Film

SPUTNIK

SPUTNIK

Flora " Frederike"Herbst 1989. Ein kleines Dorf in einem kleinen Land mit einer großen Mauer: Die zehnjährige Rike und ihre beiden besten Freunde bauen eine Maschine, die Menschen hin und her beamen soll – mit ungeahnten Folgen für sie, das Land und die Welt. Ab 24. Oktober läuft die Familienkomödie zum Mauerfall in unseren Kinos. 

 

SputnikIrgendwo in der DDR, am 3. November 1989: Im verträumten Dorf Malkow in Brandenburg geht alles seinen sozialistischen Gang. Dort betreiben die Eltern (Yvonne Catterfeld und Maxim Mehmet) der zehnjährigen Friederike (Flora Li Thiemann) den örtlichen Gasthof „Zur Linde“. Das aufgeweckte Mädchen schaut gern die Serie „Raumschiff Interspace“ im (verbotenen) Westfernsehen und spielt die Abenteuer im All mit ihren Freunden Fabian (Finn Fiebig) und Jonathan (Luca Johannsen) nach – sie alle träumen davon, Kosmonauten zu werden.

SputnikDer „Captain“ der Mannschaft ist aber Riekes Onkel Mike (Jacob Matschenz). Denn er hatte einst einen ähnlichen Traum und ist deshalb sogar freiwillig zur Volksarmee gegangen, um Pilot werden zu können. Aber immer wieder ist er mit seinem unangepassten Verhalten angeeckt. Als Mike mit den Kindern einen Sputnik nachbaut, macht der sich selbstständig und fliegt an einem riesigen Ballon davon – mit Rieke, die sich verzweifelt festklammert. Bei der Bruchlandung bricht sie sich den Arm und beschädigt den Streifenwagen vom pedantischen örtlichen Volkspolizisten Mauder (Devid Striesow), dem die erfinderischen Quertreiber ohnehin ein Dorn im Auge sind. 

Doch die größte Katastrophe des Tages ist die völlig unerwartete Nachricht, dass Onkel Mikes Ausreiseantrag genehmigt worden ist – er muss die DDR noch am selben Abend verlassen. Rieke ist völlig verzweifelt. Sie will doch nicht warten, bis sie Rentnerin ist, um Onkel Mike im Westen besuchen zu können! Also muss ein Teleporter her, um Onkel Mike aus West-Berlin zurück in den Osten zu beamen – ganz so, wie in ihrer Lieblingsserie.  

Sputnik

Gemeinsam mit Fabian und Jonathan bestellen sie beim hilfsbereiten Betreiber des Dorfladens, Herrn Karl (Andreas Schmidt), ein paar schwer zu beschaffende Bauteile – der Rest wird „organisiert“. Nur leider wird Herr Karl von der Volkspolizei wegen Diebstahls verhaftet und Mauder konfisziert die Linse.

Standfoto

Nach kleinen Ablenkungsmanövern und einem Einbruch in Mauders Büro ist die Maschine fertig – es ist der 9. November 1989. Der Teleporter wird hochgefahren, die Verbindung nach West-Berlin per Telefon hergestellt und…die Hauptsicherung knallt durch! Als die Kinder in die stockfinstere Schankstube des Gasthofs gehen, ist kein Mensch mehr da. Da ist etwas ganz gehörig schief gegangen: Alle Bewohner von Malkow sind auf die Berliner Mauer gebeamt worden! Ob die Kinder es schaffen, das Geschehene wieder rückgängig zu machen?

Regisseur Markus Dietrich:
„Als 1989 die Mauer zerbrach und viele Menschen auf der Welt feierten, war ich zehn Jahre alt und mittendrin. Und egal was damals Politiker dachten, sagten oder verschwiegen: Für mich wurde der Mauerfall erst viele Jahre später zum weltverändernden Ereignis. Im Oktober und November 1989, als die Menschen auf die Straße gingen und meine Eltern in der Kirche um Frieden beteten, hatten wir Kinder ganz andere Probleme. Und diese Probleme waren der Anfang eines gigantischen Abenteuers. Natürlich gab es Zeichen der Veränderung, die auch für uns Kinder spürbar waren. Aber in allererster Linie verfolgten wir, so wie auch Friederike, Fabian und Jonathan im Film, das Ziel, einen geliebten Menschen aus dem uns unbekannten Westen zurückzuholen. Das wir dabei Geschichte schrieben, den kalten Krieg beendeten und eine störende Betonwand einrissen, wurde uns erst später klar.

‚Sputnik‘ ist ein Film, der vom Alltag in einem kleinen Dorf erzählt. Überall ist der Wind der Veränderung zu spüren. Viele Familien stellen sich der Frage ‚Gehen oder Bleiben‘. Und während in Berlin und anderen Städten demonstriert wird, Botschaften besetzt und Schlupflöcher in Zäunen gesucht werden, haben es die Erwachsenen im Ort hauptsächlich mit einem Problem zu tun: sich selbst. Und das bedeutet für Friederike, Fabian und Jonathan, dass sie die Sache in ihre eigenen Hände nehmen müssen. Bevor schlimmeres passiert. Denn natürlich ist man nie zu klein für etwas…
So beginnt ein Abenteuer, dass weniger von Trabbis, Pionierblusen und roten Nelken geprägt ist, als vielmehr von Traktoren, Schafen und natürlich kosmonautischen Dingen. Ein Abenteuer über eine Zeit, die so vieles verändert hat. Wie der Sputnik bei seinem Start 1957. Und dieser Sputnik war auch nicht viel größer als ein Medizinball.“

Was Schülerinnen und Schüler von der DDR und der Wende wissen
Wie war das noch mit Willy Brandt? War das nicht ein DDR-Politiker? Und Erich Honecker demokratisch legitimiert? Und es war doch die Sowjetunion, die die Mauer errichtete. Oder waren es doch die USA? So oder ähnlich sieht es offenbar in den Köpfen vieler deutscher Schüler aus. Eine im Jahr 2008 veröffentlichte Befragung des Forschungsverbundes SED-Staat der FU Berlin belegt: Das Wissen der 16- und 17-Jährigen über die DDR ist erschreckend gering. Und was schon die älteren Schülerinnen und Schüler nicht wissen, ist den Jüngeren sowieso unbekannt – auch wenn jedes Jahr am 3. Oktober der „Tag der Deutschen Einheit“ begangen wird.

Mehr als 5.000 Schüler aus Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Bayern
wurden von Wissenschaftlern befragt. In Zahlen ausgedrückt konnten beinahe die
Hälfte der Jugendlichen das Jahr des Mauerbaus nicht nennen. Viele glaubten, der
„antifaschistische Schutzwall“ sei von der Sowjetunion oder gar den Alliierten
errichtet worden und fast ein Drittel war der Meinung, das SED-Regime sei durch
Wahlen demokratisch legitimiert gewesen. Josef Kraus, der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, sprach angesichts dieser Ergebnisse öffentlich von einem wachsenden „historischen Analphabetismus“.

Doch nicht nur an Wissen mangelt es den Jugendlichen, auch ein kurioses Geschichtsbild wurde deutlich: Viele Schüler sahen im sogenannten Arbeiter- und Bauernstaat offenbar eine Art soziales Paradies mit Arbeitsplatzgarantie und sauberer Umwelt. Repression und Überwachung in der SED-Diktatur messen sie dagegen weniger Bedeutung zu: „Die Stasi war ein Geheimdienst wie ihn jeder andere Staat auch hat“, fanden immerhin 30 Prozent der Befragten. Und fast jeder Fünfte urteilte: „Wer die DDR verlassen wollte, hatte selbst schuld, wenn an der Grenze auf ihn geschossen wurde.“

Fraglich bleibt, ob allein Schulen und Lehrer für diese Bildungslücken verantwortlich gemacht werden können. Denn das Wissen der Jugendlichen über die DDR stammt nicht ausschließlich aus Schulbüchern. Mehr als ein Drittel erfahre auch aus Gesprächen mit Eltern und Verwandten viel über die deutsche Vergangenheit, so die aktuelle Studie. Trotz gleichem Wissensstand bewerten Schüler aus Familien mit DDR-Hintergrund das SED-Regime deutlich positiver als ihre Altersgenossen aus den alten Bundesländern. Gespräche am Küchentisch sind deshalb möglicherweise viel prägender als ein Tafelbild im Geschichtsunterricht.

Fazit: Diese fantastische Abenteuer-Komödie ist ein guter Anlass für Familien, sich einmal vom gegenseitigen Wissen um die jüngste deutsche Geschichte Kenntnis zu verschaffen – und vielleicht darüber zu reden?

Sputnik_PlakatKinostart: 24. Oktober; Regie: Markus Dietrich; FSK: ohne; Länge: 83 Minuten; Verleih: MFA+; Link: sputnikderfilm.de

 

 

© 2013 MFA+ Filmdistribution

Kommentare anzeigen (3)

3 Comments

  1. V. Pasbrig

    20. November 2013 in 11:53

    Ich hab‘ das Sputnik-Paket gewonnen! 🙂 Danke dafür!

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