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TV-Tipp RTL: Die Kinder der Sekte „12 Stämme“

TV-Tipp RTL: Die Kinder der Sekte „12 Stämme“

RTL_LogoDie Sekte „12 Stämme“ in der bayerischen Gemeinde Donau-Ries stand bereits seit Jahren unter dem Verdacht ihre Kinder systematisch zu misshandeln und mit Schlägen gefügig zu machen. Bisher fehlten den Behörden die entscheidenden Beweise, um einzugreifen. Diese lieferte jetzt RTL-Reporter Wolfram Kuhnigk, der mit Aussteigern sprach und sich über Monate immer wieder in die Sekte einschleuste, undercover recherchierte und filmte. „Extra“ am Montag, den 9. September um 22:45 Uhr.

 

Sie wohnen idyllisch und zurückgezogen in einem ehemaligen Kloster in der bayerischen Gemeinde Donau Ries bei Augsburg. Die rund 150 deutschen Mitglieder der internationalen Sekte „12 Stämme“ leben hier, nach eigener Aussage, bibeltreu in der Tradition des Urchristentums. Doch die Idylle trügt.

Bereits seit Jahren steht die Sekte unter der Beobachtung der Behörden. Der Verdacht: Die Gemeinschaft misshandelt und schlägt regelmäßig ihre Kinder, um frühzeitig deren Willen zu brechen und sie so zu gefügigen Mitgliedern zu machen. Angstszenarien, Prügel, soziale Isolation und wirtschaftliche Abhängigkeit von der Gemeinschaft sorgen dafür, dass das perfide System der Sekte die einzelnen Mitglieder funktionieren und schweigen lässt.

Erst jetzt konnten die Recherchen und Filmaufnahmen des RTL-Reportes Wolfram Kuhnigk, der sich über Monate immer wieder in die Sekte einschleuste, die nötigen Beweise für die Brutalität der Sekte gegen ihre eigenen Kinder beibringen. Kuhnigk installierte dazu in den Räumen, in denen die Kinder misshandelt wurden, eine speziell angefertigte Überwachungstechnik, die die brisanten Bilder aufzeichnete. Der RTL-Reporter konnte auch das spezielle „Erziehungsbuch“ der Sekte sichern. Hier wird ausdrücklich auf körperlichen Schmerz als wesentlicher Bestandteil der Erziehung hingewiesen. Gerade für willensstarke Kinder wird die Rute zur Züchtigung empfohlen. Schläge und Schmerzen seien das einzige Druckmittel, um die Kontrolle zu bewahren. Alles Weltliche, wie Sport beispielsweise, sei „Teufelszeug“ und zu unterbinden. Im Religionsunterricht lernen die Kinder dann, dass Afrikaner verflucht und Farbige, Homosexuelle und Frauen, Menschen einer minderen Rasse seien.

Das gesammelte Material ist ebenso erschütternd wie eindeutig – und für die Sekte folgenschwer. Am letzten Donnerstag holte die Polizei in einem Großeinsatz, an dem rund 100 Beamte beteiligt waren, alle Kinder der Mitglieder aus der vermeintlich urchristlichen Gemeinschaft in Klosterzimmern. Das Amtsgericht Nördlingen hatte einen vorläufigen Sorgerechtsentzug angeordnet. Die Kinder sollen jetzt in Pflegefamilien untergebracht werden.

Wolfram Kuhnigk: „Ich war einfach fassungslos, was dort alles zu Tage kam. Ich bin daher sehr froh, dass es uns gelungen ist, den Behörden die fehlenden Beweise zu liefern, so dass endlich gehandelt und die Kinder in Sicherheit gebracht werden konnten.“

Erstmals auffällig wurde die Sekte, als sie 2004 verweigerte, die Kinder auf eine staatliche Schule zu schicken. Die Väter nahmen damals sogar eine Erzwingungshaft in Kauf. In Folge genehmigte das Bayerische Kultusministerium eine „Ergänzungsschule“ innerhalb der Klostermauern. Diese wurde jetzt geschlossen, nachdem der einzige staatlich anerkannte Lehrer ausgestiegen ist. Auch dort sollen die Kinder mit dem Weidenstock gezüchtigt worden sein.

Warum aber handelte das Kultusministerium erst jetzt? Dr. Ludwig Unger, Pressesprecher des Kultusministeriums: „Es hat sich aus unserer Erkenntnis heraus nie bestätigt, dass Kinder dort (in der Schule) geschlagen wurden. Aber ein Mitglied der Gruppe hat auch in einem Gespräch mit unserem Haus erklärt, dass es durchaus in Familien, offensichtlich im Privatbereich, Gang und Gäbe sein soll, zumindest gelegentlich, dass Kinder geschlagen werden. In der Schule, in diesen Räumen der Ergänzungsschule, während des Unterrichts soll es jedenfalls nicht vorgekommen sein. Wir haben da aber ausdrücklich Wert drauf gelegt, dass so etwas nicht sein darf und die Gemeinschaft hat uns gegenüber schriftlich erklärt: Schläge oder ähnliches gab es im Unterricht nicht.“

Christian R. (21 J.) wurde in der Sekte geboren. Er hat den Ausstieg aus der Sekte geschafft. Er zeichnet ein ganz anderes Bild und bestätigt deren brutale Erziehungsmethoden: „Schläge sind immer vorgekommen, jeden Tag. Manchmal sogar mehrfach in vier Stunden. Man denkt, das ist normal, weil man es nicht anders kennt. Klar versucht man sich irgendwie rauszureden, aber je weiter man versucht sich rauszureden, desto weiter reitet man sich eigentlich rein und desto mehr kriegt man, das ist wie ein Konto eigentlich.“

Auch Aussteiger Yael R. (19 J.), ebenfalls in der Sekte geboren, bestätigt diese Eindrücke: „Ich hab das ja selbst erlebt. Aber als ich das gesehen habe bei anderen Kindern, wie die das halt teilweise handhaben, da lief es mir echt kalt den Rücken runter, weil die die Kinder von klein auf – die sind sechs Monate oder ein Jahr alt – restrainen. Die müssen die Hände zusammen falten und die halten die dann fest, wenn die so rumzappeln, dann drücken die den Kopf runter, damit sie sich wirklich nicht bewegen können. Wenn sie schreien, dann haben die halt solche Weidenruten, dann gibt es ein paar auf die Beine oder so. Bis die Kinder echt die Klappe halten, also bis die total still sind.“

Doch warum ist das Jugendamt nicht eingeschritten? Alfred Kanth, Leiter des Jugendamtes Donauwörth: „Auf die direkte Befragung erklärten sie, (die Eltern) dass sie selber mit einem Stock schlagen, dass das zu ihrer Erziehungsmethode gehört, dass dieses Erziehungsrecht auch weitergegeben werden kann an einen Nachbarn beispielsweise.“ Die Befragung der Kinder jedoch ergab damals ein anderes Bild: „Wir haben alle Kinder befragt, ohne Erwachsene, und kein Kind hat die Schläge eingeräumt. Die Möglichkeiten sind eingeschränkt und dann müssen wir zuschauen. Du kannst den Kindern nicht helfen, auch wenn du das gerne möchtest.“

Dafür, dass selbst die regelmäßigen Kontrollen des Amtes ergebnislos blieben, hat Aussteiger Christian R. eine einfache Erklärung: „Die sagen, wir kommen in zwei Wochen, dann wird zwei Wochen davor aufgehört, wird nur auf die Hand oder auf die Füße geschlagen , so dass man es nicht sieht, und dann werden nur die Vorzeigekinder gezeigt. Also man kriegt es immer hin.“

Aufgrund des RTL-Materials konnte das Jugendamt jetzt agieren und die Kinder der Sekte in Pflegefamilien unterbringen.

Die bewegende Reportage sehen Sie am Montag, den 9. September um 22:45 Uhr in „Extra“.

 

 

 

 

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