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ZAYTOUN – GEBORENE FEINDE – ECHTE FREUNDE

ZAYTOUN – GEBORENE FEINDE – ECHTE FREUNDE

Für den einen ist es Palästina, für den anderen Israel. Doch beide nennen dasselbe Land ihre Heimat: „Zaytoun“ (Kinostart 14. November) erzählt mit Feingefühl, starken Emotionen und faszinierender Bildsprache die Geschichte einer besonderen Freundschaft – ein Lichtblick in einem ausweglos scheinenden Konflikt. 

 

Beirut 1982. In der libanesischen Hauptstadt tobt der Bürgerkrieg. Die PLO schießt Raketen auf Israel ab, die israelische Armee rüstet zur Invasion. Für den 12-jährigen Fahed (Abdallah El Akal), der mit seinem Vater und seinem Großvater in einem Camp für palästinensische Flüchtlinge lebt, ist der Ausnahmezustand Alltag – und auch ein bisschen Abenteuer. Fahed pfeift auf die Schule, verkauft auf der Straße Kaugummi und Zigaretten an Soldaten und legt sich mit den libanesischen Jugendbanden an, die das Revier für sich beanspruchen.

Die PLO versucht, Fahed und seine Freunde für den bewaffneten Freiheitskampf zu rekrutieren. Doch die Jungs spielen viel lieber Fußball – selbst wenn die kaputten Fenster eines ausgebrannten Autos als Tor herhalten müssen. Als Faheds Vater bei einem Bombenangriff ums Leben kommt, begreift der Junge schlagartig, dass er in diesem Land, das nicht seine Heimat ist, ganz auf sich allein gestellt ist.

Bei dem Anschlag ist ein Pilot der israelischen Luftwaffe über Beirut abgestürzt und wird von den Soldaten der PLO gefangengenommen. Fahed hat von klein auf gelernt, alle Israelis zu hassen. Sein ganzer Zorn und seine Verzweiflung richten sich nun gegen den Kampfpiloten Yoni (Stephen Dorff), der den Beschimpfungen und Drangsalierungen in seiner Zelle hilflos ausgeliefert ist.

 

Die Entscheidung, zu der Fahed sich schließlich durchringt, kostet ihn einige Überwindung: Yoni ist seine einzige Chance, sich durchs Kriegsgebiet bis nach Israel durchzuschlagen. Wie oft hat sein Großvater von dem idyllischen Dorf erzählt, das sein Zuhause war, als Israel noch Palästina hieß. Fahed will endlich das Land seiner Familie kennen lernen und dort den Olivenbaum einpflanzen, den sein Vater die ganze Zeit liebevoll gehegt hat – ein letztes Stück Heimat in der Fremde. Er befreit Yoni aus seiner Zelle, aber die Handschellen bleiben dran.

Yoni ist von dem wilden Plan wenig begeistert. Aber ihm bleibt nichts anderes übrig, als seinen renitenten Fluchthelfer mitzunehmen – der absurderweise auch noch eine Topfpflanze mitschleppt.
So beginnt eine riskante Odyssee durch den Libanon, wo jeder, dem das ungleiche Duo begegnet, ein potenzieller Feind ist. Im Taxi eines schlitzohrigen Bee-Gees-Fans, in einem gestohlenen Armee-Jeep, zu Fuß und auf einem herrenlosen Esel, an syrischen Besatzungslinien, libanesischen und palästinensischen Soldaten vorbei gelangen Yoni und Fahed tatsächlich bis zur israelischen Grenze. Und haben längst erkannt, dass sie viel mehr verbindet, als sie für möglich gehalten hätten. Aus Feinden sind Freunde geworden. Doch der israelische Grenzschutz will den Flüchtling Fahed direkt nach Beirut zurückschicken…

 

„Zaytoun“ ist das arabische Wort für Olive, der Ölzweig ein Zeichen des Friedens. „Zaytoun“ ist kein politischer Film. Das Drama nähert sich seiner durchaus explosiven Thematik mit Feingefühl, verzichtet auf plakative Parolen und konzentriert sich stattdessen auf eine ungewöhnliche Freundschaft, die nicht nur Landesgrenzen, sondern auch die Barrieren in den Köpfen überwindet. Das Vertrauen, das zwischen dem heimatlosen Jungen aus Palästina und dem israelischen Piloten, der für sein Land kämpft, wächst, ist genauso zerbrechlich wie der Traum vom Frieden. Aber jeder noch so kleine Schritt, der sie einander näher bringt, zählt.

Auch wenn „Zaytoun“ vor dem Hintergrund realer Ereignisse spielt, ging es nie darum, sie minuziös wiederzugeben. Aber der Krieg zwischen dem Libanon und Israel ist allgegenwärtig: in den ausgebombten Panzern, in der Ärmlichkeit des Flüchtlingslagers, das Fahed und seine Freunde Zuhause nennen, und in den komplizierten Beziehungen der Charaktere, insbesondere zwischen Yoni und Fahed. Wie Faheds Zukunft aussieht, bleibt offen – auch wenn „Zaytoun“ bittersüß und durchaus hoffnungsvoll endet.

Kinostart: 14. November 2013; Regie: Eran Riklis; FSK: ab 12 Jahren; Länge: 110 Minuten; Verleih: Senator; Link: zaytoun.senator.de

 

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