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YVES SAINT LAURENT

YVES SAINT LAURENT

Yves Saint LaurentLegenden werden nicht geboren, sie erschaffen sich selbst: Seit mehr als 50 Jahren ist der Name Yves Saint Laurent Inbegriff von französischem Chic, Luxus und Stil, dessen Aufsehen erregende Kreationen Kunst, Zeitgeist und Eleganz in sich vereinen. Regisseur Jalil Lespert zeichnet ein bewegendes Portrait dieser einzigartigen Persönlichkeit und führt mitten hinein in die brodelnde Welt der Mode der 60er und 70er Jahre mit ihren Machtkämpfen und Musen – Kinostart 17. April. 

 

Die beschauliche Existenz der französischen Kolonialisten im nordafrikanischen Algerien ist längst nur noch ein schöner, wehmütiger Traum. Überall im Land gärt es; dass Algerien in den Strudel eines Befreiungskriegs geraten wird, scheint nur noch eine Frage der Zeit. Deshalb sind die wohlhabenden Eltern von Yves Saint-Laurent (Pierre Niney) nicht traurig, als der junge Mann sich anschickt, seine Heimat Algerien zu verlassen, um in Paris als Modedesigner zu arbeiten. Von klein auf hat der äußerst schüchterne Yves sich für Mode und nichts Anderes interessiert. Früh schon hat er mit seinem außergewöhnlichen Talent Kleider für die Verwandtschaft entworfen und eigenhändig genäht.

Yves Saint Laurent 1

Deshalb sind alle überzeugt, dass in Paris, der Hauptstadt der Mode, eine strahlende Zukunft auf ihren Yves wartet. Tatsächlich dauert es nach seiner Ankunft im Jahr 1955 nicht lange, bis er vom Haute-Couture-Haus Christian Dior engagiert wird. Der berühmte Couturier ist tief beeindruckt vom unübersehbaren Talent seines Assistenten, und als er 1957 völlig überraschend stirbt, ist es Saint-Laurent, der mit seinen 21 Jahren als künstlerischer Leiter an die Spitze einer der renommiertesten Modemarken der Welt berufen wird.

Yves Saint Laurent 2

Seine erste Kollektion für Dior, von der Welt der Haute Couture mit großer Skepsis erwartet, wird für den jungen, genialen Modeschöpfer zu einem triumphalen Erfolg und macht ihn über Nacht weltberühmt. Während einer Modenschau trifft der schüchterne Yves Saint-Laurent auf Pierre Bergé (Guillaume Gallienne), eine Begegnung, die sein Leben von Grund auf verändern wird. Die beiden beschließen, sich eine gemeinsame Wohnung zu suchen und leben im konservativen Paris der späten fünfziger Jahre offen als Liebespaar.

Yves Saint Laurent 3

Dritte im Bunde ist das blutjunge Dior-Model Victoire (Charlotte Le Bon), die Yves wie seine eigene Schwester liebt. Sie versteht es mit ihrer guten Laune, seine melancholischen Verstimmungen, in die Yves immer wieder gerät, zu zerstreuen. Seit Christian Dior nicht mehr da ist, quälen ihn Zweifel, ob er wirklich das Zeug zum Modeschöpfer hat. Ihm fehlt der sichere Rat, die Unterstützung Diors. Doch Pierre Bergé erweist sich als äußerst geschickter Geschäftsmann, was Yves den nötigen Freiraum verschafft, um seines kreatives Genie ungebremst zu entfalten. Bergè kümmert sich um alles Andere – die Geschäfte, die PR, den Kontakt zur reichen Kundschaft.

Als der Modeschöpfer zum Wehrdienst einberufen wird, was gleichbedeutend ist mit einem Einsatz im Algerienkrieg, nimmt eine enorm kreative und erfolgreiche Phase seines Lebens ein jähes Ende. Yves erleidet einen Nervenzusammenbruch. Die Ärzte diagnostizieren eine manisch-depressive Störung. Yves verweigert den Kriegsdienst, was in Frankreich zum Skandal führt. Das Haus Dior sieht sich angesichts der aufgeheizten öffentlichen Stimmung gezwungen, seinen künstlerischen Direktor zu entlassen.

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Ein Schock, den Yves und Pierre allerdings schnell verkraften. Sie ergreifen die Chance und gründen 1961 ein eigenes Modelabel: Yves Saint Laurent. Die erste eigene Kollektion erweist sich wieder als wahrer Triumph, obwohl der Figaro nörgelnd schreibt: „Etwas wirklich Neues hat er nicht zu bieten. Die Zukunft wird zeigen, ob es sich nur um ein Strohfeuer handelt.“ Trotz des Erfolgs genügt diese Kritik, um Yves wieder in tiefe Zweifel und Depression zu stürzen.

Yves Saint Laurent 4

Yves Kreativität nimmt über die Jahre immer selbstzerstörerischere Züge an, die sowohl seine Beziehung zu Pierre, der Liebe seines Lebens, als auch die Zukunft seines Unternehmens gefährden. Trotz seiner inneren Kämpfe gelingt es Yves Saint Laurent, die Welt der Mode für immer zu revolutionieren und er wird zu einem der bedeutendsten, innovativsten und einflussreichsten Modeschöpfer aller Zeiten.

„Yves Saint Laurent“ präsentiert eine Riege der begehrtesten Jungschauspieler Frankreichs, allen voran Pierre Niney, Shooting Star des französischen Kinos und Theaters, der bereits mit 21 Jahren das jüngste Mitglied der Académie Française wurde – und in der Titelrolle tausendmal besser aussieht als das Original. Seinen Geschäftspartner und die Liebe seines Lebens, Pierre Bergé, spielt Guillaume Gallienne („Asterix & Obelix – Im Auftrag Ihrer Majestät“). In weiteren Rollen spielen Charlotte Le Bon („Der Schaum der Tage“), Laura Smet („Die Brautjungfer“), Marie de Villepin („Baikonur“) sowie Nikolai Kinski als Karl Lagerfeld.

Das bewegende Biopic führt zurück in eine Zeit, in der französische Mode noch der Inbegriff von Klasse und Chic war. Es war aber auch eine Zeit, in der die Jugend der Welt Kleidung als Ausdruck zum Widerstand gegen die Generation der Eltern benutzte. Das ist heute, wo die Jugendlichen eher Verständnis für die Alten aufbringen müssen, die sich in jeden der trendigsten Fummel zwängen, kaum noch vorstellbar. Aber letztlich war es Saint Laurent, der die Haute Couture für alle zugänglich machte, weil er an seine Prêt-à-porter-Kollektionen dieselben Ansprüche stellte wie an seine Haute-Couture-Linie.

Regisseur Jalil Lespert lässt diese „gute alte Zeit“ wieder aufleben – und zwar ganz ohne sich in schwülstige Details über die legendären Mondrian- und Ballets Russes-Kollektionen zu ergehen. Denn sein Fokus liegt auf der Person Yves Saint-Laurent. Doch gerade hier würden Mode-Insider und YSL-Fans sich jetzt vielleicht wünschen, Geheimnisse zu erfahren, wie etwa über die stetige Fehde zwischen Karl Lagerfeld und Yves Saint Laurent. Nach diesem film bleibt dazu lediglich das Gefühl, dass sie beide in denselben Mann, Jacques de Bascher (Xavier Lafitte), verliebt waren. War es wirklich nur das?

Lespert erzählt die Erfolgsstory und den Leidensweg Saint Laurents ausschließlich aus der Sicht Pierre Bergés, was vielleicht entschulden mag, dass da an der Beziehung zwischen ihm und Yves Saint-Laurent einiges beschönigt wurde. Und so setzten sich mit dem Film „Yves Saint Laurent“ gleich zwei ein Denkmal. Modeschöpfer aus dieser Zeit, die heute noch leben, sollten das bedenken – und sich vielleicht gleich selbst ans Drehbuchschreiben machen.

Fazit: Ein herrlicher Film für Modefreaks und Fans von Yves Saint Laurent (mit Originalkostümen!), der auch zurückführt in eine Welt der Mode, wo es sich noch lohnte, viel Geld für ein langlebiges Kleidungsstück hinzulegen, aber vor allem von einem Genie erzählt, das nicht aufhörte, an sich zu zweifeln.

Yves Saint Laurent_PlakatKinostart: 17. April 2014; Regie: Jalil Lespert; FSK: ab 12 Jahren; Länge: 106 Minuten; Verleih: SquareOne Entertainment und Universum Film; Link: ysl-film.de

 

© SquareOne/Universum
Fotos: Tibo & Anouchka

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