gespielter, spannend inszenierter Thriller, der in seiner Erzählweise manchmal etwas gestrig wirkt. Das gipfelt kurz vor dem Ende in einer leicht lächerlichen Sterbeszene: Bevor der Tod den Mann überwältig, plaudert er noch aus den Nähkästchen, nimmt die Schuld vom Kontrahenten und wäscht sich so die Seele rein.

Die zwei Gesichter des Januars_PlakatKinostart: 29. Mai 2014; Regie: Hossein Amini; FSK: ab 6 Jahren; Länge: 96 Minuten; Verleih: Studiocanal; Link:
diezweigesichterdesjanuars.de

 

 

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