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Hamburg-Krimi „Treibland“

Hamburg-Krimi „Treibland“

Buchcover_TreiblandMit „Treibland“ ist bei Rowohlt Polaris der erste Kriminalroman des Journalisten Till Raether mit Schauplatz Hamburger Hafen und einem Kreuzfahrtschiff mit tödlichem Virus an Bord erschienen. Das Buch ist der Auftakt zu einer Hamburger Krimi-Reihe um den Kommissar Adam Danowski.

 

Der Journalist Till Raether legt mit dem Hamburg-Krimi „Treibland“ sein erstes Buch vor. In dem schickt er mit Hauptkommissar Adam Danowski einen eher ungewöhnlichen und nicht gerade vom Ehrgeiz gepackten Krimihelden in ein knapp 500 Seiten starkes, pralles Abenteuer. Hier ist er in großen Teilen fast auf sich allein gestellt und muss sich – ohne Dienstwaffe und Wechselklamotten – auf einem Kreuzfahrtschiff im Hamburger Hafen behaupten, das nach der Entdeckung eines tödlichen Erregers unter Quarantäne gestellt ist. Während das Virus unsichtbar seine Opfer fordert, trachtet ein Teil der Crew ganz offensichtlich Danowski nach dem Leben.

Das Kreuzfahrtschiff „MS Große Freiheit“ ist auf dem Rückweg von England nach Hamburg, als ein Passagier, ein Hamburger Kaufmann, elend an einer Art Ebola-Virus zugrunde geht. Wie hat sich der Mann infiziert? Wo steckt die Dame, die den Toten auf der Kreuzfahrt begleitet hat? Hat die Witwe des Opfers ihren fremdgehenden Mann ausschalten wollen, oder die Geliebte ihren Liebhaber? Wo sind die Geschäftsunterlagen des Toten, und wer zieht aus seinem Ableben einen Vorteil?

Während die Polizei auf dem Schiff nicht offiziell ermitteln darf und somit nur Amtshilfe leisten kann, da es unter fremder Flagge fährt, versucht die Gesundheitsbehörde, den Ausbruch einer Seuche zu verhindern – und der Senat eine Massenpanik. Vor diesem Hintergrund zieht der Autor nach und nach seinen Personalfächer auf und es macht Spaß, sich auf seine Figuren einzulassen und ihnen zu folgen.

Gleich zu Beginn des Buches stellt er klar, dass wir es mit einem Antihelden zu tun bekommen. Hauptkommissar Adam Danowski ist ein Otto Normal-Mensch mit zwei hinreißend nervigen Töchtern, die problemlos und in Nullkommanix das gemeinsame Kinderzimmer in ein Schlachtfeld verwandeln. Die tief vertraute, patente Partnerin, hat noch weniger Zeit als der Protagonist selbst. Also bleibt es an ihm hängen, die Töchter zur Impfung zu begleiten – sowie auch die Schuldgefühle, weil er den Termin verpennt.

Nur eins macht diesen Adam Danowski besonders, stellt Dr. Fischer in Kapitel drei fest: Er ist hypersensibel und kann sich intuitiv in andere hineinversetzen. Das ist sicherlich von Vorteil für die Polizeiarbeit. Da er aber seine Antennen nicht einfach abstellen kann, ist Danowski in der Regel reizüberflutet, gestresst und überfordert, oder wie besagter Neurologe es ausdrückt: „schüchtern, ruppig, zickig oder einfach sonderbar.“

Die letzten drei Adjektive treffen auf einige der Kriminalisten zu. Der Umgang untereinander changiert von giftig bis hin zu feindselig. Ab und an blitzt die alte Freundschaft zwischen Kollege Finzi und Danowski wieder auf, bevor die beiden getrennt werden, weil Danowskis Schutzanzug während der Ermittlungen auf dem Kreuzfahrtschiff reißt, er als kontaminiert gilt und das Schiff nicht mehr verlassen darf.

Die ausweglose Situation, bedroht und machtlos, stachelt Danowskis Polizistenehre an und er kommt in der Aufklärung ein gutes Stück weiter. Auch ohne Finzi, auf den (nicht ganz nachvollziehbar) eine Killerin angesetzt wird, die bereits einen Virologen in Newcastle – auch dort hatte das Kreuzfahrtschiff Aufenthalt – effizient und perfide aus dem Weg geräumt hat.

Obwohl der Leser von Anfang an mehr weiß als die Hauptfigur, steigt die Spannung und man bleibt an Danowski dran. Auch wenn der sich via Handy langatmige Zickereien mit seinem Vorgesetzten Behling liefert, die man eigentlich gerne übersprungen hätte, will man nun kein Detail mehr verpassen. So kommt man schließlich mit Danowski vom Schiff und zu einem weder überraschenden noch raffinierten, aber doch befriedigenden Ende. Da holpert es ein wenig im Finale, auch sind die Bösen etwas sehr klischeehaft geraten. Mit Adam Danowski und seiner feinen Nase, die ihn auf die richtige Fährte bringt, hat Till Raether einen netten „nine to Five“ Bullen erfunden, der mehr an seiner Familie, als an seinem Job hängt. Das ist doch fast so erfrischend wie eine kühle Brise in einem heißen Sommer im Hamburger Hafen.

Buchcover_TreiblandTill Raether: TREIBLAND, Taschenbuch, 496 Seiten, erschienen bei rororo, ISBN 978-3-499-26708-6, 14,99 Euro, treibland.de.

 

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