Familienpolitik

Rentenversicherung: Familien zahlen drauf

Rentenversicherung: Familien zahlen drauf

BS_Rente_infografiken_AB_RGB22Familien sind durch das geltende Rentensystem benachteiligt: Zu diesem Fazit kommt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung. Denn Eltern zahlen gleich zweifach für die Altersversorgung: Sie investieren Zeit und Geld in ihre Kinder, und sie ernähren mit ihren Rentenbeiträgen die heutige Rentnergeneration.

Eltern zahlen genauso viel in die gesetzliche Rentenkasse wie kinderlose Versicherte, stecken aber zusätzlich etliche Jahre Zeit und Geld in die Entwicklung ihres Nachwuchses. Wer beruflich kürzer tritt, um sich um seine Kinder zu kümmern, mindere auch noch den späteren Rentenanspruch, muss also mit weniger Geld im Alter auskommen, so die Studie.

Kinder erwirtschaften ein Plus

xcms_bst_dms_39227_39228_2Nach Berechnungen der Bertelsmann-Stiftung zahlt ein heute 13-Jähriger im Laufe seines Lebens durchschnittlich 77.000 Euro mehr in die Rentenkasse ein als er später im Alter herausbekommt. Seine Eltern werden für ihre Leistung, das Kind großzuziehen, aber nur mit einer durchschnittlichen Mütterrente von 8300 Euro belohnt.

Auch die über 150 familienpolitischen Maßnahmen wie Elterngeld und Kindergeld wiegen die Leistungen der Eltern nicht auf, stellt die Studie fest. Rechnet man alle Leistungen an, die eine Familie für ihre Kinder vom Staat erhält, bleibt laut Studie Immer noch ein Plus von 50.500 Euro, das ein Kind im Laufe seines Lebens als Beitragszahler an die Sozial- und Steuerkassen überweist.

Die Grenzen des Rentensystems

Das System ist nicht nur ungerecht, es steht ohnehin auf tönernen Füßen. Es werden immer weniger Kinder geboren, und die Menschen werden immer älter: Diese Entwicklung droht das herrschende Rentensystem in absehbarer Zeit zu sprengen. Der Bertelsmann-Studie zufolge erreichen die Rentenbeiträge bereits ab 2030 die gesetzliche Obergrenze von 22 Prozent des Bruttoeinkommens, gleichzeitig wird das Rentenniveau unter die bislang geltende Untergrenze fallen.

Das Rentensystem muss also umgebaut werden, soll die Rente bezahlbar bleiben und sollen die Rentenempfänger von der Altersversorgung leben können. Diese Erkenntnis ist nicht neu, bislang hat aber noch keine Bundesregierung ernsthaft Konsequenzen daraus gezogen. Mehr Kinder könnten das Problem zwar lösen: Die Bemühungen, kinderlosen Paaren mit Geschenken wie dem Elterngeld das Kinderkriegen schmackhaft zu machen, sind aber wohl angesichts stagnierender Geburtenzahlen gescheitert. Einwanderer mit potenziell höher Geburtenrate ins Land zu locken, scheint auch keine Option. Die Diskussion um das Stichwort „Sozialtourismus“ zeigt, dass Deutschland noch immer nicht reif ist, sich endlich zu seinem Status als Einwandererland zu bekennen.

Kinderrente und Basisrente

Für das Rentensystem heißt das: Die vorhandenen Mittel müssen mit den beschränkten Möglichkeiten umverteilt werden, um einen finanziellen Kollaps zu vermeiden. Die Bertelsmann-Stiftung schlägt daher eine tiefgreifende Reform vor. Zunächst solle es eine niedrigere Basisrente für alle geben. Zusätzlich soll eine Kinderrente geschaffen werden, die Eltern belohnt.

Die Höhe der Ansprüche aus der Kinderrente hinge dann von der Zahl der Kinder ab. Nach Vorstellungen der Bertelsmann-Stiftung gibt’s bei drei oder mehr Kindern einen Rentenanspruch in derzeitiger Höhe. Alle anderen bekämen weniger – und müssten privat zusätzlich fürs Alter vorsorgen.

Grafik: Bertelsmann-Stiftung

Kommentare anzeigen (1)

1 Kommentar

  1. sdaktien

    20. Februar 2014 in 14:22

    Meiner Meinung nach sollte das Rentenversicherungssystem von einem Umlagesystem in eine kapitalgedeckte Rentenversicherung umgebaut werden.

    Denn das umlagenfinanzierte System hat gleich mehrere Schwächen. Es ist darauf ausgelegt, das mindestens ebenso Viel in die Rentenkasse einbezahlt, wie ausgezahlt wird. Das funktioniert nur, wenn sich die Rahmenbedingungen nicht ändern. Die Rentenempfänger dürfen der Kasse nicht mehr entnehmen als die Rentenzahler einzahlen. Eine erhöhte Lebenserwartung führt aber beispielsweise dazu, dass Bezüge immer länger ausbezahlt werden müssen, während die Einzahlungen mindestens stagnieren, weil die Beitragszahler ja nicht früher in die Rentenkasse einzahlen.

    Im Gegenteil, die schulische Ausbildung + Studium führt zu einem verspäteten Berufseintritt, was die Schieflage des derzeitigen Rentensystems noch vergrössert.

    Auch die Veränderung in der Arbeitswelt vergrössert diese Schieflage. Denn während zu Beginn des Rentenversicherungssystems in der Bundesrepublik, Vollzeitstellen an der Tagesordnung waren, die ordentlich bezahlt wurden und damit einen ordentlichen Beitrag in die Rentenversicherung leisten konnten, ist die heutige Arbeitswelt von Niedriglohnstellen und für Berufseinsteiger von schlecht oder gar nicht bezahlten Praktika-Stellen geprägt. Diese Berufstätigen fallen damit ebenfalls als Beitragszahler aus.

    Auch der Staat selbst muss sich bei dem Griff in die Rentenkasse zurückhalten.
    Die von der jetzigen Koalition vorgelegten Rentenpläne zeigen aber eher das Gegenteil.

    Eine kapitalgedeckte Rentenversicherung, würde vermutlich nicht das letzte Problem lösen, wohl aber, wenn sie richtig gemacht ist, die nötigen Zuschüsse vermindern.

    Die kapitalgedeckte Rentenversicherung hätte den Vorteil, dass sie ihr Geld in „Produktivkapital“ anlegen könnte, sprich in börsennotierte Unternehmen. Diese haben den Vorteil dass sie über einen langen Zeitraum, bei dem oder der Rentenversicherten darf man dafür wohl 30 Jahre mindestens veranschlagen, alle anderen Systeme schlagen, und neben dem Inflationsausgleich auch eine Wertsteigerung beinhalten sollten.
    Natürlich können Aktienmärkte auch fallen, Rentner die dann zu diesem Zeitpunkt den Arbeitsmarkt verlassen, könnten tatsächlich weniger bekommen. Diese Summen auszugleichen würde aber weit weniger kosten, als die derzeitigen Zuschüsse in die Rentenversicherung, die bereits jetzt die Versicherung sprengen würden, würde man den Einzahlungszeitraum nicht strecken (Stichwort Rente mit 67).

    Ein kleines Beispiel macht dies deutlich: Wer seit 1984 in ein solches Rentensystem eigezahlt hätte, hätte kaum ein Jahr eine Rendite von unter 7% gehabt. Dies entspräche einem Inflationsausgleich + Wertzuwachs.
    Dies inklusive der Rezession nach der Wiederverinigung 1992, der Rezession nach der Jahrtausenwende, sowie der Rezession vor einigen Jahren.

    Welche andere Anlage kann dies leisten?

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