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DAS PFERD AUF DEM BALKON

DAS PFERD AUF DEM BALKON

Das Pferd auf dem BalkonAlleinerziehende Mama, die Nachbarin als Oma-Ersatz und als bester Freund ein schrulliger Typ, der ein Pferd auf seinem Balkon hält – kann eine Familie nicht auch so aussehen? Die österreichische Verfilmung des gleichnamigen Kinderbuch-Klassikers von Milo Dor ist eine Geschichte über Freundschaft und Toleranz mit viel schrägem Humor und einer außergewöhnlichen Bildsprache, die auch Erwachsene lieben werden. Ab 19. September wird der graue Alltag zum bunten Kinoabenteuer. 

 

Das Pferd auf dem Balkon2Der zehnjährige Mika (Enzo Gaier) lebt mit seiner Mutter Lara (Nora Tschirner) am Stadtrand von Wien. Er liebt es kniffelige Rechenaufgaben zu lösen, aber er mag keine Lügen und auch keine Witze, weil er sie einfach nicht versteht – er nimmt sie nämlich wörtlich. Mika braucht konstante Rituale, sonst ist er schnell überfordert. Um 14.17 Uhr muss Mikas Mittagessen auf dem Tisch stehen – keine Minute früher und auch keine Minute später. Das gilt auch bei Nachbarin und Leihoma Hedi (Bibiana Zeller), die sich um ihn kümmert, wenn Mikas Mutter arbeitet. Mika ist ein sonderbarer kleiner Junge, der es mit den Kindern in seiner Klasse nicht leicht hat. Dass er die Welt ein bisschen anders sieht als andere, daran ist er schon gewöhnt.

Unsentimental und für Kinder gut nachvollziehbar erklärt „Das Pferd auf dem Balkon“, warum das so ist: Mika hat das Asperger-Syndrom, eine leichte Form von Autismus. Für Mika ist es schwierig, nicht-verbale Codes sozialer Interaktion richtig einzuordnen und anzuwenden. Oder eben in Mikas Worten: „Ich habe das Asperger-Syndrom. Deshalb bin ich sehr oft gereizt. Ich kann sehr schnell wütend werden!“

Nur die gleichaltrige Dana (Natasa Paunovic) lässt sich von Mikas merkwürdigem Benehmen nicht abschrecken. Mutig nimmt sie Mika vor den anderen Kindern in Schutz und behauptet dabei gern von sich eine indische Prinzessin zu sein.

Das Pferd auf dem Balkon3

 

Als Mika eines Abends aus dem Fenster schaut, traut er seinen Augen kaum: Auf dem Balkon der Nachbarwohnung steht ein richtiges, lebendiges Pferd! Und so ist Dana auch die einzige, die am nächsten Morgen von Mikas aufregender Entdeckung erfährt. Und die klingt nach einem Abenteuer, das sich Dana auf keinen Fall entgehen lassen will. Kurzerhand steigt sie über den Balkon in die Wohnung des neuen Nachbarn Sascha (Andreas Kiendl) ein.

Und da steht es, mitten im Wohnzimmer: ein echtes, großes, braunes Pferd. Mika vergisst alles um sich herum – und so werden die beiden vom Besitzer der Wohnung ertappt. Aber Sascha scheint ein netter Kerl zu sein. Er hat das Pferd am Tag zuvor bei einer Tombola gewonnen und will es nun so schnell wie möglich wieder los werden. Denn eine Mietwohnung in der Stadt, das ist nun wirklich nicht der richtige Ort für einen ausgewachsenen Hengst. Tatsächlich ist Sascha sogar sehr froh darüber, dass sich der seltsame kleine Knirps in seiner Wohnung für das Pferd interessiert. Während sich Sascha nämlich denkbar unbeholfen bei der Tierpflege anstellt, scheint Mika eine besondere Beziehung zu dem Tier zu haben. Nur zu gern erklärt sich Mika bereit, das Pferd gemeinsam mit Sascha zu einem Reiterhof zu bringen, um es angemessen unterzustellen.

Das Pferd auf dem Balkon1

Auf dem Reiterhof wartet die nächste Überraschung: Es stellt sich nämlich heraus, dass Saschas Pferd das berühmte Rennpferd Bucephalus ist. Seit einer Verletzung ist Bucephalus jedoch als Rennpferd wertlos. Ein schwerer Schlag für Sascha, der mit dem Erlös aus dem Verkauf seine Spielschulden bezahlen wollte. Ein Glücksfall für Mika, der das Pferd schon jetzt innig liebt. Aber was tun? Sascha braucht 3000 Euro, um sich die fiesen Gangster Bert (Murathan Muslu) und Toni (Alexander Fennon) vom Leib zu halten, die ihr Geld wieder haben wollen. Es scheint nur noch einen Ausweg zu geben: der Pferdemetzger!
Zum Glück bringt Sascha das nicht übers Herz und Bucephalus scheint gerettet.
Doch dann ist das Pferd plötzlich verschwunden…

„Das Pferd auf dem Balkon“ nutzt einen klassischen Außenseiter-Stoff und gibt ihm
eine kluge neue Wendung. Unbeschwert von aller Betroffenheits-Dramaturgie, stellt der Film die Frage nach dem, was wir für normal halten und was nicht. „Jeder Mensch ist anders als die anderen“, überlegt sich Mika. „Da ist es doch egal, wenn manche Menschen ein bisschen mehr anders sind.“ Und auch jede Familie ist anders als die anderen. Kann eine normale Familie nicht auch so aussehen: alleinerziehende Mama, Nachbarin Hedi als Oma-Ersatz und als bester Freund ein schrulliger Typ, der ein Pferd auf seinem Balkon hält? Und dann ist da auch noch die quirlige Dana, die alles das verkörpert, was Mika eigentlich auf die Palme bringen müsste – jedoch erstaunlicherweise genau das Gegenteil bewirkt.

Mit viel schrägem Humor und einer außergewöhnlichen Bildsprache erzählt Regisseur Hüseyin Tabak („Kick Off“) eine Geschichte über Toleranz und Freundschaft, über das Wunderbare im Alltäglichen. Anders als die gleichnamige Buchvorlage von Milo Dor nimmt der Film nicht die Perspektive der Erwachsenen ein, sondern betrachtet die Welt, wie Mika sie sieht. Enzo Gaier spielt Mika als ernsten und nachdenklichen kleinen Jungen, der dem tristen Grau der Großstadt eine bunte Fantasiewelt entgegenhält. Für 90 Minuten steckt das Publikum in Mikas schlauem und verrücktem Kinderkopf und weiß danach mit Sicherheit: Abenteuer lauern hinter jeder Straßenecke, man muss sie nur entdecken können.

In den Hauptrollen sind Nora Tschirner, Andreas Kiendl und Bibiana Zeller zu sehen. Mit Enzo Gaier und Natasa Paunovic entdeckt der Film zwei großartige Kinderdarsteller.

Fazit: Ein Kinderfilm wie Kinderfilme sein sollen: spannend, lustig – und das Wichtigste: ein kleines bisschen verrückt.

Das Pferd auf dem Balkon_PlakatKinostart: 19. September 2013; Regie: Hüseyin Tabak; FSK: ohne; Länge: ca. 93 Min.; Verleih: Neue Visionen; Link: daspferdaufdembalkon.de

 

© Neue Visionen Filmverleih

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