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DIE BÜCHERDIEBIN

DIE BÜCHERDIEBIN

Die BuecherdiebinDas 2009 mit dem deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnete Buch von Markus Zusak über Ereignisse des Zweiten Weltkriegs aus der Sicht eines zwölfjährigen Mädchens bietet die Vorlage der gleichnamigen Verfilmung von Regisseur Brian Percival. Das am 13. März in den Kinos startende Kriegsdrama „Die Bücherdiebin“ zeigt, dass sich selbst unter den hässlichsten Lebensumständen Schönheit entdecken lässt – und wenn es nur Worte sind, mit denen man seine eigene Geschichte schreiben kann.

 

Liesel Memminger (Sophie Nélisse) ist neun Jahre alt, als sie gemeinsam mit ihrer Mutter (Heike Makatsch) und ihrem kleinen Bruder im Zug Richtung München fährt. Dass ihr Bruder auf der Reise stirbt und irgendwo beerdigt wird, ist für Liesel ebenso verstörend wie die Tatsache, dass sie im Örtchen Molching bei Pflegeltern landet – ihre Mutter verschwindet spurlos. Es ist das Jahr 1939.

Die Buecherdiebin 3„Papa“ und „Mama“ soll sie die wildfremden Hubermanns fortan nennen, die eigentlich mit der Ankunft von zwei Pflegekindern gerechnet hatten, um ihren Lebensunterhalt aufzubessern. Denn der schweigsame Hans Hubermann (Geoffrey Rush) verdient dank seiner Nichtzugehörigkeit zur Nationalsozialistischen Partei als Anstreicher zu wenig, was dem „Saukerl“ seine kratzbürstige Frau Rosa (Emily Watson) bei jeder sich bietenden Gelegenheit vorhält. Denn aus diesem Grunde muss sie nun für andere Leute die Wäsche waschen.

Die Buecherdiebin 1An Liesels erstem Schultag in der neuen Heimat kommt es heraus: Liesel kann nicht lesen! Von den anderen Kindern als „Dummkopf“ gehänselt, begibt sich das Mädchen auch noch in eine wüste Rauferei. Das beeindruckt Rudi Steiner (Nico Liersch), den Nachbarsjungen und von nun an ihren besten Freund. Rudi träumt davon, einmal ein Spitzenläufer zu werden. Sein Idol ist Jesse Owens, der afro-amerikanische Held der Olympischen Sommerspiele von Berlin, der 1936 vier Goldmedaillen gewann. Rudis Bewunderung für Owens geht so weit, dass er sich mit schwarzer Farbe bemalt und nachts auf dem Sportplatz den Owens-Lauf nachstellt. Damit macht er sich in der Stadt, die völlig im Bann der Doktrin von der Überlegenheit und der Vorherrschaft der Arier steht, nicht gerade beliebt.

Die Buecherdiebin 2Liesel möchte nichts mehr als unbedingt Lesen lernen, und so weiht sie Hans Hubermann in ihr Geheimnis ein: sie hat am Grab ihres Bruders dem Totengräber ein Buch gestohlen. Nächtliche Leseübungen folgen und werden mit Erfolg belohnt. Neuen Lesestoff besorgt sich Liesel heimlich vom Scheiterhaufen der Bücherverbrennungen, wo ihr auch Hasstiraden über Kommunisten und Juden zu Gehör kommen. War ihre Mutter etwa eine Kommunistin?

Die Buecherdiebin 5Warum redet die Frau des Bürgermeisters (Barbara Auer) nie mit ihr, wenn Liesel ihr die Wäsche bringt, und lässt sie doch stets in ihrer Bibliothek all die wunderbaren Bücher lesen? Hat sie doch die „Bücherdiebin“ bei der Bücherverbrennung beobachtet.

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Und warum verstecken ihre „Eltern“ plötzlich einen Mann im Keller? Immerhin teilt der jüdische Flüchtling Max (Ben Schnetzer) Liesels Leidenschaft für Bücher und ermutigt sie, ihre Beobachtungsgabe zu verbessern und zu schärfen, während er sich vor den Nazis verstecken muss.

Die Geschichte und ihre Figuren hat der australische Schriftsteller Markus Zusak ersonnen. Sein Jugendroman „Die Bücherdiebin“ wurde 2006 weltweit veröffentlicht. Acht Millionen Exemplare wurden seitdem von diesem Roman verkauft, der in über 30 Sprachen übersetzt wurde. Darüber hinaus wurde der Roman mit über einem Dutzend wichtiger Literaturpreise ausgezeichnet.

Für „Die Bücherdiebin“ ließ sich Markus Zusak von Geschichten inspirieren, die ihm seine Eltern in seiner Kindheit in Australien erzählten. „Man hatte das Gefühl, als würde unsere Küche zu einem Teil von Europa, wenn meine Mutter und mein Vater von ihrer Kindheit in Deutschland und Österreich, von den Bombardierungen Münchens und von den Gefangenen erzählten, die die Nazis im Marschschritt durch die Straßen trieben“, erinnert sich Zusak. „Damals war mir das noch nicht bewusst, aber diese Geschichten brachten mich schließlich dazu, Schriftsteller werden zu wollen.“

„Es war eine Zeit der größten Gefahren, eine Zeit, in der das Böse dominierte. Doch mich inspirierten diese selbstlosen und gütigen Taten, die es in diesen düsteren Zeiten auch gab“, fährt der Autor der Romanvorlage fort. „Und genau davon handelt ‚Die Bücherdiebin‘ – es geht darum, Schönheit selbst unter den hässlichsten Lebensumständen zu entdecken. Ein zentrales Thema der Geschichte ist, dass Hitler die Menschen, das deutsche Volk, mit seinen Worten zerstört. Liesel holt sich diese Worte zurück, sie stiehlt sie und schreibt dann mit ihnen ihre eigene Geschichte.“

Die Buecherdiebin 6Ein jeder Deutschlehrer wird bei diesem Buch wohl vor Freude in die Hände geklatscht haben – ob die Geschichte aber in ihrer verschachtelten, verfremdenden Erzählweise auch wirklich Jugendliche ab 14 Jahren, für es gedacht ist, erreicht, ist fraglich. Denn zusätzlich zu schwierigen, komplexen Themen wie Krieg und Antisemitismus ist hier der Erzähler der Tod höchstpersönlich. Der ist zumindest mit Ben Beckers Stimme in der Verfilmung von „Downton Abbey“-Regisseur Brian Percival weniger dominant. Und auch, wenn man sich gelegentlich fragt, warum Emily Watson als bayerisches Pflanzerl Rosa Hubermann stets wie ein Bierkutscher flucht, aber auch in der deutschen Synchronisation nicht einen Hauch vom Hochdeutschen abweicht, so zeichnet der Film die Charaktere und vor allem die bedrückenden Lebensumstände höchst sensibel nach. Vor allem der Kanadierin Sophie Nélisse und dem deutschen Nico Liersch als Liesel und Rudi ist es zu verdanken, dass das vor beeindruckender Kulisse im Studio Babelsberg sowie in Berlin und Görlitz gedrehte Drama auch Jugendliche erreichen wird.

Die Buecherdiebin_PlakatKinostart: 13. März 2014; Regie: Brian Percival; FSK: ab 6 Jahren; Länge: 132 Minuten; Verleih: Twentieth Century Fox of Germany; Link: diebuecherdiebin-derfilm.de

 

 

© 2014 Twentieth Century Fox

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