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HANNAS REISE

HANNAS REISE

Hannas ReiseAls Push für ihre berufliche Karriere braucht die ehrgeizige BWL-Studentin Hanna den Nachweis, dass sie sich ehrenamtlich engagiert hat. Soziale Kompetenz ist gefragt – etwas, was in ihrem Leben bisher keine große Rolle spielte. Ein soziales Praktikum führt sie in ein Behindertendorf in Tel Aviv, konfrontiert sie mit der eigenen Familienvergangenheit und – mit der Liebe (Kinostart 23. Januar).

 

Hanna (Karoline Schuch) steht kurz vor dem Abschluss ihres BWL-Studiums. Ihren Karriereplan für die Zeit danach hat sie längst festgelegt und als Ziel fest vor Augen. Als sie bei einem Vorstellungsgespräch erfährt, dass nicht allein gute Zensuren, sondern auch soziales Engagement für die Auswahl eine entscheidende Rolle spielt, brüstet sie sich vor versammelter Bewerberjury mit einem vermeintlichen Einsatz in Israel für die „Aktion Friedensdienste“, den sie demnächst beginnen wird. Als das Auswahlgremium interessiert darauf eingeht, beginnt Hanna zu begreifen, in was sie sich selbst hinein manövriert hat.

Aber sei´s drum, was mit Juden kommt schließlich immer gut, und da ihre Mutter (Suzanne von Borsody) die Leiterin von „Aktion Friedensdienste“ ist, sollte es kein Problem sein, schnell ein pro forma Schreiben von ihr zu bekommen. Aber Mutter Uta, zu der Hanna stets ein schwieriges Verhältnis hatte, lässt das nicht zu und sorgt dafür, dass Hanna tatsächlich ein soziales Praktikum antritt – und zwar in einem Behindertendorf in Tel Aviv. Hanna bleibt keine Wahl. Wütend, widerwillig und voller
Vorurteile macht sie sich auf die Reise. 

Hannas Reise1

Im sommerlich-schönen Tel Aviv angekommen, weigert sich Hanna beharrlich, auch nur ansatzweise etwas Positives aus ihrem Einsatz zu ziehen. In der vollgemüllten WG mit dem „Wiedergutmachungsdeutschen“ Carsten (Max Mauff) und der Politaktivistin Maja (Lore Richter), im Umgang mit den Behinderten bei der Arbeit, oder auch bei den Treffen mit „ihrer“ Holocaustüberlebenden Gertraud (Lia König) bleibt ihre innere Ablehnung zur Bestätigung ihrer Position bestehen. Und auch Itay (Doron Amit), der Betreuer, dem sie zugeteilt wurde, lässt sie zunächst mit Holocaustwitzen und zynischen Sprüchen auflaufen.

Hannas Reise2

Wie gut, dass Hanna in Berlin ihren Freund Alex (Trystan Pütter) hat, der sie via Skype aus der Ferne tröstet. Doch je mehr Zeit verstreicht, desto weiter scheint der von ihr entfernt zu sein. Als Itay eine Flirtoffensive beginnt, kann sich Hanna immer weniger entziehen. Ihr scheint hier alles zu entgleiten und die Holocaustüberlebende Gertraud öffnet Hanna nach und nach die Augen über das wahre Engagement ihrer Mutter. Erstmals hat Hanna Interesse für ihre Familiengeschichte…

Regisseurin Julia von Heinz überrascht mit einer modernen und vielschichtigen Liebesgeschichte voller Dialogwitz im Umgang mit der deutsch-israelischen Geschichte. „Hannas Reise“ ist einer der ersten von der israelischen Filmförderung geförderten Filme, der basierend auf einem deutschen Drehbuch, unter deutscher Regie und mit deutschen Darstellern in Israel gedreht wurde.

Karoline Schuch kennt man aus „Verbotene Liebe“, „Tatort“ oder „Zweiohrküken“. In „Hannas Reise“ ist die 31-Jährige nun in ihrer ersten großen Kinohauptrolle zu sehen.
Karoline Schuch im Interview über ihre eigene Karriere, Ehrgeiz, Luftalarm am Set in Tel Aviv und darüber, wie man als junger Mensch im 21. Jahrhundert mit der deutsch-jüdischen Vergangenheit umgeht: 

Hannas Reise4Die Protagonistin aus „Hannas Reise“ ist eine junge ehrgeizige Hochschulabsolventin, die für den Traumjob sogar einen Nachweis fälschen würde. Können Sie Hannas Ehrgeiz teilen? Wo sehen Sie persönlich Grenzen, wenn es darum geht, beruflich erfolgreich zu sein?
„Ich finde, den eigenen Lebenslauf zu fälschen geht gar nicht. Wenn da etwas steht, dann sollte man das auch gemacht haben. Ehrgeiz hingegen finde ich absolut in Ordnung, solange er nicht selbstzerstörerisch wird.“

Haben Sie selbst während des Drehs in Israel etwas von dem andauernden Konflikt zwischen Israel und Palästina zu spüren bekommen?
„An unserem letzten Drehtag in Jerusalem hieß es plötzlich, dass es in Tel Aviv das erste Mal seit 20 Jahren Luftalarm gegeben hat, aus dem Gaza-Streifen wurden Raketen mit sehr großer Reichweite abgefeuert. In den folgenden Tagen bis zur Abreise habe ich das insgesamt viermal erlebt, was ich als sehr bedrohlich empfand. Die Leichtigkeit des zweimonatigen Aufenthalts wurde dadurch nicht unbedingt getrübt, hat mich jedoch sehr nachdenklich gemacht.“

Glauben Sie, der Film zeichnet ein reales Bild vom Umgang zwischen Juden und Deutschen im Jahr 2013?
„So flapsig, wie Itay das im Film betreibt, habe ich das nicht erlebt, aber trotzdem zeichnet der Film ein reales Bild, weil er zeigt, dass ein solcher Umgang mittlerweile möglich ist. Im Kino wird gerade an diesen Stellen sehr gelacht, fast schon befreit. Das finde ich gut und wichtig.“

Wie stehen Sie als junge moderne Frau im 21. Jahrhundert zu der Frage, wie sich der Holocaust auf unsere Generation auswirkt?
„Der Holocaust ist und bleibt ein großer Teil unserer Geschichte und damit auch der dritten Generation. Trotzdem sollte es möglich sein, nach und nach auch einen humorvollen Zugang bzw. Umgang zu finden, damit der Kontakt und die Kommunikation zwischen den Generationen nicht abreißt. Ein reger Austausch zwischen jungen Menschen in beiden Ländern ist daher nach wie vor sehr wichtig, sei es in Camps, Clubs in Berlin oder am Strand von Tel Aviv.“

Wer sollte sich „Hannas Reise“ anschauen? 
„Alle! Junge Menschen, alte Menschen, mittelalte Menschen! Menschen, die Lust auf Israel, den Sommer und die Liebe haben.“

Hannas Reise_PlakatKinostart: 23. Januar 2014; Regie: Julia von Heinz; FSK: ohne; Länge: 100 Minuten; Verleih: Zorro Film; Link: hannasreise.de

 

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