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EXIT MARRAKECH

EXIT MARRAKECH

EXIT MARRAKECHNach dem internationalen Erfolg von „Nirgendwo in Afrika“ kehrt Oscar-Preisträgerin Caroline Link wieder nach Afrika zurück und präsentiert mit ihrem neusten, am 24. Oktober startenden Kinofilm „Exit Marrakech“ ein außergewöhnliches Familiendrama vor der faszinierenden Kulisse Marokkos. 

 

Als der 17-jährige Ben (Samuel Schneider) seinen Vater Heinrich (Ulrich Tukur), den gefeierten Regisseur, der in Marrakesch an einem internationalen Theaterfestival teilnimmt, besucht, beginnt für ihn kein Märchen aus Tausendundeiner Nacht. Denn eigentlich wäre er lieber mit seinen Freunden nach Nizza gefahren, und außerdem ist ihm Marokko genauso fremd wie sein Vater, mit dem er zum ersten Mal seit langer Zeit wieder seine Sommerferien verbringen soll. Bens Eltern sind schon lange geschieden. Seine Mutter Lea (Marie-Lou Sellem) ist bereits auf dem Weg zu einem Konzertauftritt in Paris.

EXIT MARRAKECHDer Regisseur jedoch ist viel zu sehr mit sich selbst und seiner Premiere beschäftigt als sich um die Ankunft seines Sohnes zu kümmern. Immerhin hat Heinrich an Bens 17. Geburtstag gedacht: Um Mitternacht wird er von der Theatercrew mit einer Torte gefeiert – ohne Schokolade, denn Ben ist Diabetiker.

 

EXIT MARRAKECHWährend Vater und Sohn in den folgenden Tagen immer weiter auseinanderdriften, öffnet sich Ben mehr und mehr dem ihm fremden Land und sucht sich, fernab von Vaters Luxushotel, seine eigenen Wege in der unbekannten Welt. Er verliebt sich in die junge Karima (Hafsia Herzi) und folgt ihr in ihr entlegenes Heimatdorf im Atlasgebirge, um das „wahre“ Marokko zu entdecken.

EXIT MARRAKECHObwohl Karima klar ist, dass sie größte Schwierigkeiten bekommen wird, wenn sie einen fremden Mann – noch dazu einen Ausländer – mitbringt, lässt sie zu, dass er sie begleitet. Ihr Vater wirft sie prompt hinaus, Karima hat die Familie in Verruf gebracht. Als sie Ben dann auch noch wegschickt, ist er plötzlich auf sich allein gestellt. Jetzt beginnt also das Abenteuer! Ben bucht eine Wüstentour bei einem Fremdenführer, fühlt sich jedoch verlassen und elend: Sein Handy-Akku ist leer, und sein Insulin-Vorrat wird langsam knapp.

Als Ben sich tagelang nicht meldet, macht sich Heinrich erst widerwillig, dann zunehmend besorgt, auf die Suche nach seinem verschwundenen Sohn. In einer Polizeistation am Wüstenrand wird Heinrich sein verlorener Sohn „übergeben“ und die beiden treten ihre Reise zurück in die Zivilisation an. Eingeschlossen in Heinrichs Wagen sind sie gezwungen, endlich Zeit miteinander zu verbringen und sich mit dem anderen auseinander zu setzen.

EXIT MARRAKECHDabei offenbaren die beiden ihre Wunden und Verletzungen und kommen sich zögerlich näher. Heinrich muss verstehen, dass er von Glück reden kann, wenn er im Leben seines fast erwachsenen Sohnes überhaupt noch eine Rolle spielen darf. Und dann kommt der Wagen der beiden im Dunklen von der Straße ab und kracht durch die Leitplanke in die Tiefe…

Interview mit Regisseurin Caroline Link
Wieso spielt Ihre Geschichte in Marokko?
„Bevor ich wusste, wie meine Geschichte genau verlaufen würde, wusste ich bereits, dass sie in Marokko spielen sollte. Vor über zwanzig Jahren hatte ich eine Reise…dahin gemacht und hatte sie sehr intensiv in Erinnerung… Die gleiche Story hätte mich wahrscheinlich an einem anderen Platz nicht so interessiert. Marokko, die arabische, fremde Kultur bringt ein Gefühl von Gefahr und Sinnlichkeit in diesen Vater-Sohn-Konflikt, das hat mich gereizt.“

Haben Sie das Land nach zwanzig Jahren so wahrgenommen wie beim ersten Mal?
„Nein, es hat sich extrem verändert. Das Marokko, das ich vor zwanzig Jahren erlebt habe, habe ich nicht mehr gefunden. Marokko ist heute bis in den letzten Winkel, bis mitten in die Wüste hinein touristisch erschlossen – ganz anders als vor zwanzig Jahren. Aber ich fand die Idee interessant, mit diesem Tourismus und im Gegensatz dazu mit unserem klischeehaften Marokkobild zu spielen. Der Junge hat zum Beispiel in der Wüste kein großes Naturerlebnis, sondern er macht diesen absurden Quatsch mit, auf den Dünen Ski zu fahren. Das fand ich interessanter, als die Marokkobilder zu bestätigen, die wir aus der Literatur oder dem Kino bereits bis zum Abwinken kennen.“

Sie scheinen diese Entwicklungen in Marokko aber zu bedauern, wenn ich an
verschiedene Sätze Ihrer Figuren denke.
„Ich bedauere das nicht. Das Leben ist für viele Marokkaner angenehmer geworden. Ich fände es zynisch zu sagen: ‚Schade, ihr seid gar nicht mehr so pittoresk arm wie vor zwanzig Jahren. Da hattet ihr noch gar keinen Strom, und es war alles irgendwie so ursprünglich.‘ Natürlich ist ein gewisser Charme verloren gegangen. Es wurde besonders in Marrakesch viel zu viel gebaut und einige dieser Hotels und
Shoppingcenter stehen heute leer.“

Ihre Figuren nehmen Marokko sehr unterschiedlich wahr. Der Sohn bereist das Land
mit offenen Augen, der Vater bleibt im Luxushotel, auch weil er glaubt, ohnehin schon alles über das Land zu wissen. Haben Jugendliche die bessere Sicht auf die Welt?
„Sie haben nicht so viele Ängste. Wenn man erwachsen ist und schon ein bisschen was erlebt und gelesen hat, dann hat man manchmal vorschnell Meinungen. Ich merke selber, dass ich mir manchmal anmaße, Menschen relativ schnell beim ersten Gespräch zu beurteilen, und ich bin nicht mehr ganz so offen, neue Menschen in mein Leben zu lassen. Manchmal gibt man den Menschen oder den Orten gar nicht die
Chance, sich von einer anderen Seite zu zeigen. Wenn man jung ist und vieles zum ersten Mal macht, hat man eine viel größere Bereitschaft, die Dinge einfach mal geschehen zu lassen.“

Was hat sie an dem Verhältnis von Vater und Sohn gereizt?
„Für mich beginnt jedes Drehbuch mit einer starken Konstellation. Es geht nicht nur um einen Protagonisten, sondern ebenso sehr geht es um sein Gegenüber. In der Literatur können das verschiedene Figuren sein. Ich glaube, im Kino sollte sich der Kern der Geschichte vor allem um zwei Menschen drehen. Zu mehr reicht die Zeit meistens nicht!
Bisher waren das in meinen Geschichten meist Familienkonstellationen. Vaterfiguren spielen eine große Rolle, ich kann nicht wirklich beantworten, warum. Ich hatte eine intensive und herzliche Beziehung zu meinem Vater. Aber es sind diese Emotionen, die mich bewegen, wenn ich mir eine Geschichte überlege. Dieser Ben ist ein pubertierender junger Erwachsener, der seinen Vater eigentlich gar nicht kennt. Und
damit einen Teil von sich selbst. In meinem Umfeld gibt es erstaunlich viele Kinder, die ohne Väter aufwachsen. Was wird aus dieser Generation, die extrem geprägt ist von alleinerziehenden Müttern? Vor allem Jungs fühlen sich ihren Müttern gegenüber oft verpflichtet. Manchmal überfordert sie diese Situation.“

Wie konnten Sie sich in einen 17-jährigen Jungen hineinversetzen?
„Ich muss mich nicht immer in meine Protagonisten hineinversetzen. Ich kann mich auch nicht in einen gehörlosen Vater (wie in „Jenseits der Stille“) hineinversetzen. Ich versuche, mir als Autor meinen Reim darauf zu machen.“

Haben Sie bei Ihren Figuren reale Vorbilder vor Augen?
„Ja, real existierende Personen fließen bei der Figurengestaltung und in die Dialoge mit ein.“

Wie sind deren Reaktionen, wenn sie sich wiedererkennen?
„Wenn sie nicht zu schlecht dabei weg kommen, finden sie es wahrscheinlich gut. Meine Familie hat sich immer in meinen Filmen, vor allem in ‚Jenseits der Stille‘ und ‚Nirgendwo in Afrika‘, wiedergefunden, obwohl sie konkret nicht vorkommt. Aber trotzdem spürt sie den Geist unserer Familie. Das Zitat „Manchmal ist die
Fantasie besser als die Realität“ (Heinrich zu seinem Sohn Ben in ‚Exit Marrakech‘) ist von meinem Mann Dominik. Das ist ein Thema, über das wir viel diskutieren: Was muss man selber erleben? Reicht es nicht manchmal auch, etwas durch die Augen eines klugen Autors zu erleben?“

Fazit: Ein besonderer Film mit sensibel ausgearbeiteten Charakteren vor einer Kulisse, die Tausendundeine Nacht nicht entmystifiziert und doch realistische Einblicke gewährt. Eine Vater-Sohn-Geschichte, die auf den Punkt bringt, worum es im Leben eigentlich geht, oder gehen sollte, kombiniert mit einem extrem kurzweiligen Reise-Erlebnis (trotz 122 Minuten Filmlänge) für den Zuschauer, dass er so in der Realität wohl nicht erleben wird.

Exit Marrakech_PlakatKinostart: 24. Oktober 2013; Regie: Caroline Link; FSK: ab 6 Jahren; Länge: 122 Minuten; Verleih: Studiocanal; Link: exitmarrakech.de

 

 

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