Film

PHILOMENA

PHILOMENA

Philomena

Basierend auf dem Roman “The Lost Child of Philomena Lee“ von Martin Sixsmith erzählt Regisseur Stephen Frears in “Philomena” die wahre Geschichte einer erschütternden Spurensuche, die gleichzeitig vorsichtige Annäherung zweier grundverschiedener Menschen ist. Mit Judi Dench und Steve Coogan in den Hauptrollen entstand ein beseeltes Stück Kino, das gekonnt die Balance zwischen typisch britischem Humor und bewegendem Drama hält. Ab dem 27. Februar ist “Philomena” auf der großen Leinwand zu erleben.

 

 

Philomena 3„Philomena“ erzählt die wahre Geschichte einer Frau, die als Teenager im streng katholischen Irland der 50er-Jahre ungewollt schwanger wird. Im Kloster bringt sie einen gesunden Sohn zur Welt. Dort verdonnert man sie zur Zwangsarbeit – und noch viel schlimmer, man nimmt ihr den Sohn und gibt ihn zur Adoption frei. 50 Jahre schweigt sie, bis sie sich, ihrer deutlich später geborenen Tochter anvertraut. Die ist davon überzeugt, dass das Schicksal ihrer Mutter öffentlich gemacht werden sollte, als ihr der unfreiwillig arbeitslos gewordene Journalist Martin Sixsmith über den Weg läuft.
Gemeinsam begeben sich der Journalist und die Mutter auf Spurensuche nach dem verlorenen Kind und decken am Ende einen Skandal auf.

Leicht hätte aus dem Stoff ein freudloses, düsteres Trauerspiel werden können, dass reißerisch die miesen Machenschaften eines Klosters auseinander nimmt. Doch Regieveteran Stephen Frears („Die Queen“) und sein begnadetes Hauptdarsteller-Duo Judy Dench und Steve Coogan erschaffen ein anrührendes Drama, das mit leisem Humor respektvoll die Unterschiede eines ungleichen Paares auslotet und ein weiteres unrühmliches Kapitel der katholischen Kirche offenbart. 

Eine Stunde am Tag dürfen die sündigen jungen Mütter, die fast alle selber noch Kinder sind, nach der Schufterei in der heißen Kloster-Waschküche, zu ihren Kindern. So auch die minderjährige Philomena (Sophie Kennedy Clark), die jedes Treffen mit ihrem Sohn Anthony wie ein kleines Fest im Herzen bewahrt hat.

Philomena 1

 

Ein Foto des damals Dreijährigen, das ihr heimlich eine wohlwollende Nonne zusteckte, ist ihr von ihrem Sohn geblieben. Immer wieder erlebt sie das Trauma der Trennung, sieht sich weggesperrt und ihren Sohn von wohlhabenden Adoptiveltern in die Vereinigten Staaten fortgebracht. Ihren Schmerz und die damit verbundene Machtlosigkeit erlebt auch der Zuschauer ein ums andere Mal in herzzerreißenden Rückblenden. Kein Tag ist seit her vergangen, an dem sie nicht an Anthony gedacht hätte. Verbittert oder gar rachsüchtig ist die gläubige alte Dame (Judy Dench) deswegen allerdings nicht. 

Philomena 2

Ganz anders geht es dem ehemaligen BBC-Korrespondenten und Starjournalisten Martin Sixsmith (Steve Coogan), der durch eine einzige, unglückliche Formulierung seinen Job verloren hat. Er zieht sich verletzt hinter seinem Zynismus zurück und lässt Nihilismus und Depression freien Lauf. Immer noch weint er seinem Status nach, als ihm Philomena Lees Geschichte zugetragen wird. Obwohl ihm die herzliche alte Dame zutiefst suspekt ist, willigt er ein, ihr bei der Suche nach ihrem verlorenen Sohn zu helfen.

Sie beleidigt sein intellektuelles Ohr mit dem Nacherzählen von Schundromanen, für die sie eine geradezu kindliche Begeisterung hegt. Obendrein tritt sie seinen feinsinnigen Humor mit Füßen. Dafür überrascht sie ihn immer wieder mit ihrer menschlichen Größe, ihrem inneren Frieden und ihrer großherzigen Versöhnlichkeit, auch als man ihnen im Kloster jede Hoffnung nimmt, Anthony jemals zu finden. Denn die gesuchten Unterlagen sind bei einem Feuer verbrannt, um – wie sich später herausstellt – die unchristlichen Praktiken der Nonnen zu verschleiern. Die haben ihre Zöglinge für 1000 Pfund an reiche Amerikaner verscherbelt.

Je schmutziger die Details, desto höher steigt der Marktwert von Philomenas Story bei Martins Buch-Verlegerin, die seine Recherchen finanziert und auch die Reisekosten für ihn und Philomena in die USA trägt.

Philomena 4

„Philomena“ bietet kein Happy End im üblichen Sinne, keine rührende Familienzusammenführung, kein glückliches einander in die Arme fallen. Statt dessen würdigt der Film das schwerverdauliche Schicksal einer zutiefst gutartigen Frau, die in Harmonie mit Gott und seiner Schöpfung lebt.

Die Seele dieser Frau scheint Crew und Cast vollständig durchdrungen zu haben. Judy Dench, eins geworden mit ihrer Rolle der Philomena Lee, wünscht man von Herzen den Oscar für die beste Hauptrolle, für die sie nominiert ist. Hauptdarsteller Steve Coogan adaptierte gemeinsam mit Jeff Pope die Buchvorlage von Martin Sixsmith „The Lost Child of Philomena Lee“. Auch für das Drehbuch gab es eine Oscar-Nominierung. Man möchte allen Beteiligten die Daumen drücken, besonders Steven Frears für seine feinfühlige Inszenierung. Seltsamerweise ist Frears zwar nicht für die beste Regie nominiert, aber der Film selbst geht verdient ins Rennen!

Philomena_PlakatKinostart: 27. Februar 2014; Regie:
Stephen Frears; FSK: ab 6 Jahren; Länge: 98 Minuten; Verleih: Universum/ Square One; Link: philomena-film.de

 

 

 

Kommentare anzeigen (2)

2 Comments

  1. Pingback: Gewinnspiel: "Mr. Hoppys Geheimnis" auf DVD und Blu-ray Disc | Absolut Familie

  2. Pingback: Gewinnspiel: "Sag, dass du mich liebst" auf DVD | Absolut Familie

Hinterlassen Sie eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Mehr in Film

Nellys Abenteuer

„Nellys Abenteuer“ fürs Heimkino

Barbara Leuschner17. März 2017
Moonlight

Kinotipp: MOONLIGHT

Barbara Leuschner9. März 2017
Trolls 1

Musical-Abenteuer „Trolls“ fürs Heimkino

Barbara Leuschner7. März 2017
Disney mitmach-kino 1

Disney Junior Mitmach-Kino am 5. März!

Barbara Leuschner2. März 2017

Andreas Bourani zu seiner Rolle in Disneys „Vaiana“

Thomas Meins23. Dezember 2016
(Pictured) DORY. ©2013 Disney•Pixar. All Rights Reserved.

Kinotipp: FINDET DORIE

Barbara Leuschner29. September 2016
tschick-start

Kino-Tipp: TSCHICK

Thomas Meins15. September 2016
elliot-der-drache-17-rcm0x1920u

Kinotipp: ELLIOT, DER DRACHE

Thomas Meins25. August 2016

Exklusiver Clip zu CONNI & CO

Thomas Meins2. August 2016
ghostbusters-start

Kinotipp: GHOSTBUSTERS

Thomas Meins1. August 2016