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GRAND BUDAPEST HOTEL

GRAND BUDAPEST HOTEL

grand hotel budapest fiennes revoloriEin Nobelhotel in den 30er-Jahren: Der Concierge beglückt reiche alte Damen und erbt als Dank ein wertvolles Gemälde. Aber die Freude währt nur kurz – denn der Erbe gerät in einen Strudel aus Gewalt und Leidenschaft. Glanzvoll besetzte und verrückte Satire mit Ralph Fiennes (Kinostart: 6. März).

 

Dieser Film ist wie eine dieser russischen Matrjoschka-Puppen: ineinander verschachtelt und sehr farbenfroh. Unter jeder Hülle steckt eine weitere, und je dichter man zum Kern gelangt, desto filigraner ist die nächste Schicht gestaltet. Regisseur Wes Anderson („The Royal Tenenbaums“) erzählt in „Grand Budapest Hotel“ eine Geschichte in der Geschichte in der Geschichte. Und diese Geschichten sind so fantasievoll und verrückt in Szene gesetzt, als hätte sich jemand vorgenommen, dass Kino neu zu erfinden.

Dabei setzt „Grand Budapest Hotel“ auf ganz alte Leinwand-Tugenden: eine verschwenderische Ausstattung, elegante Dialoge und grandiose Schauspieler. Davon hat der Film vielleicht sogar mehr als genug: Bis in kleinste Nebenrollen geben sich Stars die Ehre – oft nur für ein paar kurze Szenen, dann weichen sie wieder prominenten Kollegen und einer weiteren überraschenden Wendung der Geschichte.

grand hotel budapest swinton fiennesEs beginnt 1985: Ein alternder Schriftsteller (Tom Wilkinson) erzählt von seiner Schreibblockade, die ihn 1968 ereilte: Damals suchte er (jetzt: Jude Law) Heilung im Kurort Nebelsbad in der osteuropäischen Alpenrepublik Zubrowka. Im Grand Budapest Hotel lernt er den Besitzer des recht heruntergekommenen Etablissements kennen, Zéro Mustafa (F. Murray Abraham). Der Alte erzählt dem Autor beim Essen eine sehr, sehr lange Geschichte. Unglaublich ist sie obendrein.

Sie handelt davon, wie er als junger Bursche (Tony Revolori) 1932 im Hotel als Lobby-Boy anfing. Das Grand Budapest war seinerzeit ein prunkvolles Haus, und die Seele des Hotels war der Concierge Gustave (Ralph Fiennes). Der strenge Mann mit den feinen Manieren wird Zéros Mentor. Gustave kümmert sich aufopferungsvoll um die teuren Stammgäste, vor allem um die weiblichen – so sehr, das ihm die verblichene Madame D (Tilda Swinton) ein wertvolles Gemälde hinterlässt. Die Erben der Familie D. sind empört und lassen nichts unversucht, Gustave das Kunstwerk streitig zu machen. Gustave, ein Mann der Tat, stiehlt das Bild, und hat bald den bösen Dimitri (Adrien Brody), einen unberechenbaren Polizisten (Edward Norton) und weitere Neider und Narren auf den Fersen.

grand hotel budapest brodyIn einem streckenweise atemberaubenden Tempo wechselt „Grand Budapest Hotel“ von der Gesellschaftssatire zu Gangsterfilm, Spionagefilm, Kriegsabenteuer und Komödie und wieder zurück. Mittelpunkt des kunterbunten Treibens ist aber ganz klar der Hotelangestellte Gustave: Ralph Fiennes spielt den stets korrekt gekleideten charismatischen Concierge mit Witz und Würde. Dieser Typ, ein ziemlich altmodischer Schnauzbart, bezirzt alte Damen mit seinem Charme, hat in seinem Hotel alle Fäden in der Hand und lässt sich weder von Gangstern noch von Offizieren einschüchtern. Ein Romantiker mit poetischer Ader, und zugleich ein verschlagener Einzelkämpfer – eine bunt schillernde Figur, wie sie eben nur im Grand Budapest vorkommen kann. Fiennes ist fabelhaft in dieser Ausnahme-Rolle. Auch wenn der Zuschauer ab und zu etwas die Übersicht verliert wegen der vielen großen Namen in kleinen Rollen (etwa Harvey Keitel, Bill Murray, Owen Wilson) – Ralph Fiennes überragt sie alle.

Ebenso altmodisch wie sein Held ist die Machart des Films. Putzige Modelle, handgemalte Hintergründe und Spezialeffekte wie aus der Augsburger Puppenkiste sorgen für ein nostalgisches Flair, das manchmal sehr versplelte Züge annimmt. Dabei jagt eine irre Szene die nächste, ein schräger Einfall den anderen. Regisseur und Drehbuchautor Wes Anderson erschafft einen völlig eigenen Mikrokosmos, eine ganz eigene Welt aus fantastischen Kulissen, ollem Kintopp und eleganter Operette.

„Grand Budapest Hotel“ ist selbstverliebtes Kunstkino – aber eines von der Sorte, das keine Minute langweilt. Ein Märchen für Erwachsene.

grand hotel budapest posterKinostart: 6. März; Regie: Wes Anderson; FSK: –; Länge: 100 Min.; Verleih: Fox Deutschland, Link: http://www.grandbudapesthotel.com

 

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