Familienpolitik

Bundestagswahl 2013: Umfrage zur Familienpolitik

Bundestagswahl 2013: Umfrage zur Familienpolitik

FamilienpolitikElf Tage vor der Bundestagswahl 2013 läuft der Wahlkampf auf Hochtouren. Die Parteien sind bemüht, letzte unentschlossene Wähler von sich zu überzeugen. Das Zünglein an der Waage können dabei mitunter familienpolitische Aspekte des Wahlprogramms sein.


In einer repräsentativen Umfrage hat JAKO-O, der Versandhändler für „Kindersachen mit Köpfchen“, Eltern nach ihren Bedürfnissen gefragt – und die Parteien nach ihren familienpolitischen Schwerpunkten. Mit 96 Prozent halten fast alle Eltern die Familienpolitik für einen wichtigen Aspekt innerhalb der Regierungsarbeit. 71 Prozent geben sogar an, dass ihnen Familienpolitik „sehr wichtig“ ist.
Gefragt danach, wem sie eine bessere Familienpolitik nach der Bundestagswahl zutrauen, stimmen die Eltern mit 40 Prozent für eine rot-grüne Regierungskoalition. 34 Prozent sprechen sich für eine Regierung aus CDU/CSU und FDP aus. Was aber soll sich konkret ändern?

Umfrageergebnisse
In Hinblick auf bestehende familienpolitische Leistungen halten 99 Prozent der Eltern die beitragsfreie Mitversicherung der Kinder in der Kranken- und Pflegeversicherung für wichtig. Mit 96 Prozent ist das Kindergeld fast von ebenso großer Bedeutung. Beim Betreuungsgeld sind die Eltern geteilter Meinung: Exakt 23 Prozent halten es für „sehr wichtig“, 27 Prozent für „eher wichtig“, 27 Prozent stimmen für „eher unwichtig“ und 23 Prozent für „völlig unwichtig“.

Die Top-3 der familienpolitischen Ziele, um die sich die Bundesregierung in Zukunft kümmern sollte, sind nach Meinung der Eltern:
1. gleiche Bildungschancen für alle Kinder (98 Prozent)
2. die Förderung benachteiligter Kinder (98 Prozent)
3. bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie (95 Prozent)

Eltern legen Wert auf Bildung und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie
Fast 90 Prozent Zustimmung erhalten auch der Ausbau von Kindertagesstätten (Westen: 88 Prozent, Osten: 99 Prozent), die verstärkte Integration von Migrantenkindern (Westen: 91 Prozent, Osten: 86 Prozent), die Förderung leistungsbegabter Kinder (Geringverdiener: 98 Prozent, Besserverdiener: 88 Prozent) sowie eine bessere finanzielle Unterstützung von Eltern.

Die Parteien haben in ihren Wahlprogrammen bereits konkrete Maßnahmen formuliert, mit denen sie diese Ziele erreichen wollen. Davon bewerten Eltern die bessere Anerkennung von Erziehungszeiten und -leistungen in der Rente (93 Prozent) als sinnvollstes Vorhaben. Auf Platz zwei rangieren geringere Sozialabgaben für Eltern (84 Prozent). Neben diesen finanziell unterstützenden Maßnahmen legen Eltern aber auch Wert auf Regelungen, die eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtern sollen: einen Anspruch auf einen Vollzeit-Arbeitsplatz nach familienbedingter Teilzeit (83 Prozent), eine verlässliche Ganztagsbetreuung (80 Prozent), kostenfreie Kindergarten-Betreuung (76 Prozent) sowie ein flächendeckendes Angebot an Ganztagsschulen (76 Prozent). Die von der Politik betonten Vorhaben wie die Kindergrundsicherung oder die Erweiterung des Ehegattensplittings sind für Eltern weniger relevant.

Gefragt wurden Eltern auch, wo ihnen eher der Schuh drückt: Bei den Familienfinanzen oder bei der Zeit für die Familie. Der Mehrheit macht die fehlende Zeit Sorgen (53 Prozent), allerdings trifft dies nur auf Befragte mit einem Haushaltsnettoeinkommen ab 2.000 Euro zu. Wer weniger verdient, sorgt sich eher um die Finanzlage der Familie.

„Familienpolitik ist nichts, das Eltern passiv über sich ergehen lassen“, so JAKO-O Geschäftsleiterin Bettina Peetz, selbst Mutter von drei Kindern. „Sie wollen mitbestimmen, teilhaben und auch gehört werden, wenn etwas nicht nach ihren Vorstellungen läuft. Die JAKO-O Umfrage zeigt deutlich, dass Eltern beim Krippenausbau, beim Bildungssystem und, nicht zuletzt, beim Thema Familienzeit Handlungsbedarf sehen. Mütter und Väter wollen arbeiten und gleichzeitig Zeit für ihre Familie haben. Wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer hier mit politischer Unterstützung künftig einen Konsens finden, profitieren letztlich alle.“

Parteien beziehen Stellung
Neben den Eltern wurden auch die großen Parteien nach ihren familienpolitischen Schwerpunkten befragt. CDU/CSU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, FDP und Die Linke antworteten einheitlich, den Kita-Ausbau weiter vorantreiben zu wollen. Hauptsächlich sehen die Parteien ihre Aufgabe darin, dem seit August rechtskräftigen Betreuungsanspruch Maßnahmen der Qualitätssicherung folgen zu lassen. SPD und Die Linke setzen sich zudem für eine bundesweit kostenfreie Kinderbetreuung ein, die CDU/CSU hingegen legt mehr Wert auf zusätzliche Betriebs-Kitas und flexible Betreuungsmöglichkeiten. Darüber hinaus wollen sich CDU/CSU und SPD dafür einsetzen, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch verschiedene Arbeitszeitmodelle zu fördern.

Dennoch stellt sich die Frage, welche Relevanz die Familienpolitik für die Parteien tatsächlich im Wahlkampf hat. Immer weniger Wähler sind direkt von den Auswirkungen der Familienpolitik betroffen: Nur etwa ein Fünftel der Wahlberechtigten hat Kinder unter 18 Jahren. „Die Interessen von Eltern sind stark unterrepräsentiert“, sagt Bettina Peetz. „Zudem interessiert sich ein Großteil der Wähler – wenn überhaupt – nur sekundär für die Familienpolitik. Dabei gehen die Belange von Kindern und Eltern jeden von uns an. Kinder sind unsere Zukunft und beeinflussen damit auch maßgeblich die Zukunft unserer Gesellschaft – nicht nur in Bezug auf die Renten.“ Es bleibt abzuwarten, welche Versprechungen die künftigen Regierungsparteien einlösen werden, um Deutschland familienfreundlicher und ein Leben mit Kindern attraktiv zu gestalten.

 

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