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STILLER SOMMER

STILLER SOMMER

Stiller SommerHeiter, sinnlich und melancholisch erzählt „Stiller Sommer“ vor der atemberaubend schönen Kulisse der südfranzösischen Cevennen von den Lebens- und Liebeslügen einer Kleinfamilie. Regisseurin und Drehbuchautorin Nana Neul hat für ihre stimmungsvolle Dramödie die perfekte Besetzung gefunden, allen voran die großartige Dagmar Manzel. Der verschlägt es, wie der Titel andeutet, zwar die Stimme, doch wie sie sich auch ohne Worte durch den Film spielt, ist höchst sehenswert und zwar ab dem 10. April im Kino.

 

Kunsthistorikerin Kristin (Dagmar Manzel) verliert bei einem Streit mit ihrem Mann Herbert (Ernst Stötzner) um das gemeinsame Haus in Südfrankreich die Stimme. Ein sicheres Zeichen dafür, dass Kristin eine Auszeit braucht, in eben diesem Haus. Seit 20 Jahren war sie nicht mehr dort, eigentlich nur nicht, weil Herbert einen nicht nachvollziehbaren Widerwillen gegen das Feriendomizil entwickelte und es verkaufen möchte. Dabei liegt es in einem malerischen Ort, umgeben von wilden Schluchten und märchenhaften Wäldern.

Stiller Sommer 1Bei Kristins Ankunft stellt sich heraus, dass das Haus gar nicht so verlassen ist, wie es sein sollte. Tochter Anna (Marie Rosa Tietjen) pflegt dort ihren Examens-Kater. Sie hat eine Prüfung verhauen und sammelt noch Kräfte, das den Eltern zu beichten. Derweil lässt sie sich von dem gutaussehenden Franck (Arthur Igual) trösten. Der fühlt sich allerdings ebenso zur stummen Kristin hingezogen und – irritierenderweise – lässt Kristin die Avancen des Liebhabers ihrer Tochter zu.

Stiller Sommer 3Die Dorfgemeinschaft aus Franzosen und deutschen Auswanderern nimmt Kristin wieder freundlich in ihrer Mitte auf. Besonders freut sich ihre alte Freundin und Nachbarin Barbara (Victoria Trauttmannsdorff) über Kristins Rückkehr. Sie kann auch wirklich Unterstützung gebrauchen, denn ihr ehemaliger Lebensgefährte Jean-Pierre (Jef Bayonne) hat das Bäumchen gewechselt und heiratet in den kommenden Tagen Francks Mutter Claire (Sylvie Granotier).

Stiller Sommer 4

Die macht dem frisch nachgereisten Herbert brüsk klar, dass sie ihn auf keinen Fall auf ihrer Hochzeit dabei haben möchte. Gerne hätte Kristin erfahren, warum sich Claire so ablehnend gegen ihren Mann aufführt, aber ihr fehlt nach wie vor die Stimme und Herbert mach keinerlei Anstalten, freiwillig zu erzählen. Statt dessen drängt er weiter zum Hausverkauf.

Stiller Sommer 2

Auch Franck bedrängt Kristin, allerdings in einer ganz anderen Sache – Kristin gibt nach und sich Franck hin. Das Schäferstündchen bleibt nicht unentdeckt und so verletzt Kristin mit ihrem Fehltritt Tochter und Ehemann gleichermaßen.

Ab hier nimmt die sonnig vor sich hin plätschernde Geschichte plötzlich Fahrt auf, wechselt überraschend die Erzählperspektive und spitzt sich dramatisch zu, bis sie in einem Ende mündet, das alle Möglichkeiten offen lässt.

Die zwar nicht mehr ganz junge Nana Neul (Jahrgang 1974) nimmt sich in ihrem reifen Regie-Debüt einem Haufen aus der Kurve geschleuderter Vertreter der Ü50 Generation an. In deren Mitte sticht Tochter Anna mit Klarsicht, Besonnenheit und fürsorglichem Verständnis heraus. Also mit jenen Attributen, die in der Regel den Älteren zugeschrieben werden. Doch „Stiller Sommer“ erzählt davon, dass Kinder, die erwachsen werden oder sind, ihre Eltern – auch die klugen, kultivierten – in emotionalen Extremsituationen als hilflose Irre und gefühlsverwirrte Soziopathen erleben können.

Das schreit geradezu nach autobiographischen Wurzeln. Und tatsächlich, die Mutter von Nana Neul, eine Lehrerin, verlor durch Überlastung die Stimme, trennte sich von ihrem Mann und zog sich ins französische Ferienhaus zurück.
Diesem Umstand haben wir nun einen spannenden Beziehungsfilm in bestechend schöner Umgebung zu verdanken.

Stiller Sommer_PlakatKinostart: 10. April 2014; Regie:
Nana Neul; FSK: ab 6 Jahren; Länge: 88 Minuten; Verleih: Zorro Film; Link: zorrofilm.de/stillersommer

 

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