Film

KÖNIG VON DEUTSCHLAND

KÖNIG VON DEUTSCHLAND

König von DeutschlandIst Ihre Lieblingsfarbe Blau? Essen Sie am liebsten Schnitzel? Heißt Ihr Lieblingsbuch „Der Herr der Ringe“ und gucken Sie in Ihrer Freizeit am liebsten Fußball? Dann gehören auch Sie zum durchschnittlichsten Durchschnitt Deutschlands! So wie auch Thomas Müller – zumindest bis ihm klar wird, dass er damit der Spielball der Meinungsforschung ist (Kinostart 5. September). 

 

 

Lieblingsfarbe: Blau.
Lieblingsbuch: Der Herr der Ringe.
Lieblingsspeise: Schnitzel mit Pilzsoße.
Liebste Freizeitbeschäftigung: Fußball gucken.
Um 23:04 Uhr im Bett, um 6:18 Uhr klingelt der Wecker, dann 24,6 Minuten im Bad. Jeden Tag 4 Stunden fernsehen, 37 Minuten lesen und 15 Minuten mit seiner Ehefrau unterhalten. 7 Minuten bis zum Höhepunkt. Das ist das „königliche“ Leben von Thomas Müller (Olli Dittrich).

Thomas führt eine durchschnittliche Ehe mit Sabine (Veronica Ferres) und hat durchschnittliche Verständigungsprobleme mit seinem durchschnittlich pubertierenden Sohn Alexander (Jonas Nay).

König von DeutschlandAls er unvorhergesehen seinen Job verliert, bricht seine Welt zusammen. Doch dann begegnet Thomas der charismatische Stefan Schmidt (Wanja Mues), der ihm kurzerhand einen neuen Job bei Industries Unlimited anbietet. Und überraschenderweise ist auf einmal genau seine Meinung zu allem und jedem gefragt: Von der Biermarke, seiner Lieblingsmusik, der Krawattenfarbe bis zu seinen politischen Ansichten.

König von DeutschlandAls Thomas misstrauisch wird und herausfindet, warum ausgerechnet er plötzlich so wichtig geworden ist, versucht er mit Hilfe seines Sohnes Alexander und dessen Freundin Mira (Jella Haase) sowie seiner heimlichen Liebe Ute (Katrin Bauerfeind), sich endlich aus der Durchschnittlichkeit zu befreien und über sich hinauszuwachsen.

Natürlich hat jeder gleich beim Lesen des Filmtitels den gleichnamigen Rio Reiser-Hit im Hinterkopf, in dem der einstige Ton Steine Scherben-Frontmann beschrieb, was er machen würde, wenn er hier der Chef wäre. Und zunächst erscheint es auch so, dass dieser Herr Müller (nachgewiesenermaßen der durchschnittlichste Name hierzulande) – und bravourös gespielt von Olli Dittrich – durchaus das Potential haben könnte, seine ihm zugewiesene Machtposition zu weit über seine persönlichen Zwecke hinausgehenden Strategien zu nutzen.

Koenig von Deutschland2Natürlich hatte auch schon ein jeder einmal das Gefühl, dass er mit einer geäußerten Meinung oder einer Idee der Vorreiter bei einer Trendentwicklung war. Oder etwa nicht? Das ist ja auch kein Wunder, so wie via Telefon oder Straßenbefragung tagtäglich unsere Meinung abgescannt wird.

Mit anderen Worten: Die Idee des Films ist zwar nicht neu (z.B. die „Truman Show“ lässt hier heftig grüßen), aber interessant – Stoff für eine Satire, die ganz nah an uns dran ist: Der Durchschnittsdeutsche bestimmt in seiner Mittelmäßigkeit die Geschicke des Landes, die weit über das Konsumverhalten hinausgehen. Denn er wird auch zur Stimme, zum Ideengeber einer Partei, die das so ermittelte Stimmungsbarometer des Landes zum breit gefächerten Parteiprogramm macht. Auch das kommt uns irgendwie bekannt vor, oder?

Wenn Drehbuchautor und Regisseur David Dietl mit seinem Debütfilm eine Durchschnittskomödie abliefern wollte, so ist ihm das voll und ganz gelungen. Denn dort, wo der Film ansetzen könnte, richtig bissig zu werden, verliert er sich in Kleinigkeiten und versandet. Was wäre denn, wenn dieser Herr Müller in seiner königlichen Pole Position die Durchschnittsschiene verließe und selbst die Machtposition ergreifen würde? Aber Herr Müller bleibt Herr Müller – in all seiner Durchschnittlichkeit. Fragt sich nur, warum er mit einem so taffen Sohn gesegnet wurde, der von Jonas Nay herrlich erfrischend verkörpert wird. Oder ist eben das der Clou? Wir stecken im System fest, aber die nächste Generation wird’s schon richten?

Dafür ist dann aber dieses Konstrukt der Markt- und Meinungsforscher zu instabil gebaut. Wie herrlich wäre es, einige satirische Lichtfunken hinter die Strippen ziehende finstere Figur des Wallenstein (Hanns Zischler) zu streuen – und ihm somit zumindest eine Funktion à la „Big brother is watching you“ zu geben. 

Kurzum, die durchschnittliche Bewertung: Schöne Idee, perfekte Besetzung, jede Menge Gesprächsstoff nach dem Kino – und ein fahler Nachgeschmack, dass man’s hätte bissiger machen müssen.

Koenig von Deutschland_PlakatKinostart: 5. September 2013; Regie: David Dietl; FSK: ohne; Länge: ca. 97 Min.; Verleih: Zorro Film; Link: facebook/koenigvondeutschland.derfilm

 

 

 

Kommentare anzeigen (1)

1 Kommentar

  1. Pingback: Gewinnspiel: "König von Deutschland" auf DVD | Absolut Familie

Hinterlassen Sie eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Mehr in Film

Nellys Abenteuer

„Nellys Abenteuer“ fürs Heimkino

Barbara Leuschner17. März 2017
Moonlight

Kinotipp: MOONLIGHT

Barbara Leuschner9. März 2017
Trolls 1

Musical-Abenteuer „Trolls“ fürs Heimkino

Barbara Leuschner7. März 2017
Disney mitmach-kino 1

Disney Junior Mitmach-Kino am 5. März!

Barbara Leuschner2. März 2017

Andreas Bourani zu seiner Rolle in Disneys „Vaiana“

Thomas Meins23. Dezember 2016
(Pictured) DORY. ©2013 Disney•Pixar. All Rights Reserved.

Kinotipp: FINDET DORIE

Barbara Leuschner29. September 2016
tschick-start

Kino-Tipp: TSCHICK

Thomas Meins15. September 2016
elliot-der-drache-17-rcm0x1920u

Kinotipp: ELLIOT, DER DRACHE

Thomas Meins25. August 2016

Exklusiver Clip zu CONNI & CO

Thomas Meins2. August 2016
ghostbusters-start

Kinotipp: GHOSTBUSTERS

Thomas Meins1. August 2016