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INSIDE WIKILEAKS – DIE FÜNFTE GEWALT

INSIDE WIKILEAKS – DIE FÜNFTE GEWALT

Inside WikiLeaks 12010 wurde über die Internet-Plattform WikiLeaks ein ganzer Haufen streng geheimer Unterlagen der US-Regierung publiziert. Hinter der Website steckte Julian Assange, der sich dem Aufdecken korrupter Strukturen und großer Staatsgeheimnisse verschrieben hat. „Inside WikiLeaks“ erzählt die spannende Geschichte hinter der Whistleblower-Plattform – ab 31. Oktober im Kino. 

 

Inside WikiLeaks 2In Berlin trifft der visionäre Computer-Freak Julian Assange (Benedict Cumberbatch) auf den Hobby-Hacker Daniel Domscheit-Berg (Daniel Brühl). Julian, der die Plattform WikiLeaks ins Leben gerufen hat, nimmt Daniel in sein Team auf. WikiLeaks hat sich dem Schutz von Whistleblowern verschrieben, die Staatsgeheimnisse und andere politisch brisante Informationen enthüllen. Das Team hinter der Website besteht, wie Daniel bald feststellen muss, einzig aus Julian. Der ist von seiner Idee so überzeugt, dass er seine Zeit nichts anderem mehr widmet.

Mit der Veröffentlichung streng geheimer Dokumente der US-Geheimdienste 2010 spitzt sich die Lage zu. Die Regierung der USA ist alles andere als erfreut über die Aktivitäten von WikiLeaks, und so müssen Julian und Daniel sich bald fortwährend außerhalb des Beobachtungsradars bewegen – Agenten heften sich an ihre Fersen.
Auch innerhalb des WikiLeaks-Teams kommt es zu Spannungen: während Daniel die in den Geheimdokumenten genannten Informanten schützen will, kennt Julian bei seinem Vorhaben, alle Dokumente unredigiert zu veröffentlichen, keine Kompromisse. Gleichzeitig stehen die Online-Aktivisten immer mehr im Blickfeld der Öffentlichkeit. Vor allem um Julian werden bald einige Geschichten gesponnen. Ist der stille weißblonde Typ ein Genie, Journalist oder schlicht rücksichtslos?

Inside WikiLeaks 3

Trotz der zugegebenermaßen komplizierten Materie – nicht jeder kann von sich behaupten, sich mit Codes und verschlüsselten Telefonaten auszukennen – gelingt es Regisseur Bill Condon, die Geschichte hinter WikiLeaks verständlich zu machen. So sind auch die Szenen, in denen für den Laien zusammenhanglose Zahlen, Buchstaben und Code-Schnippsel in den Computer getippt werden, nie langweilig.

Ein Übriges tut Benedict Cumberbatch („Dame, König, As, Spion„)in der Rolle des WikiLeaks-Gründers Assange. Der Brite mimt den eigensinnigen Assange brillant – das bestätigen übrigens auch Journalisten, die selbst mit Assange gearbeitet haben. In Nebenrollen tauchen unter anderem Moritz Bleibtreu und Stanley Tucci auf – alles in allem ein gelungener Cast. Das Drehbuch von Josh Singer basiert auf den beiden viel beachteten Büchern “Inside WikiLeaks: Meine Zeit bei der gefährlichsten Website der Welt” von Daniel Domscheit-Berg sowie “WikiLeaks: Inside Julian Assange’s War on Secrecy” von David Leigh und Luke Harding.
Trotz der Länge des Films verführt „Inside WikiLeaks – die fünfte Gewalt“ nicht zum Einschlafen. Wer sich vorher nicht sonderlich für den Wirbel um geheime Akten und Whistleblower interessiert, wird hier zumindest für zwei Stunden von der Spannung gepackt.

Fazit: Ein informativer Thriller mit Entertainment-Faktor, der im Kino-Programm hervorsticht.

Zur Info hier noch einmal eine Zusammenfassung von einigen der wichtigsten Enthüllungen der Whistleblowing-Plattform:

2002-2008: Die Geheimakte Guantanamo
WikiLeaks veröffentlicht geheime Dokumente aus dem US-Straflager Guantanamo, die die Jahre 2002 bis 2008 abdecken. Aus den Unterlagen geht die prekäre Lage der Häftlinge hervor. Die Enthüllungen geben Einblick in ein umstrittenes System und legen Details über die einzelnen Häftlinge offen. Aus den Dokumenten wird deutlich, wie leichtsinnig das Militär mit Fakten umgeht. Es ist auch ersichtlich, dass die Gewinnung geheimdienstlicher Informationen eine wesentliche, wenn nicht vorrangige Rolle spielt.

2008: Scientology
2008 werden die gesammelten Scientology-Dokumente auf WikiLeaks publiziert. Diese beschreiben fragwürdige Praktiken und interne Details der äußerst umstrittenen Glaubensgemeinschaft. Es werden Organisationsstrukturen und die strenge Hierarchie der Sekte offengelegt. Besonders schwerwiegend für die Scientology-Funktionäre ist vor allem, dass auch originale Audio- und Videoaufnahmen von Gründer L. Ron Hubbard veröffentlicht werden. Die Enthüllungen veranlassen Scientology, WikiLeaks in einem Brief anzugreifen und die sofortige Entfernung aller Dokumente zu fordern. Bis heute verfügt die Plattform jedoch über die größte Sammlung an Aufzeichnungen der Scientology-Kirche, die öffentlich zugänglich ist.

2010: Kriegstagebücher
Die Veröffentlichung von Kriegstagebüchern aus dem Afghanistan- und Irak-Krieg ist aus militärischer Sicht eine der spektakulärsten Enthüllungen, die es in der heutigen Zeit über Kriegsinterna gibt. Aus dem Afghanistan-Krieg wurden bislang 76.911 Dokumente auf WikiLeaks bereitgestellt, die zeitgleich von renommierten Medien wie dem Guardian, der New York Times und dem Spiegel verbreitet und analysiert wurden. Die Publikationen der Dokumente aus dem Irak-Krieg sind die größte Veröffentlichung von militärischen Dokumenten in der Geschichte der Vereinigten Staaten und belegen zahlreiche Zivilistenmorde seitens der westlichen Großmacht.

2010: Cablegate
Der Cablegate-Skandal rund um die Veröffentlichungen von Depeschen US-Amerikanischer Botschaften zählt wohl zu den spektakulärsten Fällen, die es rund um die Enthüllungsplattform gegeben hat. Die Depeschen beinhalten Berichte der 274 amerikanischen Botschaften weltweit vom Zeitraum 1966 bis 2010. In den Depeschen stehen neben Ausführungen über aktuelle Tagespolitik auch eindeutige, teilweise beleidigende Äußerungen und Einschätzungen zu internationalen Politikern sowie den jeweiligen Botschaften. In diesen Depeschen wird zum ersten Mal der Begriff „Teflon-Merkel“ verwendet, der deutsche Außenminister Guido Westerwelle wird als eitel betitelt und CDU-Politiker Seehofer als unberechenbar eingestuft.

Die Enthüllungen haben sowohl für großes Medieninteresse als auch massive Verstimmung bei den betroffenen Staaten und Institutionen gesorgt. Der Wahrheit und Transparenz haben die Whistleblower einen großen Dienst erwiesen. Der WikiLeaks-Informant, US-Datenanalyst und Whistleblower Bradley Manning beispielsweise, hat hierfür allerdings auch einen hohen Preis gezahlt – wurde er unlängst doch zu 35 Jahren Haft im amerikanischen Gefängnis verurteilt. Umso wichtiger ist es, sich die Arbeit der Whistleblower immer wieder ins Bewusstsein zu rufen. Wer die spannenden und vor allem brandaktuellen Ereignisse rund um die WikiLeaks-Enthüllungen en Detail nachverfolgen möchte, darf deshalb „Inside WikiLeaks – Die fünfte Gewalt“ ab dem 31. Oktober im Kino nicht verpassen.

Inside WikiLeaks PosterKinostart: 31. Oktober 2013; Regie: Bill Condon; FSK: ab 12 Jahren; Länge: 128 Minuten; Verleih: Constantin Film; Link: inside-wikileaks.de

 

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