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AMERICAN HUSTLE

AMERICAN HUSTLE

american hustle adams baleGauner, Agenten, Politiker: In dieser Satire betrügt jeder jeden. Christian Bale und Bradley Cooper geben alles – und zeigen Mut zu umwerfend komischen Finten und Frisuren (Kinostart: 13. Februar). 

 

Dieser Film zählt zu den diesjährigen Oscar-Favoriten (zehn Nominierungen), hat in den USA bereits etwa 150 Millionen Dollar eingespielt und begeistert weltweit die Kritiker. Und das alles vollkommen zu Recht! „American Hustle“ ist eine hinreißende 70er-Jahre-Satire – clever gemacht, grandios gespielt und höchst amüsant.

Regisseur David O. Russell („Silver Linnings“) orientierte sich zwar an einem wahren Politskandal, der 1978 die USA erschütterte, nahm sich aber die Freiheit, Geschichte und Charaktere kräftig auszuschmücken. Im Zentrum dieses schier unglaublichen Schelmenstücks steht ein zwielichtiger Typ mit unmöglicher Frisur – eine tragische Figur, die einem aber schnell ans Herz wächst.

american hustle baleNew York, Ende der 70er: Irving Rosenfeld (Christian Bale) betreibt einige Wäschereien in der Stadt, macht sein Geld aber vor allem mit illegalen Geschäften. Er vertickt gefälschte Kunstwerke und haut arme Schlucker übers Ohr, denen er gegen ein Honorar von 5000 Dollar Kredit verspricht – den seine Kunden natürlich nie bekommen.

american hustle amy adamsMit seiner neuen Geliebten Sydney (verführerisch: Amy Adams) treibt er dieses Spiel bis zur Perfektion: Sie wickelt die Kunden als angebliche englische Lady um den Finger, er zieht den Leuten das Geld aus der Tasche. Die Masche fliegt leider auf, denn der überaus ehrgeizige FBI-Agent Richie DiMaso (Bradley Cooper) ist dem Pärchen auf die Schliche gekommen. DiMaso bietet einen Deal an: Wenn Irving und seine Gespielin ihm einige korrupte Politiker ans Messer liefern, gehen sie straffrei aus.

Und so fädeln Irving und „Lady Edith Greensly“ ein ganz großes Ding ein: Unter dem Vorwand, ein Scheich wolle in seiner klammen Stadt kräftig investieren, locken sie Carmine Polito (Jeremy Renner), den Bürgermeister von Camden, in eine Falle. Dumm nur, dass bald nicht nur der Politiker in der Patsche sitzt. Irvings neurotische Noch-Ehefrau Rosalyn (viel mehr als blond: Jennifer Lawrence) funkt ebenso dazwischen wie die Mafia.

Dieser Irving Rosenfeld ist einer der schrägsten Vögel der jüngeren Filmgeschichte. Der coole Trickbetrüger, der völlig ungerührt den Verzweifelten ihren letzten Cent abknöpft, ist zugleich ein piefiger Kleinbürger, der jeden Tag eine halbe Stunde vorm Spiegel steht, um sich ein Haarteil auf die Glatze zu kleben und die kümmerlichen Resthaare kunstvoll mit Festiger zu drapieren. Rosenfeld kümmert sich aufopferungsvoll um seinen Adoptivsohn, betrügt aber seine Ehefrau. Er hat mindestens zwei Schwächen – für alte Swing-Platten und junge hübsche Frauen. Christian Bale spielt diesen Macker mit dem weichen Herzen mit stoischer Ruhe, ausdrucksstarker Duldermine und so menschlich wie möglich. Dieser Typ mag irre sein, aber er ist nie lächerlich – dank Bale. Auch Bradley Cooper bekommt diese Gratwanderung hin: Als Agent DiMaso darf er sich so richtig austoben und als testosterongesteuertes Monster seinen Vorgesetzten zusammenschlagen, hemmungslos die Kronzeugin anbaggern und in der Disco den Gockel geben. Das ist völlig überdreht, aber nie unsympathisch.

american hustle cooperDenn Agent DiMaso wird in „American Hustle“ genauso betrogen wie der Betrüger. Wer hier gerade mit wem unter einer Decke steckt, wer den nächsten Coup ausheckt, und wie eine scheinbar aussichtslose Lage sich plötzlich in einen Triumph verwandeln kann, bleibt immer wieder überraschend. Alle Hauptfiguren geraten nacheinander in haarsträubende Situationen. Wie sie sich daraus befreien, ist hinreißend komisch und absolut verblüffend.

Genau wie die Figuren bei aller Verrücktheit ihre Würde behalten, bewegt sich der Film stilsicher zwischen Tragödie und Komödie – mit kräftiger Ironie, viel Liebe zum Detail (Die Frisuren! Die Klamotten!) und einem genialen Soundtrack. Einige der zeitgenössischen Songs scheinen wie für den Film gemacht – als würde es sie nicht schon seit Jahrzehnten geben. Zusätzliche Würze verleiht der Story ein Kurz-Auftritt einer Schauspiel-Legende, die eine alte Rolle parodiert.

Gibt es irgendetwas an diesem Film auszusetzen? Mir fällt nichts ein.

american hustle posterKinostart: 13. Februar 2014; Regie: David O. Russell; FSK: ab 6; Länge: 138 Min.; Verleih: Tobis Film; Link: americanhustle.de

 

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