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„Der blinde Fleck – Täter. Attentäter. Einzeltäter?“ auf DVD und Blu-ray Disc

„Der blinde Fleck – Täter. Attentäter. Einzeltäter?“ auf DVD und Blu-ray Disc

blinde fleck fürmannIm September 1980 reißt eine Bombe auf dem Münchner Oktoberfest 13 Menschen in den Tod. Die Tat eines Einzelnen, oder gibt es einen extremistischen Hintergrund? Ein Journalist recherchiert … Der Thriller mit Benno Fürmann und Heiner Lauterbach erscheint am 13. Mai bei Ascot Elite Home Entertainment auf DVD und Blu-ray Disc.

 

Worum geht’s in „Der blinde Fleck“? Um nichts weniger als den größten Terroranschlag in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg. Am 26. September 1980 explodiert auf dem Münchner Oktoberfest eine Bombe. 13 Menschen sterben, 211 werden verletzt.

Unter den Toten ist der 21-jährige Gundolf Köhler. Die Behörden identifizieren den Studenten schon kurz nach dem Anschlag als den Bombenleger und kommen zu dem Schluss, er habe als Einzeltäter und aus persönlichen Motiven gehandelt. Von Anfang an jedoch gibt es Zweifel an dieser Einzeltäter-Version.

Köhler war in der wenige Monate vor dem Anschlag verbotenen Wehrsportgruppe Hoffmann aktiv, eine bewaffnete Bande von Neonazis. Der rechtsradikale Hintergrund des Attentäters und etliche Pannen bei den Ermittlungen werfen erhebliche Fragen auf.

Der Journalist Ulrich Chaussy (Benno Fürmann) recherchiert und geht zusammen mit dem Opferanwalt Werner Dietrich (Jörg Hartmann) den Spuren nach. Akten und Dokumente, die Chaussy von einem mysteriösen Informanten zugespielt bekommt, erhärten seinen Verdacht: Hinter dem Attentat steckt mehr, als die Behörden wahr haben wollen.

blinde fleck lauterbachÜberzeugt „Der blinde Fleck“? Ja – aber nicht auf ganzer Linie. Der Film hat nicht nur einen realen Hintergrund, er folgt auch recht akribisch den tatsächlichen Recherchen des Journalisten Ulrich Chaussy, der am Drehbuch mitschrieb. Das ist eher dokumentarisch und nicht immer dramatisch.

Keine Frage, dieser Stoff ist hochspannend – und noch immer hochaktuell. Denn der zentrale Vorwurf des Films lautet: Die Behörden, ob Polizei, Verfassungsschutz oder Justiz, sind auf dem rechten Auge blind, nehmen rechtsradikale Bedrohungen nicht ernst. Heute, nach den Enthüllungen in der NSU-Mordserie, wissen wir: Das galt nicht nur in München 1980, sondern auch noch Jahrzehnte später.

„Der blinde Fleck“ ist allerdings kein Politthriller im Stile von „Die Unbestechlichen“, Statt heldenhafter Journalisten, die unter Hochdruck eine ungeheure Verschwörung aufdecken, gibt’s eine eher sachliche und nüchterne Darstellung mühevoller Recherchearbeit. Dafür verirrt sich „Der blinde Fleck“ nicht in wüsten Spekulationen, sondern bleibt eng am Thema. Beunruhigend genug sind die Fragen, die der Film zum Attentat stellt, allemal. Bis heute – der Fall ist zwar offiziell längst abgeschlossen – bleiben viele Ungereimtheiten zurück. Und auf die wirft „Der blinde Fleck“ ein paar erhellende Schlaglichter.

blinde fleck lauterbach zirner wachtveitlWer spielt mit in „Der blinde Fleck“? Der Film ist hervorragend besetzt – auch das macht „Der blinde Fleck“ sehenswert. Allein drei „Tatort“-Kommissare geben sich die Ehre: Neben Jörg Hartmann als Anwalt sind die Münchner „Kommissare“ Udo Wachtveitl (als zwielichtiger Journalist) und Miroslav Nemec (als Generalbundesanwalt) zu sehen. Den großen bösen Mann gibt, mit grimmiger Entschlossenheit, Heiner Lauterbach. Er spielt den Staatsschutzchef Dr. Langemann, der mit fragwürdigen Methoden versucht, die Ermittlungen im Sinne seines Vorgesetzten, Ministerpräsident Franz-Josef Strauß, zu torpedieren. Langemanns zweifelnden Assistenten spielt August Zirner, Nicolette Krebitz ist die Frau an der Seite des wackeren Journalisten Chaussy.

Ulrich Chaussy – Journalist und Drehbuchautor von „Der blinde Fleck – Täter. Attentäter. Einzeltäter?“
Ulrich Chaussy wurde 1952 in Karlsruhe geboren und zog im Alter von 13 Jahren nach München. Nach dem Studium der Germanistik und Soziologie arbeitete er als Hörfunkjournalist für den Bayerischen Rundfunk, später für den Westdeutschen Rundfunk und Radio Bremen.

Wie kein zweiter Journalist recherchiert er seit 1980 die Hintergründe des Anschlags auf das Münchner Oktoberfest. Immer wieder stieß Chaussy schon zu Beginn seiner Recherchen auf Ungereimtheiten und Merkwürdigkeiten, die seinen beruflichen Ehrgeiz anstachelten. Er nahm Kontakt zu Augenzeugen und Opfern des Anschlags auf, lief aber in vielen Fällen gegen Mauern oder traf auf Zeugen, die seit ihrer Vernehmung durch die Polizei eingeschüchtert wirkten. Die wenigen, die bereit waren, sich von ihm interviewen zu lassen, berichteten übereinstimmend von zwei Männern, die mit dem angeblichen Einzeltäter Gundolf Köhler unterwegs gewesen waren und sich vor und nach der Explosion verdächtig verhalten hatten. Schon bald wurde Chaussy zum erklärten Kritiker der offiziellen Einzeltäter-These und führte 1985 in seinem Sachbuch „Oktoberfest. Ein Attentat“ zahlreiche Beweise für seine Sichtweise auf.

Auch heute, nach über 30 Jahren, ist der Fall noch immer nicht aufgeklärt. Dabei hatte Ulrich Chaussy 2006 noch einmal neue Hoffnung geschöpft, dass die Ermittlungen dank moderner DNA-Analysemethoden nun möglicherweise entscheidend vorangebracht werden könnten. In Abstimmung mit dem Bayerischen Rundfunk schrieb er einen Brief an Generalbundesanwältin Monika Harms und beantragte, dass eine abgerissene Hand, welche beim Attentat gefunden worden war und als vielleicht entscheidendes Beweismittel in der Asservatenkammer in Karlsruhe aufbewahrt wurde, erneut untersucht wird. Die Antwort auf seinen Antrag fiel jedoch niederschmetternd aus: Die Bundesanwaltschaft hatte bereits 1997 die Vernichtung aller bei ihr gelagerten Asservate vom Oktoberfestanschlag verfügt. Aus Platzmangel. Mit der Begründung, der Fall sei geklärt…

Begleitend zum Kinostart von „Der blinde Fleck – Täter. Attentäter. Einzeltäter?“, dessen Drehbuch Chaussy mitverfasste, veröffentlichte er sein Buch „Oktoberfest – Das Attentat“ in einer aktualisierten Neufassung. Sie trägt den vielsagenden Zusatztitel „Wie die Verdrängung des Rechtsterrors begann“. Die Dokumentation enthält Aussagen vieler weiterer Zeugen, die sich seit 1985 bei Chaussy meldeten. Auch sie bekräftigen die Theorie, dass es sich bei Gundolf Köhler nicht um einen Einzeltäter gehandelt haben kann. Im Zuge des Kinostarts kam zudem neue Bewegung in den Fall des Oktoberfest-Attentats: Die BND Akten zum Anschlag wurden erstmals geöffnet. Darin deuten sich Kontakte der Wehrsportgruppe Hoffmann zu rechtsradikalen Gruppierungen in Italien an.
Es bleibt abzuwarten, wie es weitergeht!

In seinen weiteren Sach- und Hörbüchern beschäftigte sich Ulrich Chaussy unter anderem mit Rudi Dutschke, der Weißen Rose, dem Obersalzberg und dem Bundesnachrichtendienst. Weiterhin initiierte er ein Bürgerbegehren gegen die Schließung von Stadtbibliotheken und gründete 2004 den Förderverein „Bücher & mehr“.

Cover_DVD_Der blinde Fleck

DER BLINDE FLECK – TÄTER. ATTENTÄTER. EINZELTÄTER? erscheint am 13. Mai 2014 bei Ascot Elite Home Entertainment auf DVD und Blu-ray Disc; Laufzeit: ca. 92 Min.; Sprache: Deutsch; FSK: ab 12 Jahren freigegeben.

 

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