Familienleben

Kaffeekultur

Kaffeekultur

KaffeekulturNicht Wasser, nicht Wein, nicht Bier: Kaffee ist das Lieblingsgetränk der Deutschen. Rund 86 % der Erwachsenen trinken laut Deutschem Kaffeeverband täglich oder mehrmals wöchentlich Kaffee. Mit 149 Litern pro Jahr steht er in der Beliebtheitsskala noch vor Wasser (137 Liter) und Bier (105 Liter). Und mit 6,4 kg Rohkaffee pro Person stehen wir Deutschen im internationalen Vergleich noch vor Italien auf Platz 7. Hier führt Finnland die Top 10 an mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von sagenhaften 12 kg, Österreich belegt Platz 2 mit 9,1 kg und die Schweiz landet mit 7,9 kg schließlich auf Platz 5.

 

Kaffeetrends in Deutschland
Kaffeekultur_Severin Piccola ClassicaIn unserer schnelllebigen Zeit legen wir großen Wert auf eine unkomplizierte und schnelle Zubereitung – daher ist die Kaffeezubereitung mit Einzelportionen inzwischen besonders beliebt (+16 % bei Kapseln, +2,8 % bei Pads in 2012). Frische und Qualität sind dem deutschen Kaffeetrinker ebenfalls sehr wichtig: Immerhin liegen auch ganze Kaffeebohnen, die vor der Zubereitung frisch gemahlen werden, wieder mehr im Trend (+12 % in 2012). Viele Privathaushalte leisten sich inzwischen einen Vollautomaten, der auf Knopfdruck mit frisch gemahlenen Bohnen Kaffeespezialitäten wie in der Gastronomie zaubert. Auch Fairtrade-Produkte und löslicher Kaffee erfreuen sich wachsender Beliebtheit, hier vor allem Einzelportionen-Mischungen mit Kaffee, Milchpulver und Zucker.

Legenden und Geschichten zum Kaffee
Einer Legende nach entdeckte ein übermüdeter Ziegenhirte in Äthiopien um 700 nach Christus die anregenden Eigenschaften des Kaffees, als er beobachtete, wie seine nächtlich überaktiven Tiere rote Beeren fraßen. Er brachte die Bohnen in ein Kloster, wo sie die Mönche mit heißem Wasser übergossen. Das Ergebnis schmeckte nicht besonders gut und so warfen sie es ins Feuer. Hier verbreitete sich durch das Abbrennen der Bohnen ein so angenehmes Aroma, dass die Mönche das Getränk nochmals mit gerösteten Bohnen zubereiteten.

Kaffeekultur3Eine andere Legende besagt, dass die Nomadenstämme im Hochland von Äthiopien als erste die grünen Bohnen des Kaffeestrauchs kauten. Bereits im Jahr 1015 erkannte der persische Arzt und Philosoph Ibn Sina die stimulierenden Eigenschaften des Kaffees. Im 12. und 13. Jahrhundert wurden die aus Äthiopien stammenden Bohnen als Heilmittel eingesetzt.

Im 18. Jahrhundert konnte man in Europa anhand der Art des Kaffeetrinkens erkennen, welcher Gesellschaftsschicht der Konsument angehörte: Bauern und Arbeiter konnten sich gar kein Kaffeegedeck leisten und tranken ihr Frühstücksgetränk aus dem Suppenteller. Der Adel hingegen hatte Angst um seine temperaturempfindliche Schminke und trank den Kaffee aus der Untertasse, weil er so schneller abkühlte.

Die Entdeckung des Koffeins geht laut Legende auf Johann Wolfgang von Goethe zurück. Er brachte seinen Freund, den Chemiker Friedlieb Ferdinand Runge, auf die Idee, die Bohnen zu destillieren. Dieser entdeckte daraufhin den Stoff, der dem Kaffee seine unnachahmliche Kraft verleiht.

Schwedens König Gustav III. wollte gegen Ende des 18. Jahrhunderts beweisen, dass Kaffee giftig und Tee viel gesünder sei. Zwei zum Tode verurteilte Verbrecher mussten daher jeden Tag Kaffee bzw. Tee trinken. Man ging davon aus, dass der Kaffeetrinker bald sterben, der Teetrinker hingegen sehr alt werden würde. Doch beide überlebten den Test und auch den König. Am Ende war es der Teetrinkende, der zuerst starb: mit 83 Jahren. Der Kaffeetrinker wurde noch viel älter.

Kaffeevielfalt für individuellen Kaffeegenuss
Kaffeekultur1Beim entspannten Besuch eines schönen Cafés kann es leicht passieren, dass man etwas ratlos in die Karte schaut, da das Angebot an Kaffeespezialitäten den unerfahrenen Café-Besucher gelegentlich überfordert. Dieser hat die Qual der Wahl – und vor allem möchte er wissen, worin sich die verschiedenen Zubereitungsarten denn unterscheiden…

Milchkaffee
Der Deutschen liebstes Heißgetränk hat als Basis normalen Filterkaffee, der mit genauso viel Milch gemischt wird. Einfach, aber lecker…In deutschen Cafés wird er oft in riesigen Tassen serviert, wohingegen die Franzosen ihren Café au lait eher in kleinen Tässchen trinken. Bestellt man in Italien einen Caffè Latte, erhält man einen doppelten Espresso mit reichlich heiß aufgeschäumter Milch. Auch die Spanier trinken ihren Café con leche mit (einem doppelten) Espresso und ebenso viel Milch.

Cappuccino – für Italiener nur am Morgen zu genießen
Ein klassischer Cappuccino besteht zu gleichen Teilen (je ca. 30 ml) aus Espresso, Milch und Milchschaum und wird aus einer speziellen Cappuccinotasse getrunken.
Wer in Italien nach dem Mittagessen einen Cappuccino bestellt, outet sich übrigens ganz schnell als Tourist, denn hier gilt er aufgrund der vielen Milch als Frühstücksgetränk. Ab dem Mittagessen nehmen die Italiener Kaffee nur noch zu sich, um Mahlzeiten besser und schneller zu verdauen – dafür eignet sich ein Espresso sehr viel besser.
In Italien bekommt man außerdem noch folgende Variationen des Frühstücksgetränks: cappuccino senza fiuma (ohne aufgeschäumte Milch), cappuccino chiaro („leichter“, mit weniger Espresso und mehr Milch) und cappuccino scuro („dunkler“ Cappuccino = mehr Espresso, weniger Milch).

Latte Macchiato – nur für Kinder?
Da ein Latte Macchiato sehr viel Milch und nur wenig Espresso enthält, war er ursprünglich nur für Kinder gedacht. In Italien wird er zubereitet, indem in ein großes Glas mit Milch einfach etwas Espresso hineingeschüttet wird (daher auch der Name „Latte macchiato“ = gefleckte Milch). Nördlich der Alpen kennt man die Schicht-Version in einem hohen, schmalen Glas mit Milch, festem Milchschaum und Espresso. Aufgrund ihres unterschiedlichen Gewichts mischen sie sich nicht und bilden den typischen Latte Macchiato-Look. Er entsteht dadurch, dass der Espresso heißer ist als die Milch, aber schwerer als der Milchschaum. So kann er sich zwischen den Milchschichten absetzen.
Auch hier gilt: Latte Macchiato wird in Italien weder vor noch nach dem Essen getrunken, sondern als Frühstücks- oder zwischendurch als Pausengetränk.

Kaffeekultur2Espressovarianten – heiß & kräftig
Espresso: 7g Kaffee und 25 ml Wasser – das ist das Geheimnis eines perfekten Espresso. In Italien wird Espresso einfach als caffè bezeichnet.
Espresso Lungo: doppelte Wassermenge und längere Brühzeit bei gleicher Kaffeemenge.
Espresso Ristretto: 7 g Kaffee auf nur 15 ml Wasser – stark und aromatisch.
Espresso Doppio: Doppelte Dosis Espresso und doppelte Wassermenge, serviert in einer Cappuccino-Tasse.
Espresso Corretto: mit einem Schuss Grappa oder Likör.
Espresso Macchiato: mit einem kleinen Schluck Milch oder Milchschaum.
Espresso Marocchino wird in Glastassen serviert. Auf den normalen Espresso wird Kakaopulver gestäubt, dann wird Sahne darauf gegeben und diese wieder mit Kakaopulver bedeckt.
Espresso Marocchino Bicerin wird wie oben zubereitet, doch auf dem Boden der Glastasse befindet sich zusätzlich geschmolzene Schokolade.
Caffè Moca: je ein Drittel Espresso, gekochte Milch und Kakao.
Caffè americano: Der Espresso wird (in der Tasse) mit derselben Menge Wasser verlängert (schmeckt ähnlich wie Filterkaffee).
Caffè freddo: stark gesüßter, gekühlter und mit Wasser verlängerter Espresso, perfekt für den Sommer.
Sospenso: eine italienische Kaffeebesonderheit, die es noch nicht nach Deutschland geschafft hat. Der Sospenso (= „Aufgehobener“) ist ein Espresso für den guten Zweck und eine alte neapolitanische Tradition: Derjenige, dem es gut geht, bestellt einen Sospenso, das heißt, er bekommt einen Espresso, bezahlt aber zwei! Arme Leute, die am Tresen nach einem „Aufgehobenen“ fragen, können so ihren Espresso kostenlos trinken.

Interview mit Meister-Barista Nana Holthaus-Vehse

Frau Holthaus-Vehse, in welcher Form genießen Sie als Barista Ihren Kaffee am liebsten?
Kaffeekultur_Nana Holthaus-VehseFrau Nana Holthaus-Vehse: „Für mich gibt es Kaffee nicht nur in einer Zubereitungsmethode, sondern die Vielfalt macht den Unterschied: So beginne ich den Tag meistens mit einem leckeren, cremigen Cappuccino. Nach dem Mittagessen gönne ich mir dann gerne mal einen einfachen oder doppelten Espresso und am Nachmittag bereite ich mir, wenn es die Zeit zulässt, auch liebend gerne mal einen frisch gebrühten Filterkaffee zu. Gehe ich abends essen, würde ich mich natürlich immer auf einen guten Espresso freuen, nur bestelle ich diesen sehr selten, da er oft nicht schmeckt, weil er eben nicht gut zubereitet wurde.“

Mit welcher Maschine bereiten Sie diesen zu?
Frau Nana Holthaus-Vehse: „Espresso als Grundlage, auch für Cappuccino und Latte Macchiato, bereite ich in einer professionellen Siebträger-Maschine mit einer hochwertigen Mühle zu. Den Filterkaffee brühe ich mir gerne von Hand mit einem Papierfilter entweder in einer Hario V60, Chemex oder auch mal in einer Aeropress.“

Gibt es Tricks, wie man aus einer gewöhnlichen Kaffeemaschine das Beste rausholen kann?
Frau Nana Holthaus-Vehse: „Das wohl Wichtigste ist ein GUTER Kaffee, spare ich dort, kann auch die beste Maschine nichts herausholen, was es nicht gibt. Dann sollte der Kaffee frisch gemahlen sein und nicht zu alt, das Wasser sollte nicht zu heiß sein, ca. 88-96°C, neutral und weder zu hart noch zu weich. Grundsätzlich muss ich verschiedene Kaffees ausprobieren, um zu wissen, welche Geschmacksrichtung mir eigentlich zusagt, denn die Vielfalt, wie Kaffee schmecken kann, ist nahezu unendlich groß.“

Muss ich das Wasser filtern?
Frau Nana Holthaus-Vehse: „Das Wasser spielt eine sehr entscheidende Rolle in der Kaffeezubereitung: Bis zu 98 % der Tasse Kaffee ist Wasser – und Wasser kann sehr unterschiedlich sein, sowohl von seiner Zusammensetzung wie auch von seinem Geschmack, es verändert möglicherweise den bekann-ten Kaffeegeschmack fast zur Unkenntlichkeit des Kaffees, den man gewohnt ist. Härtegrad, pH-Wert, Chlor und Sulfate sind nur ein Teil, der sich auf den Geschmack des Kaffees auswirkt, nicht zu vergessen das Verkalken der Maschinen, die ihren Dienst bei Verkalkung ebenfalls nicht mehr richtig verrichten können.“

Wie viel Geld muss ich in eine Kaffeemaschine investieren, um guten Kaffee zu erhalten?
Frau Nana Holthaus-Vehse: „Das ist eine schwierige Frage, denn nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Aber um eine gute Tasse Filterkaffee zu produzieren, benötige ich in erster Linie eine gute Mühle, einen Papierfilter, dessen Halter, einen Heißwasserkocher und das Wissen, wie ich alles zusammenbringe: Die hochwertigste Technik hilft mir nicht, wenn ich am Kaffee spare.“

Was halten Sie von Kapsel- oder Padmaschinen?
Frau Nana Holthaus-Vehse: „Als Barista kommt das für mich natürlich nicht in Frage, jedoch verstehe ich viele Verbraucher, die sich mit Kapseln oder Pads schnell und bequem EINEN oder ZWEI Kaffees zubereiten. Da gibt es in der Qualität bestimmt noch einmal große Unterschiede, Fakt ist jedoch: Mit jeder Kapsel kaufe ich auch ein Stück Wissen mit, worüber sich Experten Gedanken gemacht haben, welche Kaffees verarbeitet werden, in welcher Qualität, in welcher Menge, mit welchem Mahlgrad, um dem Endverbraucher möglichst viel abzunehmen. Das ist eben bequem und ich muss mich nicht damit beschäftigen. Will ich aber etwas Besonderes, etwas nur für mich, etwas mit einer Geschichte, ein exklusives Erlebnis oder die Vielfalt, muss ich mich selber mit der kleinen Wissenschaft Kaffee auseinandersetzen und es lässt einen dann bestimmt auch nicht mehr los. Schnell und bequem ist dies am Anfang erst einmal nicht, so lange bis man seinen Geschmack, seinen Kaffee und seine Zubereitung gefunden hat. Aber dann kommt eben der volle Genuss.“

Was ist Ihr Geheimnis für den perfekten Milchschaum?
Frau Nana Holthaus-Vehse: „Grundsätzlich sollte der Milchschaum feinporig, cremig und seidig glänzend sein, denn dann empfinden wir jedes damit zubereitete Getränk als besonders gehaltvoll und angenehm. Für welche Milch ich mich entscheide, hängt etwas von meinen Vorzügen ab, im Grunde lässt sich jede handelsübliche Milch schäumen – egal ob ich Frischmilch, H-Milch, laktosefreie Milch, Sojamilch und sogar Ziegenmilch verwende. Der eigene Geschmack und wie ich die Milch lagern kann, spielen da eine wichtige Rolle. Vollmilch macht, wenn man gut schäumt, eine etwas feinporigere Milch als fettarme Milch, fettarme Milch erzeugt hingegen etwas mehr Volumen. Ist der Eiweißgehalt jedoch zu niedrig, fällt die Milch schnell wieder in sich zusammen und produziert somit keinen schönen, beständigen Schaum. Wichtig für eine gute Milchschaumqualität ist, die Anleitung der Hersteller zu beachten: Habe ich einen Vollautomaten, sollte ich diesem auch immer die gleiche Ausgangssituation liefern. Hygiene ist in der Milchschaumzubereitung dabei äußerst wichtig und unter keinen Umständen zu vernachlässigen.“

Und zu guter Letzt: Welche ist Ihre Lieblingsbohne bzw. Bohnenmischung?
Frau Nana Holthaus-Vehse: „Es gibt verschiedene Bohnensorten, die ich bevorzuge. Momentan ist es ein gewaschener Kaffee aus den Hochlagen Perus, von kleinsten Farmen, die ich selber besucht habe, aber letzte Woche hatte ich auch das Vergnügen, fruchtige Kaffees aus Äthiopien und Panama zu trinken. Ich bin immer auf der Suche nach spannenden Geschichten, die sich hinter Kaffee verbergen, denn das ist das Exotische bei Kaffee: Die Welt und die Länder nach Hause zu holen, in die man nicht mal so eben reisen kann. Es kann aber auch gerne eine klassische Espressomischung sein, so wie sie in Norditalien getrunken wird – dann ist es eben mal Italien, auch wenn sie dort keinen Kaffee anbauen.“

Quelle: Deutscher Kaffeeverband, livingpress.de
Fotos 1,3,4+5: Pixabay.com
Fotos 2+6: Livingpress

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3 Comments

  1. Pingback: Gewinnspiel: Eine Tee-Geschichte mit viel Herzblut | Absolut Familie

  2. Pingback: Leckere Kaffeevariationen einfach zaubern | Absolut Familie

  3. Sascha

    8. Februar 2014 in 12:28

    Vielleicht bin ich ja altmodisch aber ich bevorzuge den Kaffee nach wie vor klassisch, aus der Kanne.
    Mit Kaffee aus Kapseln oder Pads kann ich nicht’s anfangen. Er schmeckt mir nicht, die Portionen sind zu klein (ich brauche für eine Tasse 2 Kapseln mindestens) und der Müll der dabei entsteht, nervt.

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