Film

THE WOLF OF WALL STREET

THE WOLF OF WALL STREET

Der auf düstere Gangsterballaden spezialisierte Meisterregisseur Martin Scorsese inszeniert mit seinem neuesten Werk „The Wolf of Wall Street“ eine hemmungslose Satire, einen Mega-Exzess böser Börsianer, die sich in einem fort schamlos an Geld, Drogen und Sex vergreifen. In der Hauptrolle glänzt ein total entfesselter Leonardo DiCaprio als Broker-Häuptling im Dauerrausch. Er ist der Wolf von der Wall Street in einer heiteren bis brüllend komischen Spekulanten-Parodie, die ab 16. Januar in die Kinos kommt.

 

Geil und gewissenlos ist dieser Börsenmakler Jordan Belfort (Leonardo DiCaprio), der mit nur 26 Jahren Anfang der 90er mit seiner eigenen Firma rund 50 Millionen Dollar im Jahr scheffelt. Sollten sein Heer von Angestellten irgendwelche Skrupel überkommen, wenn sie dem kleinen Mittelstand das Geld aus der Tasche lügen, dann peitscht Belfort – unterstützt von einem bunten Drogencocktail – seinen Leuten mit geradezu hysterischem Feuereifer die rechte bzw. unrechte Gesinnung wieder ein.

 

Derart scharf gemacht stürzen sich seine Broker bei Börsenbeginn wie brunftige Tiere auf die Telefone, um Beute zu machen. Am Ende eines erfolgreichen Tages lässt Belfort sich nicht lumpen und spendiert sich und seiner Mannschaft eine Super- Sause, alles was es mit Geld zu kaufen gibt: Pillen, perlenden Champagner und Prostituierte, bis der Arzt kommt. Und dessen Penicillin-Einheiten sind auch durchaus nötig, damit Belfort bei seiner zweiten Eheschließung dem fleischgewordenen Männertraum Naomi (Margot Robbie) in der Hochzeitsnacht keine Syphilis anhängt.
Martin Scorsese macht gleich zu Beginn seiner Farce klar, wessen Geistes Kinder Jordan Belfort und sein innerer Zirkel sind: Zunächst sehen wir den neuen Werbespot seiner Firma Stratton Oakmont, in dem ein aufrechter Jordan Belfort seine Ehrenhaftigkeit und Seriosität unterstreicht, und schon in der nächsten Szene können wir ihn mit seinen Kollegen beim „Zwergenwerfen“ beobachten. Tatsächlich schleudert die Chefetage zur Zerstreuung Kleinwüchsige gegen eine Zielscheibe.

 

Scorsese zeigt eine würdelose Bande dauerbekokster Wall Street-Zocker im Schlaraffenland für dekadente Milliardäre – eine hübsche, aber hohle Hochglanzvorhölle, in der sich niemals Katerstimmung einstellt, da das Reservoire an Drogen unendlich zu sein scheint. Da verpassen sich Belfort und sein Kumpel und Kollege Donnie (Jonah Hill) auch schon einmal eine Überdosis, sodass es sie komplett aus den Schuhen haut. Die Posse, die Leonardo DiCaprio als zugedröhnter Jordan Belfort aufführt um wieder auf die Füße zu kommen, da er mit seinem letzten bisschen klaren Verstandes mitbekommen hat, dass seine Telefone vom FBI abgehört werden – an denen Donnie gerade munter Geschäftsinterna ausplaudert – ist umwerfend komisch und eine schauspielerische Höchstleistung! 

 

Habgier gepaart mit krimineller Energie, ein paar dumme Zufälle und der wackere FBI-Agent Patrick Denham (Kyle Chandler) bringen Belfort zu Fall und durch dessen Kooperation nur drei Jahre in den Knast. Dort ist das Leben für jemanden mit viel Geld durchaus behaglich. Überhaupt lässt Scorsese keinen Zweifel daran, dass Ehrlichkeit womöglich länger währt, aber deutlich weniger Spaß macht.
Denn am Ende dieses Hollywood-Films steht Jordan Belfort – der Echte, dessen gleichnamige Autobiografie dem Film zugrunde liegt – wieder im Rampenlicht auf der Bühne und kündigt sich selbst, den Motivationstrainer Jordan Belfort an, den Leonardo DiCaprio so oscarreif verkörpert. Einen Golden Globe hat er sich mit der Rolle bereits verdient.

Der redliche FBI-Agent aber fährt in einer schmutzigen U-Bahn nach Hause und findet zum Dank für seine jahrelange Plackerei eine winzige Meldung über den Belfort-Prozess in einer abgegriffenen Zeitung.

Die 90er Jahre – eine Goldgrube für Arschlöcher. Zeit und Protz seiner Protagonisten lässt Scorsese in üppigen Bildern in seinem grandios besetzten und aberwitzig unterhaltsamen Biopic wieder auferstehen.

Kinostart: 16. Januar 2014; Regie:
Martin Scorsese; FSK: ab 16 Jahren; Länge: 179 Minuten; Verleih: Universal Pictures International Germany; Link: the-wolf-of-wall-street.de

Der Wolf von der Wall Street – Der Mann hinter der Geschichte
Der Name Jordan Belfort steht heute synonym für einen der spektakulärsten Betrugsskandale, den die New Yorker Wall Street in ihrer Geschichte je gesehen hat. Für Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio mehr als genug Stoff, um daraus einen spannenden Kinofilm zu machen.Aber wie kam der echte „Wolf von der Wall Street“ zu seinem Spitznamen? Wie wurde er geschnappt? Und was macht er heute?

Sein „Talent“ für Finanzgeschäfte war Jordan Belfort gewissermaßen schon in die Wiege gelegt worden, als er 1962 als Kind zweier Buchhalter in New York geboren wurde. Nachdem er seine Karriere als normaler Börsenmakler begonnen hatte, strebte er schon bald nach Höherem. Er wollte das ganz große Geld machen, sich nicht mit Peanuts begnügen. Zum Verhängnis sollte ihm später jedoch werden, dass er es mit der Ehrlichkeit von Anfang an nicht so wirklich genau nahm…

Ende der 1980er gründete Belfort mit einem Freund die auf außerbörslichen Handel spezialisierte Maklerfirma Stratton Oakmont, welche innerhalb kurzer Zeit zur einem der größten und einflussreichsten Player in der Finanzwelt avancierte. Stratton Oakmont betreute die Börsengänge von über 35 Unternehmen – zu den bekanntesten zählte die Schuhfirma Steve Madden Ltd. – und beschäftigte in ihrer Blütezeit mehr als 1.000 Börsenmakler. Doch Belforts Firma bediente sich zunehmend illegaler Geschäftpraktiken und Betrügereien. Unter den Mitarbeiten entstand derweil ein absurder Wettbewerb um schnelles Geldverdienen und ebenso schnelles Verprassen ihres privaten Reichtums.

In den besten Zeiten verdiente Belfort fast eine Million Dollar – pro Woche! Das Raubtierhafte dieser rasanten Geldvermehrung bescherte ihm den Spitznamen „Wolf von der Wall Street“. Mit 26 Jahren hatte er es bereits zum Multimillionär gebracht und einen extrem ausschweifenden Lebensstil inklusive einer handfesten Drogenabhängigkeit entwickelt. Partys, Autos, Yachten, Frauen bestimmten zu dieser Zeit sein Leben. Jedoch verdichteten sich die Anzeichen, dass diese paradiesischen Zustände nicht für immer andauern würden. Nach Beschwerden früherer Kunden wurden Belforts Geschäfte im Jahr 1994 von der US-Börsenaufsicht untersucht. Was man dabei herausfand, war offenkundig mehr als genug, um dem „Wolf“ ein lebenslanges Verbot für den Handel mit Wertpapieren auszusprechen. Seine Firma bekam (unter neuer Führung) strenge Auflagen für die weitere Geschäftstätigkeit, welche sie danach allerdings nicht mehr allzu lange aufrechterhielt.

1998 wurde Belfort aufgrund seiner kriminellen Geschäfte schließlich vom FBI verhaftet und wegen Wertpapierbetrugs und Geldwäsche vor Gericht gestellt. Seine letztliche Strafe belief sich auf 4 Jahre Gefängnis, von denen er jedoch nur 22 Monate absitzen musste. Zudem wurde er dazu verurteilt, mehr als 100 Millionen Dollar an die über 1.500 von ihm geschädigten Kunden zurückzuzahlen.

Heute arbeitet Belfort als Motivationscoach mit einem Stundenlohn von geschätzten 30.000 Dollar und hat zwei Bücher über sein bewegtes Leben verfasst, die weltweit in 40 Ländern veröffentlicht wurden.

 

 

Kommentare anzeigen (1)

1 Kommentar

  1. Pingback: Kinotipp: Alles eine Frage der Zeit | Absolut Familie

Hinterlassen Sie eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Mehr in Film

„Nellys Abenteuer“ fürs Heimkino

Barbara Leuschner17. März 2017

Kinotipp: MOONLIGHT

Barbara Leuschner9. März 2017

Musical-Abenteuer „Trolls“ fürs Heimkino

Barbara Leuschner7. März 2017

Disney Junior Mitmach-Kino am 5. März!

Barbara Leuschner2. März 2017

Andreas Bourani zu seiner Rolle in Disneys „Vaiana“

Thomas Meins23. Dezember 2016

Kinotipp: FINDET DORIE

Barbara Leuschner29. September 2016

Kino-Tipp: TSCHICK

Thomas Meins15. September 2016

Kinotipp: ELLIOT, DER DRACHE

Thomas Meins25. August 2016

Exklusiver Clip zu CONNI & CO

Thomas Meins2. August 2016

Kinotipp: GHOSTBUSTERS

Thomas Meins1. August 2016